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Wie Mielke Fußball nach seinen Regeln spielen ließ

Wie Mielke Fußball nach seinen Regeln spielen ließ

Der Lesesaal der Dresdner Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) war proppevoll - bei der Einführungsveranstaltung zur Ausstellung "Fußball für die Stasi.

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Stasi-Opfer Peter Kotte (l.) im Gespräch mit Ingolf Pleil in der Dresdner BStU-Außenstelle.

Quelle: Frank Dehlis

Der Berliner Fußball-Club Dynamo" blieb kein Sitz leer. Drei Tage vor dem 60-jährigen Bestehen der SG Dynamo Dresden steht die Geschichte des Ostfußballs offenbar hoch im Kurs.

Dass die Historie des einst von Stasi-Chef Erich Mielke protegierten BFC eng verzahnt mit der der SGD ist, das konnten auch jene Gäste erfahren, die vorher vielleicht nicht wussten dass der BFC seinen Ursprung 1954 in der Delegierung der Dresdner Dynamo-Spieler nach Berlin hatte.

In einem gut halbstündigen Vortrag erläuterte Ingolf Pleil, Autor des preisgekrönten Buches "Mielke, Macht und Meisterschaft", wie der eigenwillige Fußballfan Mielke mit seinem Apparat den Ausgang des Titelkampfes in der DDR-Oberliga zu Gunsten "seines" BFC beeinflusste. Eines der Opfer war die Dresdner Dynamo-Filiale, neben dem 1. FC Magdeburg die Top-Mannschaft der siebziger Jahre. 1978 habe Mielke der Elf von Trainer Walter Fritzsch noch einmal zähneknirschend in der Kabine gratuliert, so Pleil. "Mit dem Zusatz: Es ist natürlich klar, dass der Falsche Meister geworden ist", weiß der DNN-Redakteur.

Bis 1989 ließ sich Mielke nicht mehr von der Provinz vorführen. "Ein Dokument, das belegt, dass nur noch der BFC Meister werden durfte, gibt es nicht", räumt Pleil zwar ein. Doch Belege für die "Lenkung" der Meisterschaft in die "von oben" gewünschte Richtung gibt es genug. Sie werden in der Ausstellung gezeigt. Da geht es u.a. um den "Schand-Elfmeter von Leipzig" 1986 und natürlich um den Fall der 1981 von der Stasi kaltgestellten Dresdner Spieler Gerd Weber, Peter Kotte und Matthias Müller. "Für Dynamo Dresden war das ein schwerer Aderlass, sie bildeten das Rückgrat der Mannschaft", weiß Pleil.

Zeitzeuge Peter Kotte war gestern auch gekommen. Der frühere DDR-Auswahlstürmer geht heute gelassen mit seinem Schicksal um, "aber damals war es schlimm, dass ich nicht mehr auf dem Niveau spielen durfte, auf dem ich wollte - und das wegen einer Lappalie".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.04.2013

Jochen Leimert

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