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Abgesetzte Ermittler: Hunderte FIFA-Fälle offen

Fußball Abgesetzte Ermittler: Hunderte FIFA-Fälle offen

Nach ihrer Absetzung prophezeien die Ex-Ethikchefs der FIFA eine düstere Zukunft. Angesichts von mehreren hundert offenen Fällen droht eine erhebliche Verzögerung. Auch bei der Aufarbeitung eines Skandals mit deutscher Beteiligung.

Hans-Joachim Eckert, Sprecher Marc Tenbücken und Cornel Borbely bei einer kurzfristig einberufenen Presse-Konferenz.

Quelle: Florian Lütticke

Manama. Durch das kontroverse Aus für die FIFA-Ethiker droht in mehreren hundert Fällen eine Hängepartie - auch die Ermittlungen im Sommermärchen-Skandal um Franz Beckenbauer dürften sich verzögern.

Im 13. Stock des Al Raya Suites Hotel von Manama prophezeiten die Ethikchefs eine düstere Zukunft für die FIFA und rechneten scharf mit der Weltverbandsspitze um Präsident Gianni Infantino ab. "Der Reformprozess ist gestoppt, zumindest um Jahre zurückgeworfen. Die FIFA wird deswegen leiden", sagte Ex-Chefermittler Cornel Borbely neben dem deutschen Richter Hans-Joachim Eckert mit schneidender Stimme. "Ohne funktionierende Ethikkammer ist der Ethikcode ein totes Blatt Papier."

Der Schweizer berichtete bei der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz mit Blick auf das FIFA-Kongresszentrum, dass es derzeit "mehrere hundert" Ermittlungen gebe. Darunter ist auch noch das schwebende Verfahren um die Vergabe der WM 2006 an Deutschland. Im März 2016 hatten die Ethikhüter ihre Ermittlungen gegen die WM-Macher um Beckenbauer aufgenommen.

"Es wird sich verzögern", sagte Eckert generell, ohne auf spezielle Fälle einzugehen. Die entscheidende Frage: "Wie lange brauchen die neuen Kollegen, um sich einzuarbeiten in die neue Materie?" Und auch, mit welcher Vehemenz die Fälle weiter verfolgt werden.

Als einzige Mitglieder des FIFA-Councils hatten DFB-Präsident Reinhard Grindel und US-Verbandschef Sunil Gulati sich während der Sitzung offen gegen den Personalplan Infantinos ausgesprochen. "Ich habe eindringlich darauf hingewiesen, dass es eine sehr schwierige Entscheidung ist, da nach meiner Einschätzung die Arbeit von Eckert und Borbely durchaus geschätzt worden ist", berichtete Grindel am Persischen Golf.

Vergeblich. Für den Posten der Chefermittlerin schlug das Council die Kolumbianerin María Claudia Rojas vor, die rechtsprechende Kammer soll der frühere Präsident des Europäischen Gerichtshofs, Vassilios Skouris aus Griechenland, leiten. Dass sie beim Kongress am Donnerstag bestätigt werden, steht nicht in Zweifel. Infantino hatte die Neuaufstellung mit Beschwerden über zu europäisch dominierte Kommissionen begründet - ohne direkt nach der Councilsitzung die Entscheidungen der Öffentlichkeit zu erläutern.

Am Abend verteidigte die FIFA ihre Entscheidung und betonte, dass es ein einstimmiger Beschluss des Councils gewesen sei. Die Kandidaten "spiegeln die geografische und geschlechtsspezifische Vielfalt wider, die Teil einer internationalen Organisation wie FIFA sein müssen", hieß es in der Mitteilung.

"Es ist nicht so, als hätten wir sie mit nicht-unabhängigen Leuten ersetzt", sagte FIFA-Vizepräsident Victor Montagliani aus Kanada bei BBC Radio 5 und kritisierte Eckert sowie Borbely. "Es ist mir unangenehm, wenn Richter mit den Medien sprechen, sowohl während ihrer Amtszeit als auch danach. Ich denke, das ist ziemlich unprofessionell."

Eckert und Borbely erfuhren nach eigenen Angaben erst nach der Landung in Bahrain durch die Medien von ihrem Aus. "Die Absetzung war unnötig und deswegen ausschließlich politisch motiviert", sagte Borbely. Seit 2015 habe die Untersuchungskammer 194 Voruntersuchungen durchgeführt und die rechtsprechende Kammer über siebzig Funktionäre verurteilt. Darunter waren auch der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter und Ex-UEFA-Chef Michel Platini.

Eckert sieht durch die Personalentscheidungen auch offene Fragen für den Weltverband rund um die strafrechtlichen Verfolgungen in der Schweiz und den USA wegen des FIFA-Korruptionsskandals. "Was werden die Strafverfolger in Bern machen, was werden die Strafverfolger in den USA machen?", fragte der Korruptionsexperte aus München. "Aber es wird nicht einfacher für die FIFA." Im laufenden US-Verfahren gilt die FIFA bislang als Opfer - sollte sich dies ändern, würde dies die Lage massiv verschärfen.

dpa

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