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Sport Regional Bob-Pilot Nico Walther: Feinfühliger „Rechenkünstler“
Sportbuzzer Sport Regional Bob-Pilot Nico Walther: Feinfühliger „Rechenkünstler“
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12:54 21.02.2018
Nico Walther geht mit Anschieber Christian Poser im Zweierbob an den Start. Quelle: imago
Dresden

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. An dieses Sprichwort sah sich Bob-Pilot Nico Walther vor der Abreise zu den Olympischen Spielen immer wieder erinnert. „Wir haben ihm einen Taschenrechner geschenkt“, frotzelte Trainer Gerd Leopold und auch im deutschen Team bekam der 27-Jährige so manches Angebot, wie er seine Rechenkünste aufbessern könnte. Über den Hintergrund für die Geschichte kann der für Oberbärenburg startende Athlet inzwischen selbst schmunzeln. Aber als er beim vorletzten Saison-Weltcup im schweizerischen St. Moritz ausgerechnet im Vierer – seiner Lieblingsdisziplin – disqualifiziert wurde, war ihm ganz und gar nicht zum Lachen zumute. Statt der geforderten 210 kg hatte sein Schlitten reichlich drei Kilo weniger gewogen. So war der Wettkampf für ihn nach dem ersten Lauf beendet und der Spott ließ nicht lange auf sich warten.

Seine Lehren aus dieser ärgerlichen Angelegenheit hat der in Dresden lebende Pilot mit seinem gesamten Team längst gezogen. „Wir schreiben jetzt sogar alles noch mal genau auf, damit uns kein Fehler passiert“, erläuterte Walther, der sich zumindest beim Weltcup-Finale am Königssee mit dem dritten Vierer-Sieg der Saison rehabilitierte und eine glänzende Generalprobe für Pyeongchang hinlegte. Für ihn war dieser Erfolg besonders wertvoll: „Weil wir damit einen zweijährigen Testmarathon mit unserem Gerät hervorragend beenden konnten und weil die Jungs am Start einen super Job gemacht haben“, erklärte der Sachse, für den mit der ersten Teilnahme an olympischen Spielen „ein Kindheits- und Lebenstraum in Erfüllung“ geht, wie er sagt.

Geträumt habe er davon schon damals, als er noch Rodler gewesen sei. Im Jahr 1996 begann der gebürtige Freitaler mit dem Rennrodeln. Und im Juniorenbereich heimste er schon bald Erfolge ein, gewann immerhin im Doppelsitzer mit dem Zwickauer Nico Grünneker 2009 in Nagano und ein Jahr später in Innsbruck-Igls viermal JWM-Gold (Einzel u. Team-Staffel). In der Saison 2010/11 gab das Duo auch seinen Weltcup-Einstand. Dennoch wechselte Walther danach zum Bobsport. „Ich hatte einfach zu langsame Arme. Meine Anschubzeiten waren nicht schnell genug. Damit wäre ich in Deutschland nicht über Platz fünf oder sechs hinausgekommen und hätte so keine Chance auf den Weltcup gehabt. Ich habe zwar langsame Arme, dafür aber schnelle Beine. Da war der Weg in den Bob nicht weit. Das Gefühl fürs Eis hatte ich ja“, erläuterte er einmal den Grund für seinen Umstieg, bei dem er nicht nur von seinen Fahrkünsten, sondern auch von den Bahnkenntnissen profitierte. Mit Blick auf seinen Oberbärenburger Vereinsgefährten und zugleich Konkurrenten Francesco Friedrich wiederholte Nico Walther noch einmal einen schon früher geäußerten, aber nicht ganz ernst gemeinten Vergleich: „Ich bin im Eiskanal eher der feinfühlige Formel-1-Fahrer, Franz der Panzerfahrer.“

Deshalb komme Friedrich mit den Schlitten des Österreichers Hannes Wallner besser zurecht und er mit denen aus der Berliner FES-Schmiede. Im Gegensatz zum viermaligen Zweier-Weltmeister, der in Korea nach einigen Experimenten im kleinen Schlitten doch noch auf FES umstieg und im großen Schlitten aber mit einem Wallner-Gerät an den Start geht, hat Walther in den letzten beiden Jahren intensiv mit den Bob-Tüftlern aus Berlin an neuen Geräten gearbeitet und vertraut in beiden Disziplinen auf ihre Schlitten. „Das Material läuft und das stimmt uns zuversichtlich“, sagte er kurz vor der Abreise nach Pyeongchang.

Waren in der Vergangenheit die Startzeiten immer noch die Achillesferse bei ihm, so zeigte zumindest im Vierer die Tendenz ebenfalls deutlich nach oben. Aber selbst im Zweier feierte er zu Beginn des Winters seinen ersten Weltcup-Sieg. Und schwierige Bahnen wie die in Korea, wo es auf die Fahrkünste des Piloten ganz besonders ankommt, mag er und sie liegen ihm. Gehört der ruhige Kopfmensch, wie er sich selbst einschätzt, im Zweier nicht zum engen Favoritenkreis, so strebt er im Vierer einen Podestplatz an: „Von einer Olympia-Medaille träumt natürlich jeder. Die Konkurrenz ist jedoch extrem stark und man muss vier saubere Läufe nach unten bringen. Aber wir werden unser Bestes geben. Auch meine Jungs sind gut drauf und haben bisher einen super Job gemacht“, ist er überzeugt.

Dabei gab es wenige Tage vor der Abreise noch einen Wechsel in seinem Vierer. Weil Anschieber Joshua Bluhm vom deutschen Konkurrenten Johannes Lochner daheim bleibt, rutschte Christian Poser (mit dem Walther im Zweier startet) in dessen Viererbesatzung und für ihn kam der bisherige Ersatzbremser Alexander Rödiger ins Team des Sachsen, der mit Kevin Kuske den absolut erfahrensten Anschieber in seinem Vierer weiß. Der 39-jährige Potsdamer erlebt bereits seine fünften olympischen Spiele, holte bereits viermal Gold (mit Pilot André Lange) und war siebenmal Weltmeister. Eine Medaille wäre auch für ihn zum Abschluss seiner Laufbahn ein Highlight.

Glücksbringer hat der Pilot übrigens nicht dabei. „Ich bin nicht abergläubisch. Früher hatte ich immer die gleichen Socken beim Rennen an. Als ich die aber mal vergaß und dann auch mit anderen gewann, ist es mir jetzt egal“, verriet der Bundespolizist, der später einmal als Helikopterpilot in die Lüfte gehen will. Jetzt aber hofft er erst mal auf einen Höhenflug anderer Art im Eiskanal in Pyeongchang.

Von Astrid Hofmann

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