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Springsport-Serie: Millionen-Geschäft mit Comic-Namen

Pferdesport Springsport-Serie: Millionen-Geschäft mit Comic-Namen

Namen wie Hamburg Diamonds und Berlin Lions stehen für die Privatisierung des Pferdesports. Mit den vielen Millionen Euros ihrer Teamwertung wird die Global Champions Tour immer mächtiger. Einige Topreiter sehen dadurch die Nationalmannschaften bedroht.

Die Springsport-Serie startet in Mexiko.

Quelle: Sashenka Gutierrez

Mexiko City. Christian Ahlmann reitet für die Mexico Amigos, Ludger Beerbaum startet für die Cannes Stars und Daniel Deußer für die Shanghai Swans. Hinter diesen Comic-Namen verbirgt sich das größte Millionen-Geschäft des Pferdesports.

Die Global Champions Tour expandiert weiter. Die in Mexiko City beginnende Springsport-Serie steigert das Preisgeld um fast 20 Prozent auf jetzt 23 Millionen Euro. Die Zahl der Teams wächst von 12 auf 18.

Manche halten die vom Niederländer Jan Tops ersonnene Teamwertung für eine Bedrohung des Pferdesports und fürchten um die traditionsreichen Nationenpreise. Andere sehen in der mit Abstand am höchsten dotierten Serie eine Bereicherung. "Jan hat mich gefragt, ob ich mitmache, und ich habe gerne 'Ja' gesagt", erklärt Marcus Ehning.

"Ich reite keine Runde mehr, kann aber mehr Geld verdienen", erklärt Ehning, der jetzt für Valkenswaard United startet. Wie der dreimalige Weltcup-Sieger aus Borken gibt es ein Dutzend deutscher Reiter, die an dem Global Champions League genannten Team-Wettbewerb mitmachen. Kurioserweise reitet jedoch kein Deutscher für die Hamburg Diamonds und die Berlin Lions.

Einige Top-Reiter boykottierten den Team-Wettbewerb, darunter der Schweizer Olympiasieger Steve Guerdat. "Wir wollen die Werte unseres Sports verteidigen, wie wir ihn lieben", sagt auch Kevin Staut, der französische Team-Olympiasieger von Rio. "Wir sind nicht gegen die Global-Turniere, sondern wollen einfach andere Turnierserien schützen."

Bedroht sehen sie vor allem die traditionelle Nationenpreis-Serie. Der vom Weltverband organisierte Wettbewerb der Nationalmannschaften verliert im Duell mit der privat gemanagten Global Champions Tour zusehends an Bedeutung. Auch bei den deutsche Tour-Stationen in Hamburg und Berlin gibt es Termin-Überschneidungen mit den Nationenpreis-Turnieren in Rom und Hickstead.

Es dürfte für Bundestrainer Otto Becker nicht einfach werden, vier Topreiter zu überreden, auf die lukrativen Heimspiele zu verzichten und stattdessen für die Nationalmannschaft zu reiten. "Grundsätzlich ist es gut, weil die Global Tour mehr Geld in den Sport bringt", sagt Becker zur Expansion des privaten Team-Wettbewerbs. Doch der Coach ist hin- und hergerissen, denn: "Es wird noch schwerer für die Nationaltrainer, weil die Reiter noch mehr Verpflichtungen haben." 

Tour-Gründer Jan Tops kann die Aufregung und den Protest einiger Reitstars nicht verstehen. Die Regeln seiner Global Champions League (GCL) seien so, dass die Nationaltrainer "jederzeit" ihre Reiter für die Nationalmannschaft nominieren können: "Ich sehe kein Problem."

Merkwürdig ist die Rolle des Weltverbandes FEI. Zunächst hatte der Verband sich gegen die "illegale Privatisierung" des Pferdesports "mit allen juristischen Mitteln" gewehrt. Nachdem die FEI aber ein Verfahren bei der belgischen Wettbewerbs-Behörde verlor, knickte sie jedoch schnell ein. Verbands-Präsident Ingmar De Vos erzählt jetzt: "Die FEI glaubte immer daran, dass es Platz gibt für eine Koexistenz der bestehenden FEI-Serien und der GCL."

dpa

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