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Sport Regional DSC-Turnerin Marlene Bindig verabschiedet sich vom Leistungssport
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12:41 03.06.2017
Marlene Bindig, die 2015 am Boden Deutsche Meisterin war, hört nach den Deutschen Meisterschaften am Pfingstwochenende mit dem Leistungssport auf.  Quelle: Foto: Anja Schneider
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Dresden

 Wenn Marlene Bindig über dieses Pfingstwochenende spricht, dann leuchten ihre Augen: „Noch einmal einen sehr guten Wettkampf turnen. Noch einmal einen schönen Anzug tragen. Noch einmal ein wenig glitzern. Noch einmal zeigen, auch wenn man nicht absolute Spitze ist, kann man Spaß an dem haben, was man tut.“ Darauf freut sich die 20-Jährige DSC-Turnerin, wenn sie am Sonntag bei den Deutschen Meisterschaften in der Berliner Max-Schmeling-Halle an die Geräte und vor die Kampfrichter tritt. Diese Titelkämpfe sind für die Dresdnerin gleich in doppelter Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen finden die Meisterschaften im Rahmen des Deutschen Turnfestes statt. Mit 80 000 Teilnehmern gehört es zu den größten Breitensportereignissen der Welt. Zum anderen ist es für Marlene Bindig der Abschied vom Leistungssport.

In Berlin möchte sie sportlich noch einmal glänzen. Im Jahr 2015 feierte sie mit dem Meistertitel am Boden einen historischen Erfolg für Dresden und den schönsten für sich selbst. Im vergangenen Jahr verpasste sie allerdings das Finale an ihrem Lieblingsgerät. „Im Abitur-Stress gab es sogar eine Phase, wo ich alles hinwerfen wollte“, erinnert sie sich an die schwierige Zeit, aus der sie jedoch gestärkt hervorgegangen ist. „Denn ich habe gemerkt, dass man nicht gleich bei den kleinsten Steinchen, die im Weg liegen, aufgeben sollte und immer an eine zweite Chance glauben muss“, fand sie für sich heraus. Während des Freiwilligen Sozialen Jahres, das sie in diesem Sommer beim DSC beendet, hat sie gemeinsam mit dem neuen Cheftrainer Tom Kroker auf „Angriff“ umgeschaltet. „Wir haben eine richtige Barren-Offensive gestartet“, verrät der Coach, der Marlene dazu brachte, dass sie am Stufenbarren zwei ganz neue Elemente – den „Schaposchnikowa“ und den Pak-Salto – einbaute. „Natürlich konnte ich mehr Zeit für das Training aufwenden. Was aber fast noch wichtiger war, ich hatte total den Kopf frei. Während der Schulzeit kreisen die Gedanken um Klausuren, Vorträge, Hausaufgaben. Das lag nun hinter mir“, sagt die aufgeschlossene junge Frau, die in den vergangenen Monaten ganz neue Erfahrungen machte.

„Als Übungsleiterin für die Sieben- und Achtjährigen habe ich emotional eine ganz andere Belastung kennengelernt. Den Kids nicht nur Turnelemente, sondern auch Disziplin beizubringen, war manchmal anstrengend, aber sehr schön. Und wenn sie dann kommen, und einen umarmen, dann ist das ein tolles Gefühl“, so Bindig, die für ihre kleinen Schützlinge zugleich ein großes Vorbild ist. Immerhin stockte sie nicht nur ihre Übung am Stufenbarren deutlich auf, sondern studierte am Boden auch noch eine neue Choreografie ein. „Erneut das Finale zu erreichen, wäre ein kleiner Traum. Ansonsten möchte ich möglichst einen fehlerfreien Wettkampf turnen und das ganze Flair genießen“, gibt sie ihre Ziele für ihren Abschiedswettkampf an. Ganz aufhören mit dem Turnen möchte Marlene aber keinesfalls: „Dazu hängt mein Herz viel zu sehr daran. Immerhin habe ich 15 Jahre hier geturnt.“ Doch wieviel Zeit ihr künftig für Salti und Flickflack bleiben wird, kann sie noch nicht abschätzen.

Denn im September startet sie in ihr „nächstes Leben“. Dafür wird sie ihre Heimatstadt verlassen und in eine der schönsten Urlaubsregionen, ins Südtiroler Bozen, ziehen. „Ich werde dort ein Studium für Sport-, Tourismus- und Eventmanagement aufnehmen. Zuvor versuche ich, einen Sprachkurs in Italienisch zu belegen“, blickt Bindig auf den nächsten Abschnitt voraus. „Ich bin total gespannt auf das, was jetzt kommt. Ich werde ganz andere Seiten an mir kennenlernen und werde mich neu beweisen können“, freut sie sich auf diese Herausforderung. Die beiden noch anstehenden Bundesliga-Wettkämpfe mit dem DSC – vor allem das Finale im November vor heimischer Kulisse – will sie aber unbedingt bestreiten. „Es haben auch schon viele andere geschafft, trotz Studium noch die Bundesliga zu turnen“, ist sie zuversichtlich. Und auch, dass sie in Bozen einen Turnverein findet, wo sie ihrem liebsten Hobby nachgehen kann.

Von Astrid Hofmann

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