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Sport Regional Francesco Friedrich strebt die olympische Krönung an
Sportbuzzer Sport Regional Francesco Friedrich strebt die olympische Krönung an
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12:48 10.02.2018
Francesco Friedrich (kl. Foto) sowie seine Anschieber Candy Bauer, Martin Grothkopp und Thorsten Margis gehören zu den Mitfavoriten auf den Olympiasieg in Südkorea. Quelle: imago
Dresden


Insgesamt 15 Athleten aus Sachsen vertreten die deutschen Farben bei den XXIII. Olympischen Winterspielen vom 9. bis 25. Februar im südkoreanischen Pyeongchang. Die Starter aus der Dresdner Region stellen wir in den DNN vor. Heute ist das Bob-Team von Francesco Friedrich dran.

Wenn der Spruch „In der Ruhe liegt die Kraft“ auf einen zutrifft, dann auf ihn: Francesco Friedrich. Ob man den gebürtigen Pirnaer bei seinen Vorbereitungen auf einen Wettkampf beobachtet oder beim x-ten Interview mit Medienvertretern oder wenn er mit Trainer Gerd Leopold fachsimpelt – Nervosität, Aufregung oder Hektik wird man beim 27-jährigen Bob-Piloten vergeblich suchen. „Franz“, wie er von allen gerufen wird, ruht in sich. „Die Gene hat mir wohl mein Opa vererbt“, bekennt der Sachse, der seine Ausgeglichenheit auch aus dem Rückhalt seiner Familie, den Eltern, Geschwistern und natürlich Ehefrau Magdalena und dem anderthalbjährigen Söhnchen Karl schöpft.

Ausflippen, sich echauffieren, das überlässt er anderen. Nur am Start, wenn es darum geht, den Bob mit seinen Anschiebern so schnell es geht, in die Spur zu schieben, da kann er explodieren. Die Startleistungen sind schon immer Weltspitze. Dafür ackert er im Sommer nach den ausgetüftelten, innovativen Trainingsplänen seines Coaches und „Ziehvaters“ Gerd Leopold. Der 59-Jährige, der schon 1994 Harald Czudaj zu Olympia-Gold führte, machte aus dem Pirnaer Rohdiamanten einen Piloten der Extra-Klasse. Leopold lobt seinen Meisterschüler auch stets in höchsten Tönen, weiß nicht nur dessen Abgeklärtheit zu schätzen: „Franz ist ehrgeizig, arbeitet zielgerichtet, leidenschaftlich und fokussiert. Hinweise setzt er schnell um und es zeichnet ihn aus, dass er stets bescheiden, bodenständig geblieben ist, eben ein ehrlicher Typ und eine coole Sau.“

Und Coolness brauchte der Pilot gerade in diesem Winter ganz besonders. Ausgerechnet beim viermaligen Zweier-Weltmeister, der im Vorjahr auch erstmals Gold im Vierer holte und natürlich als der ganz große Favorit für Olympia gehandelt wurde, lief zu Saisonbeginn das neue Gerät aus der österreichischen Wallner-Schmiede nicht. Und Friedrich fuhr bei den ersten Weltcups hinterher. Doch Hektik brach weder beim Piloten noch beim Trainer aus. Kurz vorm Jahreswechsel griff „Plan B“, ließ man sich von der FES-Schmiede in Berlin doch noch einen neuen Zweier schicken. Es funktionierte, die Formkurve zeigte steil nach oben wie nicht zuletzt der Weltcupsieg bei der Generalprobe am Königssee bewies. Materialproblem gelöst.

„Wir haben die schnellsten Schlitten, fahrerisch bin ich auch drin und am Start sind wir top. Das passt schon“, fasste Franz kurz und knapp die Gesamtlage vor der Abreise vergangenes Wochenende zusammen. Genau diese Komplexität ist es, die „Friedrich, den Großen“, wie er schon nach seinem dritten WM-Titel und erst Recht nach dem historischen vierten Streich im vergangenen Jahr immer wieder betitelt wurde, so an seinem Sport fasziniert. „Da ist nicht nur der Rausch der Geschwindigkeit und es geht nicht nur darum, die Spikes anzuziehen und loszurennen wie früher, als ich noch Leichtathlet war. Da müssen so viele Dinge stimmen, viele Rädchen ineinander greifen“, sieht er immer wieder die Herausforderung, alles unter einen Hut zu bekommen.

Auch die Stimmung im Team gehört dazu. Auf seine Anschieber kann er sich verlassen, auch wenn es einen gesunden Konkurrenzkampf unter ihnen gibt. Vor Olympia legte sich der Pirnaer relativ früh auf seine Crew fest – mit Thorsten Margis holte er drei der vier WM-Titel im Zweier. Der ehemalige Dresdner 400-m-Läufer Martin Grothkopp gehört seit 2013 zum Team, gewann letztes Jahr mit seinem Piloten WM-Gold im Vierer. Auch Candy Bauer, der Ex-Kugelstoßer, wechselte 2013 zu Friedrich, schob ihn zu WM-Gold im großen Schlitten und kam nach einer Meniskusverletzung in diesem Winter rechtzeitig in Form.

Dass „Franz“ bei seinem zweiten Olympia-Anlauf nichts dem Zufall überlassen will, zeigt auch seine frühzeitige Buchung des Quartiers in unmittelbarer Nähe der Bobbahn, während Kollege Nico Walther und auch die Frauen im olympischen Dorf wohnen. Was vor vier Jahren schief ging, soll in Pyeongchang klappen. „Im Zweier wollen und müssen wir liefern“, lässt Friedrich keinen Zweifel am Ziel und wenn er anfügt, dass er im kleinen Schlitten „mindestens“ eine Medaille holen wolle, so verrät er indirekt, was gemeint ist – das Vorhaben „Gold“. Aber das ist wohl kein Geheimnis. Nach vier WM-Titeln in Serie soll nun die Krönung bei Olympia folgen.

Von Astrid Hofmann

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