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Höchstes Glück für Mountainbiker: Neun Erzgebirgsgipfel an einem Tag

Stoneman Miriquidi Höchstes Glück für Mountainbiker: Neun Erzgebirgsgipfel an einem Tag

Mindestens 5000 Radkilometer Jahrespensum sollte man mitbringen, wenn man den „Stoneman Miriquidi“ an einem Tag absolvieren möchte. Entlang der 162 Kilometer langen Mountainbike-Strecke sorgen viele Ehrenamtliche für ein Naturerlebnis - auch wenn sie selbst keine Radler sind.

Die Wegwarte Kirsten Riedel (r) und Toni Escher fahren am 19.05.2017 über einen Streckenabschnitt des "Stoneman Miriquidi" bei Breitenbrunn (Sachsen).

Quelle: dpa

Cunersdorf/Oberwiesenthal. Wenn die Sonne vom strahlendblauen Erzgebirgshimmel brennt, hat Jule Schaarschmidt alle Hände voll zu tun. So muss sie Plastikbecher nachfüllen und Mülleimer leeren. Was als kleine Erfrischung am Wegesrand des „Stoneman Miriquidi“ begann, ist als kostenlose Wasserzapfstelle längst ein beliebtes Etappenziel, berichtet die Mutter der 15-jährigen Schülerin. Mit der Trinkpause heißt die Familie alle Radfahrer direkt hinter ihrem Haus in Cunersdorf willkommen - ehrenamtlich und obwohl außer Jule keiner Fahrrad fährt.

„An einem Sonntagmorgen fragten zwei Radler über den Gartenzaun nach einem Schluck Wasser, so war die Idee geboren“, erzählt Cathrin Schaarschmidt. Den Gartenschlauch aus der ersten Saison habe ihr Mann mittlerweile durch eine Kupferleitung ersetzt. Hinzu kamen eine Bank und eine Beschilderung in fünf Sprachen. „Die kommen hier an bei Wind und Wetter: Abends, tagsüber, nachts und freuen sich noch“, meint die Ortschaftsrätin voller Respekt. Rund 1000 Liter Wasser sponsern die Schaarschmidts jedes Jahr.

Cathrin Schaarschmidt (r) und Tochter Jule

Cathrin Schaarschmidt (r) und Tochter Jule

Quelle: dpa

Die Familie wolle damit zeigen, wie gastfreundlich das Erzgebirge sei und ihren Beitrag zu dieser einmaligen Mountainbike-Strecke leisten, die auf 162 Kilometern über neun Gipfel führt: Bärenstein, Pöhlberg, Scheibenberg, Rabenberg und Auersberg auf deutscher, Blatenský vrch (Plattenberg), Plešivec (Pleßberg) sowie Klínovec (Keilberg) auf tschechischer Seite und schließlich als krönender Abschluss der Fichtelberg - macht alles in allem 4400 Höhenmeter quer durch‘s Gelände.

Nach den Schaarschmidts haben viele weitere Erzgebirger pfiffige Ideen entlang der Route entwickelt: Ob Radschlauch-Automat oder Selbstbedienungs-Kühlschrank, das Projekt lebe vor allem vom ehrenamtlichen Engagement, sagt Doreen Burgold vom Tourismusverband Erzgebirge. Von der ersten Idee bis zur Eröffnung im Mai 2014 blieben den Organisatoren nur 14 Monate Zeit. „Ende April merkten wir, dass wir noch dringend Hilfe brauchten.“ Rund 600 Schilder mussten entlang der Wegstrecke gut sichtbar angebracht werden, bevor es offiziell losgehen konnte.

Die leidenschaftlichen Mountainbiker Kirsten Riedel und Toni Escher folgten dem Aufruf und blieben dem „Stoneman“ als ehrenamtliche Wegewarte treu. Mit 15 Gleichgesinnten kümmern sie sich vor, nach und während der Saison von Mai bis Oktober um die Strecke. „Ich bin ohnehin täglich mit dem Rad unterwegs“, meint Riedel. Für den drahtigen 44-Jährigen aus Breitenbrunn gehören 30 bis 40 Kilometer im Sattel einfach dazu.

Die einmalige Mountainbike-Strecke führt auf 162 Kilometern über neun Gipfel des Erzgebirges, darunter Keilberg und Fichtelberg.

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Die kurzen, knackigen Anstiege haben es ihm besonders angetan. Zudem komme man auf zwei Rädern an Stellen vorbei, die man mit dem Auto nie zu sehen bekommen würde. Während er sich um den Streckenabschnitt Erlabrunn bis Plattenberg kümmert, schaut Toni Escher rund um den Fichtelberg nach dem Rechten. Er selbst fahre den „Stoneman“ nur ein- bis zweimal im Jahr. „Sonst wird es Routine. Aber es gibt auch ganz Verrückte, die sich das jedes freie Wochenende antun“, meint der 26-Jährige lachend. Der Rekord liege bei knapp 20 Runden in einer Saison, ergänzt der Profi, der schon fünf Stoneman-Trophäen zuhause hat.

Wer die Tour an einem Tag schafft, wird mit Gold belohnt. Für zwei Tage gibt es die handgefertigte Skulptur aus Holzsockel, Stein und Metall-Logo in Silber, für drei Tage in Bronze. Alle, die sich länger Zeit lassen, erhalten eine echt erzgebirgische Holzmedaille.

Von rund 1400 Startern im ersten Jahr hat sich die Teilnehmerzahl sukzessive auf zuletzt 3700 Fahrer gesteigert. Mehr als 7000 sogenannte Finisher finden sich mittlerweile auf der Webseite. Damit haben die Erzgebirger das Original längst überflügelt.

Mit dem ersten „Stoneman Dolomiti“ in Südtirol wollte Mountainbike-Legende Roland Stauder zurück zu seinen Anfängen, einem Naturerlebnis auf dem Rad. Als die Ausweitung der Marke anstand, brachte sich das Mittelgebirge ins Spiel. Bei einer Testfahrt war Stauder so angetan von der Region, dass der bislang einzige weitere „Stoneman“ nach Sachsen kam.

„Das Erzgebirge profitiert enorm, weil wir dadurch bei einer wesentlich jüngeren Zielgruppe wahrgenommen werden, die sonst nie hergekommen wäre“, sagt Burgold. Der bislang jüngste Biker war demnach gerade einmal elf Jahre alt und sogar zu einer dreitägigen Hochzeitsreise hat die Strecke schon inspiriert.

dpa

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