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Sport Regional Kugelstoßer David Storl enttäuscht im Finale und wird nur Siebenter
Sportbuzzer Sport Regional Kugelstoßer David Storl enttäuscht im Finale und wird nur Siebenter
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16:46 19.08.2016
David Storl hatte im Finale von Rio nicht die gewohnte Power und ging mit Platz sieben enttäuscht aus dem Stadion. Quelle: EPA
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Rio de Janeiro

Das Kugelstoß-Finale war für David Storl gleich in doppelter Hinsicht ein Spiegelbild: ein Abklatsch seiner eigenen holprigen Saison sowie eine Kopie des Auftritts seiner Trainingskollegin Christina Schwanitz sechs Tage zuvor. Auch beim großen Hoffnungsträger des SC DHfK deutete sich nach schwachem Beginn schon in Durchgang zwei an, dass seine sonstigen Trümpfe Dynamik, Schnelligkeit und Selbstvertrauen auf dem Weg über den großen Teich verloren gegangen waren. Zwei Mal rettete sich Storl eine Runde weiter. Erst als Zehnter der Qualifikation, dann als Siebter des Final-Vorkampfes. Doch auch am Ende ging nicht mehr als Platz sieben mit 20,64 Metern ins Protokoll ein, zu Bronze fehlten 73 Zentimeter. Schwanitz war als Sechstplatzierte unter ihren Möglichkeiten geblieben.

Und auch diese Randnotiz beider Kugelstoß-Finals war identisch: Beiden Europameistern aus Sachsen hatte der Titel von Amsterdam nicht den erhofften Rückenwind verliehen. Beide wurden in Rio im kontinentalen Vergleich bezwungen. Schwanitz von einer Ungarin, Storl von Altmeister Tomasz Majewski. Der fast 35 Jahre alte Pole hatte dem Chemnitzer 2012 die Goldmedaille um vier Zentimeter weggeschnappt und damals gesagt: „In vier Jahren bist du dran.“ Am Freitag stellte Storl kleinlaut fest: „Gegen den verliere ich immer bei Olympia.“ Dabei ist Majewski nicht mehr in der Form vergangener Jahre.

Mit viel Fantasie konnte man ein Mini-Lächeln im Gesicht von David Storl ablesen, als er im gut besuchten Olympiastadion vorgestellt wurde. Ansonsten verriet seine Körpersprache eine zu große Anspannung. Nach dem Finale wiederholte er viele Aussagen von Christina Schwanitz mit seinen eigenen Worten: „Ich konnte die Technik-Hinweise des Trainers nicht umsetzen.“ Oder: „Ich habe es mit der Brechstange versucht.“ Oder: „Mir fehlt in diesem Jahr die Konstanz.“ Diesmal sei er mal konstant gewesen – jedoch „konstant schlecht“. Sechs Mal inklusive der Quali landete seine Kugel zwischen 20,30 und 20,64 Metern. Immerhin sei er nach langwieriger Knieverletzung schmerzfrei und daher optimistisch für den kommenden Winter. Die jugendliche Unbeschwertheit des einst jüngsten Kugelstoß-Weltmeisters aller Zeiten ist verschwunden. Diesmal gehörte er schon zu den fünf Ältesten des Finalfeldes.

Rückhalt findet Storl in der schwierigsten Saison seiner Karriere bei seiner Leipziger Freundin Marie und ihrer vierjährigen Tochter Nahla. Der Sonnenschein der kleinen Familie steigert die Laune des zweifachen Weltmeisters nach schwächeren Trainingseinheiten stets sofort. DHfK-Fitnesstrainerin Marie hatte natürlich nachts vor dem Fernseher mitgefiebert und stellte traurig fest: „David kann viel mehr, es ist reine Kopfsache.“

Dass die besten Stoßer der Welt mit der Drehstoßtechnik punkten, war keine neue Erkenntnis. Bislang konnte „Angleiter“ Storl auch mit seiner Technik gegenhalten und 2015 sogar die 22-Meter-Marke knacken. Auch in Rio war für den 26-Jährigen eine Medaille möglich, wenn er wie früher seine beste Saisonleistung – die steht bei 21,39 Metern – beim Höhepunkt erreicht hätte. Doch der Neuseeländer Tomas Walsh sicherte sich mit 21,36 Metern „das verdammte Bronze“, so sein O-Ton. Denn der 24-Jährige wollte Gold.

Derweil stießen die beiden Amerikaner in einer eigenen Liga. Dass zwischendrin bei einer Siegerehrung die US-Hymne gespielt wurde, pushte sie zusätzlich. Zudem freuten sich beide über familiären Beistand im Stadion. Ryan Crouser stieß gleich drei Mal über 22 Meter, der 23-Jährige entriss Ulf Timmermann mit 22,52 Metern sogar den olympischen Rekord. „Meine Freunde und Familie habe ich über Monate kaum gesehen, heute waren sie alle im Stadion“, sagte der Olympiasieger: „Sie sind so verständnisvoll, durch sie konnte ich meinen Traum erfüllen.“

Favorit Joe Kovacs holte Silber und umarmte als Erstes seine Mama. Er erinnerte an seine Anfänge unter bescheidenen Bedingungen: „Ich habe als Junge auf einem Parkplatz trainiert. An unserer Schule hatten wir keine Geräte. Alles was rund und schwer war, haben wir zum Stoßen genommen. Irgendwann haben wir uns ins Gym besserer Schulen geschlichen.“ Bronze-Mann Walsh erzählte, dass er zeitweise als Bauarbeiter jobbt. Dies sollte manch verwöhnter Mitteleuropäer zumindest wissen, wenn er mal wieder mehr Sportförderung und bessere Bedingungen einfordert.

Von Frank Schober

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