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Ein Kämpfer, kein Wunderheiler: Mickael Poté gibt bei Dynamo Dresden nicht auf

Ein Kämpfer, kein Wunderheiler: Mickael Poté gibt bei Dynamo Dresden nicht auf

Er ist seit 1868 Minuten und 22 Pflichtspielen für Dynamo ohne Tor. Er hat die Kapitänsbinde ebenso verloren wie seinen Stammplatz. Sein Marktwert beträgt von ehemals 1,5 Millionen Euro noch 800 000 Euro.

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"Ruhig bleiben" scheint Mickaël Poté mit seinen Händen zu beruhigen. Der Franzose denkt nicht über seine Torflaute nach.

Quelle: osnapix / Titgemeyer

Und nun ist seit Mittwoch auch noch sein Auto weg. Stürmer Mickaël Poté ist momentan nicht vom Glück verfolgt. Die DNN sprachen mit dem 29-Jährigen über seine Torflaute, Beleidigungen und Pfiffe im Stadion und seine Deutschkenntnisse.

Frage: Herr Poté, seit Mittwoch stehen Sie ohne Ihren Audi RS5 da. Was ist passiert?

Mickaël Poté: Ich kam am Nachmittag aus unserem Haus und wollte zum Training fahren. Als ich das Auto nicht gefunden habe, rief ich meine Frau an und fragte, ob sie es umgeparkt habe. Als sie verneinte, war mir schnell klar, dass es gestohlen worden war. Gestern saß ich dann über eine Stunde bei der Polizei, die den Fall aufgenommen und in ihrer Kartei registriert hat. Ich werde mir jetzt vorerst ein Mietauto nehmen.

Sie sind derzeit nicht gerade vom Glück verfolgt. Vom gefeierten Helden, der "Lebensversicherung" Dynamos - wie Sie der Sportliche Leiter Steffen Menze einst bezeichnete - zum Sündenbock für die Krise. Wie gehen Sie damit um?

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass die vergangenen Monate super einfach waren. Es gab natürlich schwierige Momente, in denen ich ein bisschen gezweifelt habe. Der Fußball ist ein knallhartes Geschäft. Die Menschen vergessen schnell. Was man einst geleistet hat, dafür kann man sich jetzt nichts mehr kaufen, so ist das eben. Die Situation in Dresden ist eine neue Erfahrung für mich, die mich weiter bringen wird. Ich werde jetzt mit Sicherheit nicht den Kopf in den Sand stecken oder jammern. Ich weiß, was es für ein Glück und Privileg ist, Fußball zu seinem Beruf zu machen, dafür bin ich jeden Tag dankbar. Ich hoffe einfach, dass ich schnell wieder zu meiner alten Stärke finde.

Sie haben nach Ihrer Verletzung im Sommer auf Urlaub verzichtet, haben stattdessen für das Comeback trainiert. Zu Saisonbeginn waren Sie rechtzeitig fit, mussten aber trotz der Verpflichtung von Zlatko Dedic allein im Sturm spielen. Dabei haben sie all ihre Dynamo-Tore immer dann erzielt, wenn Sie neben einer zweiten Spitze auflaufen konnten. Haben Sie das verstanden?

Nein, nicht wirklich. Dennoch habe ich immer wieder gesagt, dass keine Saison wie die andere ist. Keiner weiß, ob wir zusammen gleich wieder viele Tore geschossen hätten.

Was glauben Sie, warum Sie nicht mehr treffen?

All die Monate, in den ich allein im Sturm gespielt habe, waren nicht leicht. Man hat von mir Wunderdinge erwartet, aber die kann ich nicht leisten. Ich bin auf die Mannschaft angewiesen. Das soll keinesfalls eine Ausrede sein oder eine Kritik an den anderen. Ich brauche einfach das Kollektiv. Ich bin ein Typ, der alleine nichts ausrichten kann. Das kann man mir jetzt positiv oder negativ auslegen.

Nach all den Monaten, in denen Sie sich allein gegen die gegnerischen Abwehrspieler durchkämpfen mussten und sich einen Sturmpartner gewünscht haben, stellte Peter Pacult die Taktik gegen den FSV Frankfurt endlich um - doch ohne Sie auf dem Platz. Wie hart war das?

Das war ein Schlag ins Gesicht. Ich habe das als Ungerechtigkeit und Verrat empfunden.

Rückblickend war das der Knick in dieser Saison für Sie, denn auch Interimstrainer Steffen Menze setzte Sie nur auf die Bank. Hat Ihnen einer von beiden erklärt warum?

Nein.

Wie haben Sie die schwere Zeit überstanden und wie gehen Sie jetzt damit um, dass Sie zuletzt nicht einmal eingewechselt wurden?

Ich habe eine tolle Frau und tolle drei Kinder. Wenn ich nach Hause komme und sie sehe, sind all diese Sorgen und Gedanken vergessen. Das ist etwas Magisches. Ich weiß, dass ich Spiele gemacht habe, die nicht so gut waren wie vielleicht andere. Aber ich kann mir nicht vorwerfen, nicht alles gegeben oder nicht gekämpft zu haben.

Nach dem Spiel gegen den FSV wurden Sie von Tribünen-Zuschauern beleidigt, im Stadion gab es viele Pfiffe. Wie geht man damit um?

Pfiffe sind normal, das gibt es in Frankreich auch. Aber sie von diesem tollen Publikum zu hören, das uns und mich vorher gefeiert und unterstützt hat, tat weh.

Am 8. September haben Sie Ihre Torflaute im Benin beendet und für Ihr Land getroffen. Während Ihrer Abwesenheit wurde Olaf Janßen neuer Trainer, sie waren nicht da. Ein Nachteil?

Vielleicht. Aber der Trainer hat anschließend auch mit mir gesprochen und mir klar gemacht, dass ich alles geben muss, um mir meinen Platz im Team wieder zu erarbeiten. Dass ich kein Kapitän mehr bin, ist wirklich besser. Er hat mir damit Druck genommen, den ich verspürt habe. Nun konzentriere ich mich voll darauf, mir wieder einen Stammplatz zu erkämpfen. Ich arbeite schon seit einigen Jahren mit einem Mentaltrainer. Auch er wird mir helfen.

Ist es richtig, dass Sie erst seit vergangener Woche intensiv Deutsch lernen?

Nein. Ich habe schon vorher Unterricht genommen und kann auch sprechen. Natürlich noch nicht einwandfrei, aber ich habe auch schon Interviews auf Deutsch gegeben und ich verstehe sehr viel.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.09.2013

Tina Hofmann

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