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Sport Regional Aktiv mit 91 Jahren - Dresdner Hans Wünschmann geht regelmäßig zum Sport
Sportbuzzer Sport Regional Aktiv mit 91 Jahren - Dresdner Hans Wünschmann geht regelmäßig zum Sport
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23:17 09.09.2015
Jeden Montag ist der 91-jährige Hans Wünschmann beim Gesundheitssport in der Margon-Arena. An verschiedenen Fitnessgeräten trainiert er unter anderem seine Arm- und Beinkraft. Quelle: Carola Fritzsche

Überall sind Sportsachen drin, denn der Rentner setzt sich nicht zu Hause vor den Fernseher oder beobachtet aus dem Fenster das Geschehen auf der Straße - nein, er geht dreimal die Woche zum Sport und hält sich fit. "Ich mache Gesundheitssport, um meine Muskeln zu trainieren, gehe zum Qi Gong - eine Art chinesische Gymnastik - und am Wochenende bin ich beim Schwimmen", erzählt der Dresdner. Dies macht er schon sein Leben lang, denn nur so konnte er sich von den Folgen seines Einsatzes während des Zweiten Weltkrieges erholen.

Bewegung gegen Granatsplitter

Begonnen hat er mit dem Schwimmen bereits in seiner Jugend, als er es im Sommer mit Freunden in der Elbe und mit Hilfe eines Fahrradschlauches erlernte. Über den Winter hielt sich Wünschmann mit Skifahren fit. Als der gelernte Werkzeugmacher 19 Jahre alt war, wurde er eingezogen. "Ich war bei der Blockade in Leningrad dabei. Später wurde ich aber zur Infanterie geschickt, um den Schiffsverkehr zu überwachen", erinnert sich der Rentner. Eines Nachts sollte er ausrücken, um bei den russischen Truppen zu spionieren. Doch bereits unterwegs entdeckte er einige Sowjet-Soldaten und nur kurze Zeit später wurde sein Lager mit Granaten angegriffen. "Ich war damals so neidisch, dass ich in die Kälte musste, während meine Kameraden sich eine Nacht ausruhen und waschen konnten. Dabei war es das beste, was mir in meinem Leben je passiert ist", erzählt der Dresdner. Grund: Von seinen Kameraden hat er nie wieder etwas gehört.

Allerdings kam auch der heutige Rentner nicht ohne Verletzungen davon, denn einige Granatsplitter verletzten seinen Fuß. "Ich wurde damals in ein Lazarett gebracht. Allerdings kamen die Russen immer näher, so dass die angeschlagenen Soldaten mit einem Frachter Richtung Heimat geschickt wurden", berichtet Wünschmann. Als er in Dresden ankam, war dieses bereits zerbombt. Nachdem sein Fuß ärztlich versorgt war, sollte der junge Mann an der Nossener Brücke wieder körperlich hart arbeiten gehen, denn nur so bekam er eine Lebensmittelkarte. "Es war völlig egal, ob mir mein Fuß noch Probleme bereitete. Es musste gearbeitet werden", erklärt der Dresdner. Schließlich machte er aber ein Abendstudium zum Techniker und fand einen Job bei der Eichdirektion an der Hohen Straße. "Meine Kollegen bemerkten damals, dass ich stets humple und überredeten mich, mit ihnen wieder schwimmen zu gehen", erklärt Wünschmann. Die regelmäßige Bewegung tat ihm gut und schließlich konnte er nahezu schmerzfrei wieder laufen. "Seitdem gehe ich regelmäßig und habe sogar den Rettungsschwimmer absolviert", berichtet der Dresdner. Den Gesundheitssport und das Qi Gong entdeckte er über Freunde und betreibt beides mit größter Freude. Der Sport hält den 91-Jährigen fit.

Sport statt Altersheim

Die Aktivität und Lebensfreude von Hans Wünschmann will der Landessportbund nun auch bei anderen älteren Dresdnern mit dem Programm "Komm in den Sportverein" fördern. Allerdings soll künftig nicht mehr - wie bisher - die Mitgliedschaft im Sportverein bezahlt, sondern ein "Netzwerk für Bewegungsförderung" aufgebaut werden. Dafür steht jedem der 13 Kreissportbünde ein Regionalkoordinator zur Verfügung. In Dresden übernimmt dieses Amt die Sportwissenschaftlerin Denise Lehmann. "Die Hauptaufgabe der Koordinatoren wird sein, eine Verbindung zwischen den Sportvereinen und den Organisationen oder Verbänden herzustellen, die sich regelmäßig mit älteren Menschen auseinandersetzen, wie zum Beispiel Altenheime", erklärt Wolfgang Schmidt, Fachbereichsleiter des Breitensport im LSB.

Hans Wünschmann dagegen hat die Vorteile des aktiven Alterns schon längst erkannt. "Ich sehe zum Beispiel viel jünger aus, als ich eigentlich bin. Viele würden mich auf 70 schätzen", zählt der Rentner als einen der vielen Vorteile auf. Außerdem ersparte ihm der Sport den Aufenthalt in einem Pflegeheim. "Nachdem meine Frau gestorben ist, war ich eigentlich drauf und dran, meine Sachen zu packen und in ein Heim zu ziehen", erzählt der Dresdner. Der Antrag war bereits ausgefüllt, es fehlte nur noch die Unterschrift. Doch kurz vor dem Umzug konnte ihm keiner aus seiner Familie bei der Auflösung seines Haushaltes helfen. "In diesem Moment habe ich beschlossen, einfach in meiner Wohnung zu bleiben. Ich war schließlich fit und konnte mich noch selbst versorgen", fügt Wünschmann hinzu. Seiner Meinung nach hat der Sport ihm das Leben erleichtert und verlängert. Die Behauptung, dass Sport Mord ist, würde der 91-Jährige voller Überzeugung zurückweisen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.01.2013

Nadine Steinmann

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