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„Wir haben die Ligen im Zwei-Jahres-Rhythmus übersprungen“

Football „Wir haben die Ligen im Zwei-Jahres-Rhythmus übersprungen“

Seit Dezember 1996 ist der Dresdner Thomas Stantke bei den Monarchs aktiv – erst als Spieler, ab 2006 als Teil des Trainerteams. Der 42-Jährige hat den Aufstieg der Footballer bis in die 1. Bundesliga mitgemacht und hofft beim Jubiläumsspiel im DDV-Stadion gegen die Kiel Baltic Hurricanes auf einen Sieg und viele Zuschauer.

Thomas Stantke coacht die Defensive Backs. Früher war er selbst Passverteidiger.

Quelle: Dehli-News

Dresden. 25 Jahre gibt es die Dresden Monarchs jetzt – das ist ein Grund zum Feiern. Steigen soll die Party am Sonnabend ab 18 Uhr im DDV-Stadion, wenn die Königlichen in der Bundesliga die Kiel Baltic Hurricanes erwarten. Vor dem Jubiläumsspiel gegen die Holsteiner haben wir uns mit Thomas Stantke auf Zeitreise begeben. Der 42-jährige Dresdner hat den Aufstieg der Monarchs zu einem der besten deutschen Footballteams als Spieler, Kapitän und Assistenztrainer mitgeprägt.

Frage: Wie sind Sie zu den Monarchs gekommen?

Thomas Stantke: Ich bin 1996 über den Bruder einer damaligen Freundin zum Verein gekommen. Falk Thümmler heißt er, er war damals Trainer und Spieler und hat später als Architekt mein Haus entworfen. Ich bin im Dezember 1996 einfach mal mitgegangen – in die alte Traglufthalle auf der Blüherstraße. Dort haben die Monarchs damals ihr Wintertraining abgehalten. Vom Spiel habe ich da noch nichts verstanden, auch wenn ich im Sommer davor mal sechs Wochen in den USA gewesen bin und an einer High School mal ein Football-Spiel miterlebt hatte. Aber da war das Drumherum noch interessanter für mich als der Sport selbst. Ich weiß noch, wie Jörg Dreßler 1996 die Halle betrat und alle gesagt haben: Dort kommt der Chef! Heute verbindet uns eine jahrelange Freundschaft, außerdem sind wir Geschäftspartner.

Waren Sie vor Ihrem Einstieg beim Football schon sportlich aktiv?

Ja, ich war ursprünglich Langläufer in Niedersedlitz und habe es von dort mit einem Kumpel an die Kinder- und Jugendsportschule nach Klingenthal geschafft. Von 1987 bis 1990 war ich dort und bin mit René Sommerfeldt, dem späteren Gesamt-Weltcup-Sieger, in eine Klasse gegangen. Danach war ich in Dresden Leichtathlet bei Dirk Adam. Als ich aufgehört habe, bin ich zur Bundeswehr gegangen und habe mit dem Studium begonnen. Mit 22 wollte ich sportlich etwas Neues ausprobieren.

Wie war Ihr erstes Spiel?

Das war am 1. April 1997 mit Trainer Bob Guice gegen die Magdeburg Virgin Guards. Wir haben zu Hause 48:0 verloren. Als Passverteidiger wusste ich gar nicht, wie mir geschah. Aber wir waren noch neu in der Szene, Teams wie Magdeburg oder Leipzig teilweise unterlegen.

Trotzdem haben Sie weitergemacht. Was hat Sie am Football so gefesselt?

Es ist eine Vollkontakt-Sportart. Ich konnte meine Schnelligkeit ausspielen und habe irgendwie gespürt, dass sich aus dieser Randsportart etwas entwickeln und ich ein Teil davon sein könnte. Damals herrschte hier Aufbruchstimmung. Die alten Baracken auf der Bärnsdorfer Straße – die hatten einfach irgendwas. Als wir mit Larry Long den ersten ausländischen Spieler verpflichtet haben, war das eine coole Sache. Mit Bob Guice als Trainer, einem Typen über 60 Jahre alt, war das etwas Anderes, nichts Klassisches. Zudem war ich mit dem Mädchen noch zusammen, der Verein wurde wie eine Familie für mich. So bin ich bis heute dabeigeblieben.

Der Verein ist schnell durchgestartet. Wie haben Sie diese Jahre erlebt?

Es war eine rasante Entwicklung, wir haben im Zwei-Jahres-Rhythmus die Ligen übersprungen. Ein Jahr waren wir drin, dann sind wir aufgestiegen. Das war ein Hype an der Bärnsdorfer Straße, wo wir uns den alten Rasen noch mit den Sportfreunden 01 geteilt haben. Als die Sportfreunde abgezogen sind, war da in der Mitte nur noch eine Dreckfurche über die komplette Länge. Das waren unterirdische Bedingungen, trotzdem war das hipp. Wenn am Sonntag Football auf der alten Radrennbahn war, sind die Leute dahingekommen. Ich kann mich noch an den Zweitliga-Aufstieg erinnern, da haben wir dort vor 4800 Fans gespielt. Es war alles voll, ein Riesenerlebnis für uns.

2002 ging es sogar noch eine Etage höher...

Im alten Harbig-Stadion war schon der allererste Auftritt gegen die Troisdorf Jets toll, das war im Mai 2001. Das war eine Zeit, wo wir uns vom Zuschauerschnitt her mit Dynamo nichts genommen haben. Da kamen im Schnitt 3900 Leute zu den Monarchs, Dynamo hatte in der Oberliga auch nicht viel mehr. Dort spielen zu dürfen, wo du früher als kleiner Junge Dynamo aus dem Fanblock zugejubelt hast, das hat uns begeistert. 2002 haben wir ja im Harbig-Stadion vor über 8000 Leuten auch den Sprung in die 1. Bundesliga geschafft. Das war für mich das größte Erlebnis neben der späteren Erfahrung, als einer der Trainer mit im German Bowl zu stehen.

Haben Sie in Ihren Anfangsjahren geglaubt, dass der Verein einmal mit um die Deutsche Meisterschaft mitspielen könnte?

Als wir mal in Magdeburg gespielt haben, hat uns der Heimverein eingeladen, doch mit nach Braunschweig zu fahren, um uns dort gemeinsam ein Erstliga-Spiel anzuschauen. Die Braunschweiger haben vor 10 000 Leuten haushoch gegen Düsseldorf gewonnen. Dass wir zehn Jahre später mal im German Bowl gegen Braunschweig spielen würden, hat damals niemand gewagt zu glauben. Aber so ist es gekommen. Wir haben uns von allen Ostmannschaften die besten Strukturen aufgebaut, eine breite Basis bei Sponsoren, Fans und an Wahrnehmung in der Öffentlichkeit geschaffen. Mit Konstanz sind wir ein fester Bestandteil der German Football League geworden, der vom Verband geschätzt wird.

Haben Sie als Aktiver eigentlich immer Defensive Back gespielt?

Ja, ich habe immer in der Passverteidigung gespielt – bis auf die letzten Jahre. Da wurde ich nach einer Bandscheiben-OP auch mal Wide Receiver eingesetzt und habe in einem Vorbereitungsspiel gegen München auch mal einen Touchdown gefangen. Meistens war ich aber Passverteidiger und von 2003 bis 2005 auch Team Captain.

2005 haben Sie aufgehört und sind 2006 Trainer geworden. Warum ging es als Spieler nicht mehr weiter?

Das Knie, die Bandscheibe – da war einiges lädiert. Ich war 31 und habe mir gesagt: Jetzt muss es nicht mehr sein. So habe ich den Jungen Platz gemacht. Ganz aufhören mit dem Football konnte ich aber nicht, deswegen bin ich als Trainer kleben geblieben. Mit Robert Cruse und Jörg Dreßler wollte ich auch weiter meine Freizeit verbringen. Robert ist hauptamtlicher Trainer, Jörg Geschäftsführer geworden, aber ich wollte mich nebenberuflich auch gern weiter engagieren und habe meine Positionsgruppe übernommen. Das mache ich bis heute, obwohl ich schon ein paar Mal gesagt habe: Irgendwann musst du auch das mal an den Nagel hängen!

Wie kriegen Sie als Anwalt und Mitinhaber einer Marketing-Agentur Ihre Trainertätigkeit mit Ihrem Beruf zeitlich unter einen Hut?

Ich habe eine Familie, die das mitträgt. Sonst wäre das nicht möglich. Meine Frau ist ein großer Fan, meine Kinder sind es mittlerweile auch. Sie tolerieren, dass ich abends noch dreimal die Woche losziehe, wenn ich die Tasche ins Haus gestellt habe.

Wie hat sich Ihr Kampfgewicht verändert?

Gar nicht, ich wiege immer noch 90 Kilo, aber natürlich ist der Anteil an Muskelmasse nicht mehr so hoch.

2002 sind Sie mit den Monarchs durch ein 62:0 gegen die Kiel Baltic Hurricanes in die GFL aufgestiegen. Nun kommen die „Canes“ erneut nach Dresden. Was erwarten Sie für ein Spiel zum Jubiläum?

Mit Kiel verbindet uns seit 2002 eine große Rivalität. Sie sind zwar mal ganz unten gewesen, aber wieder hochgekommen und waren stets ein harter Gegner. Wir haben dort mal 14:0 im Halbfinale verloren, an der Norddeichwiese auch schon mal richtig was auf die Mappe gekriegt. In den letzten Jahren hat sich das ein wenig ausgeglichen, wir haben sie zuletzt meist in die Schranken weisen können, was den Kampf um Platz zwei in unserer Gruppe anbelangt. Dort haben wir zwar in den letzten zwei Jahren verloren, zu Hause konnten wir die Duelle dagegen klar für uns entscheiden. Aber dieses Jahr ist da eine richtig gute Truppe in Kiel zusammengewachsen. Sie haben einen großen Zulauf aus Hamburg von den Huskies gehabt – mit vielen guten Spielern. So sind sie ein ganz ernstzunehmender Gegner, der auch die ersten vier Spiele gegen schwächere Mannschaften gewonnen hat. Ich bin froh, dass wir in der Defense wieder vollzählig sind. In Braunschweig hatten wir mit dem Platzverweis aus dem Spiel gegen die Adler zu kämpfen, unser Linebacker Marc Milan ist aber wieder aktiv. Es wird aber in jedem Fall ein heftiger Schlagabtausch, unsere Offense muss funktionieren. In Braunschweig hat es nicht geklappt, aber ich glaube, unsere Jungs haben daraus gelernt.

Wo sehen Sie die Monarchs in fünf bis zehn Jahren?

Wir haben einen unheimlichen Zulauf an Mitgliedern, über 600 sind es jetzt. Das ist eine breite Basis. Ich wünsche mir, dass wir auch weiter zu den vier besten Mannschaften in Deutschland gehören. Außerdem hoffe ich, dass wir für den Verband ein verlässlicher Partner bleiben und weiter nationale und internationale Meisterschaften hier austragen können. Es wäre ein ganz tolles Erlebnis, wenn wir irgendwann einmal die Möglichkeit erhalten, den German Bowl auszutragen. Der sollte dann natürlich mit Dresdner Beteiligung stattfinden.

 

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Der MDR bietet einen Internet-Livestream an, Kommentator ist Torsten Püschel.

Von Jochen Leimert

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