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Jogis Jungs legen los: Confed Cup ein Geschenk

Fußball Jogis Jungs legen los: Confed Cup ein Geschenk

Start frei für Löws WM-Probanden. Der Glaube an den Titelgewinn ist daheim gering. Der Confed-Cup-Kurs des Bundestrainers spaltet die Fans. Nach dem Crashkurs für das Perspektivteam um Käpt'n Draxler wird ein "ekliges Spiel" in Sotschi erwartet. Die Historie ist gut.

Joachim Löw: «Die Mannschaft brennt auf diesen Start».

Quelle: Christian Charisius

Sotschi. Jetzt freut sich auch Joachim Löw richtig auf den Confed Cup. "Er ist wie ein Geschenk", sagte der Bundestrainer knapp 23 Stunden vor dem Anpfiff des Auftaktspiels gegen Australien am Montag (17.00 Uhr) zu dem umstrittenen Turnier.

Bei einem Rundgang der 21 Akteure um Kapitän Julian Draxler am Sonntagabend durch das Olympiastadion von Sotschi nahm die Vorfreude und Anspannung im Perspektivteam mit 13 Turnierneulingen weiter zu.

"Es kribbelt bei uns allen, dass ist ein gutes Zeichen", sagte der Leverkusener Bernd Leno, der im Tor stehen wird. "Ich glaube, die Anspannung wird ein bisschen größer sein als bei einem Spiel in der Champions League", gestand der 25-Jährige, der schon bei der FIFA-Pressekonferenz in der WM-Arena sehr angespannt wirkte.

Löw verbreitete Zuversicht vor dem ersten Ernstfall für sein Mega-Experiment mit vielen unerfahrenen WM-Probanden. "Ich habe ein unheimlich gutes Gefühl, mit dieser Perspektivmannschaft in das Turnier zu gehen", sagte der Bundestrainer: "Die Mannschaft brennt auf den Start." Er traue seiner hungrigen Boygroup um den schon kultigen Teamsenior Sandro Wagner viel zu, auch wenn gerade zu Beginn vielleicht noch nicht alles rund laufen werde. "Ein Sieg wäre gut, den peilen wir an", sagte Leno, der natürlich zu Null spielen will.

Das Abschlusstraining hatte Löw kurzfristig auf den gewohnten Trainingsplatz nebenan verlegt. "19.30 Uhr im Stadion war mir zu spät." Der 57-Jährige wollte lieber zur Anstoßzeit um 18.00 Uhr Ortszeit trainieren und nicht zum vorgegebenen späteren FIFA-Termin.

Für Löw ist das sechste Turnier als verantwortlicher Bundestrainer ein spezielles. Der Titelgewinn ist nicht das Ziel, dem wie sonst bei Welt- und Europameisterschaft alles unterordnet ist. "Ich kann unter Wettkampfbedingungen experimentieren", sagte er. Und der Confed Cup helfe vielleicht, die Ziele in den kommenden Jahren zu erreichen.

Der 57-Jährige weiß aber auch, dass Deutschland als Weltchampion mit dem Anpfiff gegen Australien seinem Status möglichst gerecht werden muss. "Es ist die Weltbühne des Fußball in diesem Sommer. Die ganzen Kontinente gucken auch auf dieses Turnier", sagte er in der ARD.

Seine radikale Personalauswahl für das Turnier hat auch in der Heimat die Fans gespalten. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov heißen 42 Prozent der an Fußball interessierten Deutschen Löws Confed-Cup-Kurs nicht gut. Nur 19 Prozent unterstützen diesen voll und ganz. Geringe 13 Prozent der 2050 Befragten schätzen die Chancen auf den Titelgewinn als sehr gut ein. 48 Prozent sehen nur geringe bis sehr geringe Siegaussichten.

Ungewissheit herrscht auch im DFB-Tross, obwohl sich in den zwei Wochen des Zusammenseins eine gewisse Euphorie aufgebaut hat und der Teamgeist ausgeprägt ist, wie alle betonen. Die Vorrunde gegen Australien, Chile und Kamerun bewertet aber niemand als Selbstläufer. "Unsere Gruppe wird nicht einfach", erklärte Abwehrspieler Antonio Rüdiger. Er spüre, dass der Weltmeister ohne seine erste Besetzung nicht als Favorit angesehen wird. "Ich denke, dass uns einige unterschätzen werden, das kann ein Vorteil für uns sein."

Gleich zum Start erwartet der Leipziger Turnierneuling Timo Werner "ein ekliges Spiel". Die Australier mit dem Stuttgarter Torwart Mitch Langerak und dem Neu-Herthaner Mathew Leckie werden versuchen, "uns mit großer Physis und Härte zu bekämpfen", glaubt Angreifer Werner.

Löw hat versucht, mit seinem Team in der Kürze der Vorbereitungszeit einige Automatismen zu erarbeiten. Im Training übte er oft mit einer Dreierkette. "Die Defensive müssen wir kompakt und stabil halten", sagte er. Das Angriffsspiel wurde auf den neuen Mittelstürmer Wagner zugeschnitten. "Jetzt kann man natürlich auch wieder mehr mit Flanken in den Sechzehner agieren. Das hatten wir vorher nicht immer so. Wir haben vieles über Kombinationen am Boden gemacht", erklärte Löw.

Vorkämpfer Wagner, aber auch Talente wie Leon Goretzka, Werner oder Niklas Süle will Löw in Russland als Druckmacher für die pausierenden Top-Nationalspieler entwickeln. "Man spürt, dass die Spieler an ihre Chance glauben", sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Leno bestätigte das für den Konkurrenzkampf der drei Torhüter. "Manu ist die Nummer 1, das ist klar. Dahinter ist der Kampf eröffnet", erklärte Leno.

Die Australier werden den "Weltmeister light" kaum unterschätzen. Denn die besseren Erfahrungen bei Turnieren hat das DFB-Team gemacht. 2005 gab es zum Auftakt des Confed Cups in Deutschland einen 4:3-Sieg. 2010 zum WM-Start in Südafkrika siegte die deutsche Mannschaft 4:0. Es waren wichtige Initialzündungen in den Karrieren späterer Weltmeister wie Schweinsteiger, Podolski und Mertesacker 2005 oder Müller, Kroos, Khedira und Özil fünf Jahre später. Löw erinnerte seine Confed-Cup-Kicker in Sotschi noch einmal explizit an die Anfänge dieser Akteure, die zu "Weltstars geworden" seien. Nachmachen lautet die Botschaft an Goretzka, Werner und Co.

dpa

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