Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 3 ° wolkig

Navigation:
Google+
Ex-Dresdnerin Christiane Fürst zur verpatzten Volleyball-WM und ihren Zukunftsplänen

Ex-Dresdnerin Christiane Fürst zur verpatzten Volleyball-WM und ihren Zukunftsplänen

Eigentlich wollte Christiane Fürst in dieser Woche mit der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft in Mailand um eine WM-Medaille schmettern. Der Traum von Edelmetall platzte aber schon nach der ersten Gruppenphase.

Voriger Artikel
Böger macht Dynamos Profis für das Landespokal-Spiel fit
Nächster Artikel
"Kranker" DSC sagt Turnier in Prag ab

Bildunterschrift

Quelle: imago Sportfotodienst

Mit dem neunten Platz im Gepäck kehrte das Team von Bundestrainer Giovanni Guidetti am Montag aus Italien zurück. Die 29-jährige Mittelblockerin, die mit 342 Länderspieleinsätzen die Erfahrenste im DVV-Team ist, nutzte die ungewollt freie Zeit zu einer Stippvisite im heimatlichen Dresden. Trotz vieler Termine nahm sich die ehemalige DSC-Spielerin, die bereits ihre dritte Weltmeisterschaft erlebte, die Zeit für ein offenes Gespräch mit den DNN.

Sie waren mit großen Zielen in diese WM gestartet. Wie fühlen Sie sich jetzt?

Schon Mitte des Turniers, speziell in der Woche in Triest haben wir alle Emotionen von Enttäuschung, Frust und Wut durchlebt. Jetzt bin ich einfach etwas müde, vor allem aber leer. Ich versuche jetzt, einen Schnitt zu machen. Am Sonntag fliege ich nach Istanbul, wo ich bei Eczacibasi so etwas wie einen Neuanfang wage.

Nach drei Jahren bei Vakifbank Istanbul unter Giovanni Guidetti wechseln Sie zum Lokalrivalen. Warum?

Ich denke, neue Reize und Impulse tun mir gut. Ich freue mich jetzt auf einen neuen Trainer, ein anderes Umfeld, eine neue Mannschaft. Eczacibasi hatte sich sehr um mich bemüht, nun habe ich einen Zwei-Jahresvertrag unterschrieben.

Zurück zur WM. Sie gehören schon seit 2003 zur Nationalmannschaft, haben mit dem Team seither viel erlebt. Ist diese WM der Tiefpunkt?

Ich habe schon einige Tiefpunkte mit der Mannschaft durchlebt. Zum Beispiel die EM 2005 unter Trainer Hee Wan Lee oder die WM 2006, als wir nur Platz elf belegten und uns deutlich mehr erhofft hatten. Sicher aber war auch diese WM ein Tiefpunkt, weil man gemerkt hat, dass die Chemie zwischen dem Bundestrainer und der Mannschaft nicht mehr stimmt. Deshalb bleibt ein bitterer Nachgeschmack.

Können Sie das näher erklären? Zumindest hatte man schon beim Grand Prix als Zuschauer den Eindruck, dass Giovanni Guidetti sehr negativ gestimmt war, sogar das Coachen phasenweise einstellte.

Das Verhältnis zu ihm hat sich in den letzten eineinhalb Jahren verschlechtert. Er hat uns Spielerinnen durch Nicht-Kommunikation und auch durch Nicht-Anwesenheit das Grundvertrauen entzogen. Giovanni Guidetti ist ein sehr guter Trainer, doch er hat sich zuletzt verändert.Und dieser Wandel war nicht gut für die Mannschaft. Es scheint so, als ob er müde und leer ist.

Sehen Sie darin den Grund für das schlechte Abschneiden bei der WM?

Ja, auch. Es hatte sich schon in den Monaten davor angedeutet. Die Vorbereitung war nicht optimal, es gab den gesamten Sommer über keine klare Linie, es wurde keine Stammformation eingespielt und wir haben den Grand Prix nicht für die WM-Vorbereitung genutzt. Schon dort war es ein Desaster. So waren wir weder individuell noch als Mannschaft bei der WM in Bestform.

Es wurde kolportiert, die Mannschaft sei in Grüppchen auseinandergebrochen. Und vom Bundestrainer kam die Kritik, dass sich einige Spielerinnen statt um ihre Leistung in Triest schon um die Heimflugtickets gekümmert hätten.

Das ist nicht wahr. Die Mannschaft ist nicht auseinandergebrochen. Im Gegenteil, wir haben zwischen den Spielen ganz viel miteinander geredet. Und wir haben uns nach der Weltmeisterschaft und einer abschließenden Ansprache von Giovanni Guidetti allein noch einmal zusammengesetzt. Da öffneten sich bei den Mädels alle Schleusen, wir haben uns den ganzen Frust von der Seele geredet und waren uns einig, dass wir weiterhin gemeinsam durch dick und dünn gehen wollen. Ich denke, das war das Positive. Und was die Flüge angeht, die bucht ohnehin immer der DVV für uns. Das macht keine Spielerin privat.

Sie haben vor der WM gesagt, Sie planen mindestens noch bis zu den Olympischen Spielen in Rio. Bleiben Sie dabei?

Ja, solange ich der Mannschaft etwas geben kann, würde ich sie gern mit nach Rio führen. Dabei ist allerdings die Qualifikation für Olympia die größte Hürde.

Was muss sich ändern, damit der Vize-Europameister des Vorjahres, der in Berlin die Fans begeisterte, wieder in die Erfolgsspur findet?

Ich denke, Giovanni Guidetti muss einen Weg finden, wieder so mit uns zu arbeiten, wie er das früher getan hat, muss uns wieder Vertrauen schenken, uns motivieren. Das ist jedoch seine Entscheidung.

Sie haben im letzten Jahr ihr Studium an der TU Dresden abgeschlossen, wollen aber jetzt neben dem Sport noch weiter studieren?

Ja, ich brauche immer noch immer einen Ausgleich für den Kopf und möchte mich weiterbilden, um Optionen für die Zukunft zu haben. Deshalb habe ich mich bei der Fern-Uni Hagen für Master of Governance, das ist so etwas wie Politikwissenschaften, eingeschrieben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.10.2014

Astrid Hofmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regionalsport
  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr