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Sport Regional Motorsport-Fans erinnern an die Rennen auf der Dresdner Autobahnspinne
Sportbuzzer Sport Regional Motorsport-Fans erinnern an die Rennen auf der Dresdner Autobahnspinne
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11:26 26.04.2017
Ewald Kluge bei einem seiner zwei Starts 1952 auf der Autobahnspinne im Norden Dresdens.  Quelle: G. Geyler
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Dresden

 Am Wochenende wird es auf der Alten Moritzburger Landstraße zwischen Weixdorf und Marsdorf laut. Liebhaber historischer Rennmotorräder aus dem In- und Ausland treffen sich am Sonnabend und Sonntag zum 21. Internationalen Autobahnspinne-Wettbewerb. Solo- und Seitenwagen-Maschinen, die vor 1975 zugelassen wurden, knattern dann über einen zwei Kilometer langen Rundkurs. Gewidmet ist die diesjährige Veranstaltung, die von den Freunden des Historischen Motorrad-Rennsports Weixdorf, dem Heimatverein Weixdorf, den Oldtimerfreunden Ottendorf-Okrilla, dem Marsdorfer e.V. und dem Allgemeinen Deutschen Motorsport-Verband organisiert wird, der Dresdner Motorrad-Legende Ewald Kluge. Der zweimalige Europa- und vierfache Deutsche Meister feierte vor 65 Jahren beim Autobahnspinne-Rennen einen überlegenen Sieg in der 250-Kubikzentimeter-Klasse.

Im Jahr 1952 war der damals als Rennstrecke genutzte Autobahnabzweig Berlin-Bautzen Anziehungspunkt für mehr als 100 000 Zuschauer. Sie wollten vor allem ihren Helden aus der Vorkriegszeit sehen. Ewald Kluge, geboren im heute zum Dresdner Ortsteil Weixdorf gehörenden Lausa, hatte als DKW-Werksfahrer zwischen 1936 und 1939 die Deutsche Meisterschaft in der 250-Kubikzentimeter-Klasse gewonnen sowie 1938 und 1938 auch den Europameistertitel geholt. Zudem war der Sachse 1938 auf einer ULD 250 bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man als Sieger ins Ziel gekommen und hatte damit als erster Deutscher das schwerste Motorradrennen der Welt gewonnen.

1952 lockt Ex-Europameister Kluge die Massen an die Autobahnspinne

Dass Kluge 1952 in seiner Heimat noch einmal an den Start ging, das war nicht selbstverständlich, denn er lebte damals schon in der Bundesrepublik. Sein Arbeitgeber DKW war nach der Demontage der sächsischen Werke durch die sowjetischen Besatzer als Teil der Auto-Union von Chemnitz nach Ingolstadt übergesiedelt. Kluge hatte sich nach der Freilassung aus dem sowjetischen Straflager in Mühlberg an der Elbe – dort saß er zwischen 1946 und 1949 drei Jahre lang ein, weil er wegen seiner Mitgliedschaft im Nationalsozialistischen Kraftfahrer-Korps als Nazi denunziert worden war – nach Bayern abgesetzt, um ab 1950 wieder als DKW-Werksfahrer arbeiten zu können. Seine Inhaftierung hatte er noch frisch im Gedächtnis, als er zwei Jahre später in die frühere sowjetische Besatzungszone reiste. „Er fühlte sich aber den Leuten in seiner Heimat verbunden und wollte sie nicht enttäuschen“, weiß Jürgen Ehrhardt vom Organisationsteam des diesjährigen Gedächtnisrennens. Berichten kann darüber am Wochenende Kluges Sohn, der wie auch eine Abordnung des Audi-Traditionsteams aus Ingolstadt anreist.

Lokalmatador gewinnt in der 250er Klasse und hat Pech bei den 350ern

1952 trat Kluge senior häufig als Doppelstarter in der 250er- und der 350er-Klasse an. So auch auf der Autobahnspinne, deren nach dem Krieg noch gut erhaltener Asphaltbelag damals ideale Bedingungen für den Rennsport bot. In der 250er-Klasse legte Kluge einen Start-Ziel-Sieg hin. In der 350-Kubikzentimeter-Klasse sah es auch lange nach einem ungefährdeten Triumph des Lokalmatadors aus, doch in der letzten Runde fiel eine Zündkerze an seiner „Singenden Säge“ aus. Wechseln konnte er die Kerze trotz großen Vorsprungs auf Xaver Heiss nicht, denn den Schlüssel hatte er beim Anschieben der Maschine am Start verloren. Obwohl er seine RM 350 am Straßenrand abstellen musste, wurde Kluge dennoch groß gefeiert. Seine fahrerische Klasse hatte er zuvor ausreichend unter Beweis gestellt. Noch ein Jahr lang fuhr er Rennen, ehe ein schwerer Sturz auf dem Nürburgring seine Fahrerlaufbahn beendete. 1964 starb er an Krebs.

August Hobl erklärt die Vorzüge der legendären „Singenden Säge“

Die Rennsportfans von heute können sich an diesem Wochenende nicht nur auf die Spuren des Dresdner Idols begeben, sondern auch eines der Motorräder bewundern, das Kluge früher zu vielen Siegen trug. Audi schickt eine der legendären „Singenden Sägen“ nach Dresden. Welche Vorzüge dieses Modell besaß, davon kann auch August „Gustl“ Hobl persönlich erzählen. Der Frankfurter ist vor wenigen Tagen 86 Jahre alt geworden und absolviert in Dresden möglicherweise einen seiner letzten größeren öffentlichen Auftritte. 1955 wurde der Hesse auf der DKW RM 350 eutscher Meister, gewann u.a. beim Eifelrennen und auf dem Sachsenring. Bei der Weltmeisterschaft holte er im gleichen Jahr Bronze.

Neben Fachgesprächen erwarten die Fans vor allem Gleichmäßigkeits- und Präsentationsläufe. Die Bandbreite der dabei gezeigten historischen Motorräder dürfte nicht eben klein sein, denn das Interesse der Szene war vorab groß. „Es sind 250 Meldungen eingegangen. Fahrer aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich, Tschechien und Großbritannien haben sich angesagt“, freut sich Jürgen Ehrhardt. Die letzten Vorbereitungen laufen bereits am Mittwoch an, denn Am Hornsberg beginnt der Aufbau des Fahrerlagers.

Von Jochen Leimert

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