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Kampf um Quotenplätze nach WM-Revolution

Fußball Kampf um Quotenplätze nach WM-Revolution

Nach dem historischen WM-Beschluss läuft der Verteilungskampf der Fußball-Kontinente. Für Europa trommelt auch DFB-Boss Reinhard Grindel. FIFA-Chef Gianni Infantino kann die Diskussion entspannt verfolgen. Solange gebuhlt wird, wird ihn niemand kritisieren.

DFB-Präsident Reinhard Grindel bringt sich in Stellung: Beim Gerangel um die Verteilung der neuen WM-Plätze will er sich für möglichst viele europäische Teilnehmer einsetzen.

Quelle: Martin Schutt

Zürich. Der Weltmeister steht in der Schmollecke, doch das große Grummeln nutzt dem deutschen Fußball nichts.

Bei allem Unverständnis für die von FIFA-Boss Gianni Infantino durchgesetzte 48er-WM hat DFB-Chef Reinhard Grindel deshalb auch schnell in den Angriffsmodus umgeschaltet und sich - obwohl international noch ohne Amt und Mandat - zum kontinentalen Vorkämpfer für möglichst viele europäische Startplätze beim Mammut-Turnier 2026 gemacht.

"Bei allem Verständnis und aller Sympathie für die Bestrebungen, den Fußball auch weiter in Regionen Afrikas und Asiens zu entwickeln, muss jedem auch klar sein, dass es allen dient, den elementar wichtigen Kernmarkt Europa auch bei den Startplätzen weiterhin stark abzubilden", sagte Grindel nach dem außerhalb Europas überall hoch willkommenen FIFA-Beschluss.

16 neue WM-Plätze können in den nächsten Monaten an die sechs Konföderationen vergeben werden. Möglicherweise fällt eine Entscheidung rund um den FIFA-Kongress am 11. Mai in Bahrain, bei dem Grindel sehr wahrscheinlich in das FIFA-Council einziehen wird. Infantino versprach, dass alle einen Zuschlag bekommen. Aber: "Manche werden mehr mehr bekommen, andere weniger mehr", sagte der FIFA-Boss.

Auch FIFA-Vizepräsident Scheich Ibrahim bin al-Chalifa zögerte als asiatischer Verbandschef aus gutem Grund nicht, für seinen Kontinent verbal zu trommeln. "Wir glauben, dass Asien als größter Kontinent mehr Plätze verdient als bislang, wenn man sich die Wirtschaftskraft anschaut und die Beliebtheit des Spiels sowie der riesigen Fußball-Entwicklung auf allen Ebenen", sagte der Bahrainer, der als Council-Mitglied den historischen Beschluss mit durchgewunken hatte.

Im Kampf um die Quoten darf auch ein bisschen geschummelt werden. Größter Fußball-Kontinent ist nicht Asien, sondern immer noch Europa mit 55 FIFA-Mitgliedern. Wie Afrika (54) werden aber auch die Asiaten (47) die großen Gewinner der Mammut-WM sein und die prozentual größten Steigerungsraten verbuchen können.

Infantino kommt das Gerangel in jedem Fall gelegen. Solange die Quoten nicht fix sind, wird es keine Kritik am in der Frage mächtigen FIFA-Chef geben - wohl nicht einmal vom aktuellen Weltmeister. "Da der Beschluss aber im FIFA-Council einstimmig getroffen wurde, gilt es nun, ihn zu respektieren und den Blick nach vorn zu richten", sagte Grindel.

Die aktuellen WM-Startplätze und die Perspektive für 2026:

Afrika: Obwohl noch nie ein Team über ein WM-Viertelfinale hinauskam, kann sich der Kontinent freuen. Eine Steigerung von fünf auf mindestens neun WM-Teilnehmer gilt als sicher.

Asien: Infantino hat Asien viel zu verdanken. Viele unerwartete Stimmen von dort machten ihn zum FIFA-Boss. Bislang hat man vier oder fünf Plätze - Minimalforderung ist die gleiche Quote wie Afrika.

Europa: Nirgendwo geht die Schere zwischen Groß und Klein so weit auseinander. Mit einer Stimme zu sprechen wird schwer. Zwei Plätze mehr sollten drin sein. Charme hätte ein Playoff mit Südamerika.

Nord-/Mittelamerika: 2026 wird die WM ziemlich sicher in den USA, Kanada oder Mexiko stattfinden - oder gar in allen drei Ländern. Wie dann die Kontinentalquote (bisher 3 bis 4) berechnet wird, ist offen.

Ozeanien: Ein klarer Reformgewinner. Aus dem halben Platz, der meist im internationalen Playoff flöten ging, wird wohl ein Ganzer. Künftig ist immer ein Vertreter bei der WM dabei.

Südamerika: Kein Kontinent stellt prozentual jetzt mehr WM-Starter. Entsprechend gering dürfte der Zuwachs sein. Um Luft nach oben zu haben, wird sogar eine Fusion mit Nord- und Mittelamerika diskutiert.

dpa

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