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Aus für Kiel: Turnier-Sterben in Deutschland geht weiter

Pferdesport Aus für Kiel: Turnier-Sterben in Deutschland geht weiter

Miami, Shanghai, Dubai - der Reitsport wird immer internationaler. Das Ende des Turniers in Schleswig Holsteins Hauptstadt zeigt: Darunter leiden zunehmend heimische Veranstaltungen.

Ein Reiter überquert mit seinem Pferd bei der Baltic-Horse-Show in Kiel ein Hindernis.

Quelle: Frieler/BHS

Kiel. Die Globalisierung des Pferdesports hat ein weiteres Opfer. Nach dem Aus für Bremen und Hannover ist die Absage des internationalen Reitturniers in Kiel ein weiterer schwerer Rückschlag.

"Das ist traurig für unseren Sport", sagte Breido Graf zu Rantzau, Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). "Es ist sehr bedauerlich, wenn Turniere aufgeben müssen."

Das Turniersterben setzt sich in Kiel fort. Fehlende Sponsoren und die gewachsene internationale Konkurrenz sind - neben speziellen Problemen in Schleswig Holsteins Hauptstadt - die wichtigsten Ursachen.

Es gebe eine "global völlig veränderte Turnierlandschaft, die den deutschen Reitern, die das inländische Publikum gerne sehen würde, im Ausland weitaus bessere Verdienstmöglichkeiten" offeriere, sagte der Kieler Veranstalter Peter Rathmann. "Wenn sich keine positiven Perspektiven mehr aufzeigen, muss man Geschäftsmann genug sein, um die Situation zu beenden."

Die deutschen Stars wie Ludger Beerbaum oder Christian Ahlmann reisen inzwischen um die halbe Welt. Turniere in Miami, Shanghai, Hongkong oder Dubai locken mit hohem Preisgeld. Allein die Global Champions Tour mit ihren weltweit 15 Stationen schüttet rund 20 Millionen Euro aus. "Ich kann die Reiter verstehen, dass sie da hingehen, wo es mehr Geld gibt", sagte der Verbandspräsident.

Die Internationalisierung hat den Pferdesport drastisch verändert. Die Topreiter müssen weiter reisen, um ihre Turnierställe und die teuren Pferde zu finanzieren. "Wir haben leider nicht mehr die Sponsoren", sagte FN-Boss Rantzau. "Und die Einschaltquoten im Fernsehen sind auch nicht mehr so gut."

94 Turniere auf Fünf-Sterne-Niveau sind im kommenden Jahr bei der internationalen Pferdesport-Föderatin FEI angemeldet, nur sechs davon im Land des weltweit erfolgreichsten Reitverbandes. Der Aachener Turniervermarkter Michael Mronz hat errechnet, dass Anfang des Jahrtausends ungefähr die Hälfte des weltweiten Preisgeldes in Deutschland ausgeschüttet wurde - inzwischen dürfte es unter zehn Prozent sein.

Die deutschen Top-Veranstaltungen wie der CHIO in Aachen oder das Hamburger Derby haben weiter Sponsoren. Sie locken mit viel Geld die Topstars und diese die Fans. Drei- und Vier-Sterne-Turniere haben es hingegen immer schwerer. Gerade drei Veranstaltungen der zweithöchsten Kategorie sind 2018 in Deutschland geplant.

Eine Ausnahme könnte Berlin sein, wo es im Juli einen erneuten Versuch gibt. Nach dem Aus des Weltcup-Turniers 2004 und dem einmaligen Experiment 2009 auf dem Flughafen-Gelände in Tempelhof soll sich nun ein Fünf-Sterne-Turnier als Teil der Global Champions Tour etablieren. Bei einem Preisgeld von rund einer Million Euro ist der Start der deutschen Stars gesichert.

dpa

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