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Nationalspielerin Barbara Wezorke ist zurück in Dresden

Volleyball Nationalspielerin Barbara Wezorke ist zurück in Dresden

Sie ist zurück in Dresden und genießt die Zeit an der Elbe in vollen Zügen: Volleyballerin Barbara Wezorke kann ihr Glück noch gar nicht richtig fassen, künftig für den Dresdner SC zu spielen. Als sie einst beim VC Olympia Dresden spielte, träumte sie davon – nun geht ihr Wunsch in Erfüllung.

Barbara Wezorke hat ein Faible für den Canaletto-Blick.

Quelle: Matthias Rietschel

Dresden.

Als der Kontakt zu Trainer Alexander Waibl durch ihre frühere VCO-Mitspielerin Katharina Schwabe im Frühjahr zustande kam, habe sie sich nach einem Gespräch mit dem Coach „aus dem Bauch heraus“ sofort für den DSC und nicht für eines der beiden anderen Angebote entschieden. „Dass mich Dresden haben will, hat mir schon ein wenig geschmeichelt. Es ist für mich der nächste Schritt nach oben. Und es hat einfach das Gesamtpaket gestimmt“, gibt sie bei einem Spaziergang zu ihren Lieblingsplätzen in Elbflorenz freimütig zu.

Natürlich beginnt der kleine Bummel am roten Rahmen, der die Stelle am Elbufer markiert, von der aus das berühmte Bild des Malers Bernardo Bellotto entstand. Weiter entführt uns Barbara Wezorke am Goldenen Reiter vorbei in Richtung Albertplatz. „Meine Liebe zur Neustadt ist damals entstanden und noch immer ungebrochen. Ich mag das Viertel mit den vielen jungen Leuten, alles ein bisschen alternativ“, bekennt die gebürtige Hessin, für die jene Zeit damals beim VCO prägend gewesen sei. „Hier habe ich bei Jens Tietböhl das Volleyballspielen erst richtig gelernt. Es war damals genau die richtige Entscheidung“, bekennt die 1,86 m große junge Frau, die sich inzwischen nicht nur volleyballerisch, sondern auch menschlich weiterentwickelt hat, sehr reif, überlegt und gut strukturiert wirkt.

Am Albertplatz angekommen, erinnert sie sich, wie sie damals mit ihrer Freundin und Mitspielerin Silvia Sperl hier auf einer Bank am Brunnen saß: „Es war das letzte halbe Jahr beim VCO angebrochen und wir sprachen darüber, dass wir eigentlich noch mehr Potenzial in uns verspüren, dass wir mehr wollen. Ein solches Gefühl hatte ich vorher nie, erst in Dresden. Und wie es der Zufall wollte, rief Alexander Waibl genau einen Tag später bei Silvia an, um ihr zu sagen, dass er sie in die erste Mannschaft hochziehen möchte. Ich habe mich sehr für sie gefreut. Für mich wäre dieser Schritt damals noch zu früh gekommen. Dafür war ich noch nicht reif. Aber auch ich bekam dann einen Erstliga-Vertrag in Wiesbaden.“

Zwei Jahre später wechselt sie zum Schweizer Erstligisten Kanti Schaffhausen und 2014 wagt sie mit ihrer damaligen Freundin, der brasilianischen Libera Erika Carvalho de Sousa, den großen Sprung in deren Heimatland. Zwar erhält sie für Brasilia Volei keine Spiellizenz, aber „das Training an der Seite von Olympiasiegerinnen hat mich enorm weitergebracht und es war einfach mein Traum, einmal in diesem volleyballverrückten Land zu sein. Ich habe es als Investition in mich selbst gesehen, auch wenn ich finanziell draufgezahlt habe“, möchte sie diese Erfahrung keinesfalls missen. Zudem wisse man erst, wenn man im Ausland war, was man an Deutschland habe. Dort habe sie zudem Blut geleckt. „Ich wollte nun zurück in die Bundesliga und sehen, wie weit ich da komme.“

Als sie in Vilsbiburg anheuert, bescheinigen ihr viele Insider eine augenscheinliche Leistungsentwicklung. Die sie in diesem Sommer immerhin erstmals in die Nationalmannschaft bringt. „Ich war nie Jugend- oder Juniorenauswahlspielerin. Als ich dann bei der Einkleidung das Trikot mit dem Adler überstreifen durfte, war ich total aus dem Häuschen“, sagt sie lachend. Sechs Länderspiele stehen seither zu Buche und es sollen möglichst noch viele dazukommen. „Am 14. August treffen wir uns wieder in Schwerin zum Trainingslager, um uns auf die EM in Baku vorzubereiten. Natürlich hoffe ich, dass ich dabei sein werde“, so die gelernte Kauffrau für Büromanagement, die später auf jeden Fall noch studieren möchte. Psychologie oder Mathematik. „Ich mag Zahlen und logisches Denken“, erklärt sie. Kein Wunder, schließlich komme sie aus einem Akademiker-Haushalt und Bruder und Schwester hätten schon promoviert, wie sie grinsend erwähnt.

Die nächsten Stationen in der Neustadt sind ein Modegeschäft („Hier kaufte ich das Kleid für die Abiturzeugnisausgabe am Sportgymnasium“) und eigentlich ein Tattoo-Studio, das es aber inzwischen nicht mehr gibt. „Hier ließ ich mir bei einem Besuch bei meiner besten Freundin Ines Wilkerling (ebenfalls ehemalige VCO-Spielerin/d. Redaktion) 2013 mein erstes und einziges Tattoo stechen. Dazu zeigt Wezorke anschließend bei einer letzten Rast in der Kunstpassage den Jesusfisch auf ihrem rechten Fuß. „Ich mag nur Tattoos, die eine Bedeutung haben. Bei mir ist es, wie mein Kreuz an der Halskette, das Bekenntnis zum Christentum. Und es sollte mich auch an die prägende Zeit in Dresden erinnern. Und dass es auf dem Fuß ist, soll sagen, mein Glaube bestimmt meine Schritte“, erläutert sie ehrlich ihre Beweggründe und damit schließt sie den kleinen Spaziergang.

Schon heute fliegt Barbara Wezorke weiter nach Dublin. „Ich mache eine Woche Urlaub in Irland, danach bin ich noch mal daheim bei der Hochzeit meines Bruders und dann ruft die Nationalmannschaft“, verabschiedet sie sich. Wenn es nach ihr geht, dann wird sie erst im Oktober wieder den Canaletto-Blick genießen – wenn die EM vorbei ist und sie dabei sein durfte.

Von Astrid Hofmann

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