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Sport Regional DSC-Speerwerfer Lars Hamann schafft WM-Norm
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18:07 09.09.2015

Schließlich gab es einen guten Grund für die Ausnahme: Beim Abendsportfest in Neukieritzsch gelang dem gebürtigen Meißner der "Wurf seines Lebens". Bei leichtem Gegenwind flog der Speer im dritten Durchgang auf 84,20 Meter. Mit einem Schlag setzte sich Hamann an die Spitze der deutschen Jahresbestenliste, schaffte die Qualifikation für die Aufnahme ins Top-Team des DLV und knackte als zweiter DVL-Werfer die WM-Norm von 83,50 Metern.

Da prickelte es bei dem jungen Mann auch ohne Sekt in der Magengegend. "Dass es weit geht, hatte ich gleich im Gefühl. Das merkt man beim Abwurf in der Schulter und man erkennt es an der Flugbahn des Speeres. Ich sah ihn am Ende nur noch als Punkt und die Zuschauer im Stadion haben getobt. Doch dass so eine Weite rausspringt, da war ich sprachlos", gesteht der 1,87 Meter große Athlet lachend. Seit der Deutschen Meisterschaft in Ulm, wo Hamann als Bronzemedaillengewinner mit 81,24 Metern erstmals die 80-Meter-Marke übertraf, zeigte seine Formkurve stetig nach oben. Und wenn nichts dazwischenkommt, dann sollte sein Name am 29. Juli auf der Liste der Nachnominierungen für die WM vom 10. bis 18. August in Moskau auftauchen. Damit rettet der 24-Jährige auch die Ehre der DSC-Leichtathleten, denn er wird mit ziemlicher Sicherheit der einzige Dresdner WM-Teilnehmer sein.

Und das ist eine kleine Sensation. Nur wenige Insider trauten ihm die WM-Teilnahme zu und auch er selbst hatte seinen Traum kurzzeitig aus den Augen verloren. Den ersten Dämpfer versetzte ihm der Verband. "Die Olympianorm lag letztes Jahr bei 82,50 Metern. Als der DLV die WM-Norm auf 83,50 Meter anhob, hatte ich Moskau schon von meinem Schirm gestrichen. Das schien für mich nicht machbar", erinnert er sich. Das nächste Handicap folgte zu Jahresbeginn. "Es stellten sich plötzlich Beschwerden im linken Knie, also des Stemmbeines, ein. Im März kam heraus, dass der Außenmeniskus zwei kleine Risse aufweist und eventuell eine OP nötig ist", berichtet Hamann, der sich aber durchbiss, nur konservativ behandeln ließ und die Saison in Angriff nahm.

Eine Woche vor den Deutschen Meisterschaften in Ulm waren die Schmerzen plötzlich weg und nach den Titelkämpfen wollte der gelernte medizinisch-technische Assistent für Radiologie erst Recht nichts mehr von einer OP wissen. Denn er hatte Blut geleckt, ging jetzt weiter auf Jagd nach der WM-Norm. Bei den Norddeutschen Meisterschaften in Berlin rückte er seinem Ziel mit 82,72 Metern ein weiteres Stück näher. "Auch da hatte ich den Wurf noch nicht optimal getroffen, dachte mir, da geht mehr", so der Meißner, der 2006 schon deutscher Jugend- und 2010 Juniorenmeister war, sich aber als "körperlichen Spätentwickler" sieht.

Gründe für seinen Leistungssprung in diesem Jahr führt er mehrere an: "Ich habe über den Winter gut trainiert, auch wenn ich mir im Stadion meine Anlaufbahn meist selbst vom Schnee freischaufeln musste. Außerdem arbeite ich seit längerem mit den Gewichthebern, speziell Harald Herberg, zusammen, um meine Athletik zu verbessern." Er wagte sogar einen Wettkampfausflug mit den Hebern, stemmte für den DSC in der Sachsenliga Hanteln. "Da konnte ich lernen, besser noch mit Druck im Wettkampf umzugehen, schließlich durfte ich die Mannschaft nicht hängen lassen, musste alles aus mir rausholen", erzählt der Schützling von Katharina Wünsche und Steffen Krüger, die den Werfer seit elf Jahren betreuen.

Mit Krüger, der 1980 schon Ute Richter bei Olympia in Moskau zu Platz vier führte, griff er vor der Meisterschaft noch zu einem besonderen Trick: "Wir haben mit 200 Gramm leichteren Speeren geworfen, damit kann man einen schnelleren Armzug trainieren", erläutert Lars Hamann. "In den letzten Jahren fehlte mir vielleicht ab und zu auch das Glück. Diesmal war es auf meiner Seite, es hat alles gepasst", jubelte der Saisonaufsteiger, der seit 2009 zur Sportfördergruppe der Landespolizei Sachsen gehört und im Februar seinen Abschluss als Polizeimeister machen wird. Zuvor aber will er in wenigen Wochen in Moskau seinen ersten großen internationalen Wettkampf gut meistern. Dann darf es auch gern wieder im Glas prickeln.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.07.2013

ah

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