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Eishockey-Coach Sturm: Team "gut genug für was Tolles"

Eishockey Eishockey-Coach Sturm: Team "gut genug für was Tolles"

Zum zweiten Mal ist Marco Sturm als Bundestrainer für die deutsche Eishockey-Auswahl bei einer WM verantwortlich. Die Erwartungen vor dem Heim-Turnier sind riesig. "Die Mannschaft ist gut genug für was Tolles", sagte der 38-Jährige im dpa-Interview.

Bundestrainer Marco Sturm glaubt an eine erfolgreiche Heim-WM.

Quelle: Marius Becker

Köln. Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm steht vor einem echten Prüfstein. Bei der Heim-WM in Köln will die deutsche Auswahl überzeugen und eine ähnliche Euphorie entfachen wie 2010, als der Gastgeber das Halbfinale erreichte.

Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht der 38-jährige Sturm über seine Ziele, seine persönliche Zukunft und das schwierige Auftaktprogramm. "Auch wenn wir einen schlechten Start haben, ist noch nichts verloren", sagte er vor dem Spiel gegen die USA am Freitag (20.15 Uhr).

Sie sind deutscher NHL-Rekordspieler, haben 2001 als Spieler eine Heim-WM mitgemacht und waren bei Olympischen Spielen dabei. Wo ordnen Sie die Heim-WM als Bundestrainer ein?

Marco Sturm: Es ist schon ziemlich weit oben. Ob es jetzt das wichtigste Turnier ist, weiß ich nicht. Aber wenn ich jetzt zurückblicke, war die Heim-WM als Spieler doch auch etwas ganz Besonderes. Olympia ist außergewöhnlich, das nimmt man natürlich gerne mit. Aber auch eine Heim-WM ist außergewöhnlich. Vielleicht hat der eine oder andere nur einmal die Möglichkeit, vor eigenem Publikum zu spielen. Deswegen sollen die Spieler es auch genießen. Jeder Tag, jedes Training, jedes Spiel ist etwas Besonderes.

Die Kehrseite sind die Erwartungen. Wie groß ist der Druck vor eigenem Publikum?

Sturm: Der Druck ist mit Sicherheit größer als letztes Jahr in Russland, da haben wir frei aufspielen können. Aber es muss ja nicht negativ sein. Wir wollen natürlich unser Publikum auch begeistern, und wir brauchen es auch. Es wird mit Sicherheit gerade am Anfang auch Phasen im Spiel geben, wo wir sehr unter Druck kommen. Da brauchen wir den Rückhalt der Fans, sie müssen auch Geduld zeigen und uns nach vorn pushen.

Mit welchem konkreten Ziel treten Sie bei der WM an?

Sturm: Mein Ziel ist es immer besser zu werden, egal, ob es um die Spieler oder mich als Trainer geht. Ich will auch persönlich besser werden. Ich will die Spieler besser machen. Deswegen haben wir Schritt für Schritt unser Spiel aufgebaut. Da wollen wir nicht aufhören. Für mich ist es das wichtigste, dass wir wieder einen Schritt machen. Wenn wir den Schritt machen, werden auch die richtigen Ergebnisse und Erfolge kommen.

Sie haben die Auswahl vor einem Jahr in Russland ins Viertelfinale geführt und die Olympia-Qualifikation in Lettland geschafft. Wie groß sehen Sie die Chancen, dass Deutschland wie im vergangenen Jahr die Runde der besten Acht erreicht?

Sturm: Man kann die WM nicht mit der Vergangenheit vergleichen. Es ist eine andere Mannschaft, es sind andere Gegner, es ist eine andere Zeit. Wir sind immer noch Weltranglisten-Zehnter, von daher sind wir immer noch der Underdog. Daran wird sich auch nichts ändern, nur weil wir zuhause spielen. Aber wir wollen unser Spiel durchziehen. Wenn wir das machen, werde ich am Schluss die Erfolge sehen.

Also ist die Chance auf das Viertelfinale da?

Sturm: Ja, wenn wir gut spielen. Die Mannschaft ist gut genug für was Tolles, aber dafür müssen wir erst mal Spiel für Spiel durchziehen. 60 Minuten lang, und am nächsten Tag wieder und wieder und wieder. Das sind die Jungs teilweise nicht gewohnt. International hat vielleicht der eine oder andere noch nicht die Erfahrung. Darum muss man abwarten.

Welche Bedeutung hat für Sie das Eröffnungsspiel? 2010 fand das Mega-Event auf Schalke statt, das gewonnen wurde.

Sturm: Es ist so wichtig wie jedes andere Spiel. Wir wollen natürlich das erste Spiel gewinnen, das ist ganz klar. Aber letztes Jahr haben wir auch nicht gut gespielt, das erste Spiel verloren und trotzdem waren wir am Schluss gut dabei. Wir müssen unseren Weg weitergehen, egal, was passiert. Auch wenn wir einen schlechten Start haben, ist noch nichts verloren. Es ist ein langes Turnier mit sieben Spielen, da kann einiges passieren.

Worauf wird es konkret ankommen?

Sturm: Unsere Defensive muss passen. Das war in der Olympia-Quali auch das A und O. Speziell das Spiel im eigenen Drittel muss stimmen. Und es wird auf die Special Teams ankommen, mit Überzahl und Unterzahl. Man sieht es bei jedem Turnier, dass das entscheidend ist. In der Vergangenheit haben wir immer ein gutes Powerplay gehabt und da auch die nötigen Tore am Ende geschossen.

Die Torhüterposition ist stets besonders wichtig. Thomas Greiss war bei den New York Islanders am Saisonende nicht mehr die unumstrittene Nummer eins. Wieso sind Sie trotzdem von ihm überzeugt?

Sturm: Das war eine Entscheidung von den New York Islanders. Ich finde immer noch, dass der Greissi der bessere Torwart ist. Das ist überhaupt kein Thema bei uns. Er ist die absolute Nummer eins. Er ist mit Philipp Grubauer der beste Torhüter, den wir haben. Wir haben es schon gesehen, was so ein Torhüter für ein Unterschied machen kann.

Was zeichnet Thomas Greiss besonders aus?

Sturm: Er ist so gelassen, nicht nur auf dem Eis, sondern auch abseits des Eises. Er ist ein ruhiger Typ. Ein witziger Typ aber auch. Den kann man nicht so leicht durcheinander bringen. Er ist einfach cool, egal, was er macht. Und das ist für ein Torhüter enorm wichtig.

Leon Draisaitl ist noch in der NHL gebunden. Welche Rolle könnte er im Team übernehmen, falls er noch nachkommen könnte?

Sturm: Eine Person kann die Mannschaft definitiv verändern, und das ist Leon Draisaitl. Er ist der beste Spieler, den wir in Deutschland haben. Mit seiner Präsenz auf dem Eis und außerhalb ist er schon in seinen jungen Jahren ein absoluter Leader. Er beweist auch in Nordamerika tagtäglich, dass er nicht nur bei uns in Deutschland, sondern auch in Nordamerika schon einer der besten Spieler ist.

Ihr Vertrag läuft noch ein Jahr. Nach der WM will Verbandspräsident Franz Reindl mit Ihnen erste Gespräche führen. Mit welchem Gefühl blicken Sie dem entgegen?

Sturm: An das denke ich überhaupt nicht. Ich weiß, was ich kann und was ich als Person und als Trainer mitbringe. Wenn es am Ende so ist, dass sie nicht verlängern wollen, dann ist das so. Auch dann geht es weiter. Ich konzentriere mich jetzt auf diese WM und dann auf die kommenden Aufgabe im nächsten Jahr. Das wird auch schön wird mit Olympia.

Würde es Sie denn reizen, nach der der WM 2018 weiter zu machen?

Sturm: Bis jetzt schon. Denn mir macht es viel Spaß. Aber es ist doch noch eine Zeit bis dahin. Es kann sich in einem Jahr sehr viel ändern. Man muss abwarten. Deswegen mache ich mir jetzt weniger Gedanken drüber.

Wie interessant wäre für Sie, über kurz oder lang, ein Trainerjob in der NHL oder in Florida, wo Sie leben?

Sturm: Ja, das sind sicherlich auch Ziele, die man hat. Momentan will ich so viel Erfahrung wie möglich hinter der Bande sammeln. Das hilft. Ich merke es jetzt in meinem zweiten Jahr. Das wird mit Sicherheit die nächsten Jahre so weitergehen. Mal schauen, was die Zukunft bringt.

Vor gut zwei Wochen sorgte der Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund für Entsetzen. Wie sehr beschäftigt Sie der Sicherheitsaspekt? Gehen Sie mit einem mulmigen Gefühl in die WM? 

Sturm: Das darf man nicht. Daran darf man nicht denken. Aber von mir und von einigen Spielern kamen schon Fragen, wie es mit den Sicherheitsmaßnahmen rund um Köln ausschaut. Die werden mit Sicherheit höher sein als normal, was auch gut ist. Unser Fokus soll aber auf dem Eis liegen.

ZUR PERSON: Marco Sturm wurde im Juli 2015 überraschend zum Bundestrainer ernannt, obwohl er keine Erfahrung als Coach hatte. Der 38-Jährige ist zugleich Generalmanager. Als Profi absolvierte er 1006 Spiele in der Nordamerika-Liga NHL - mehr als jeder andere Deutsche. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Florida.

dpa

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