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Dynamo Dresden: Trainer Peter Pacult schießt sich selbst ab

Dynamo Dresden: Trainer Peter Pacult schießt sich selbst ab

Peter Pacult hat viel riskiert - und verloren. Gleich fünf neue Gesichter baute der Wiener in die Startelf ein, doch der erhoffte Überraschungseffekt stellte sich nicht ein, das riskante Manöver entpuppte sich vor 24.144 Zuschauern als Schuss in den Ofen.

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Das war's: Peter Pacult mag nicht mehr hinsehen, was seine völlig verunsicherte Mannschaft auf dem Platz abliefert.

Quelle: M. Rietschel

Statt Wiedergutmachung für das 1:3 gegen Union Berlin leistete Dynamo Dresden beim 0:3 (0:1) gegen den FSV Frankfurt den Offenbarungseid.

Die SGD-Fans kannten wie schon gegen Union keine Gnade und pfiffen die Mannschaft bereits zur Pause hemmungslos aus. Bei der überraschenden Auswechslung Anthony Losillas - an diesem Tag noch einer der besseren Dynamo-Profis in einer ganz schwachen Dresdner Elf - machten sie in der 65. Minute deutlich, wem sie die Hauptschuld am Versagen der Truppe geben: "Pacult raus!", schallte es von den Rängen.

Die Vereinsführung beriet sich nach dem Spiel eingehend und reagierte Stunden später - um 18.49 Uhr kam die Pressemitteilung mit der allseits erwarteten Nachricht: Pacult ist beurlaubt. "Nach den beiden desaströsen Heimniederlagen gegen Union Berlin und den FSV Frankfurt innerhalb von nur neun Tagen war die Trennung von Peter Pacult für uns unvermeidlich", gab Geschäftsführer Christian Müller zu Protokoll. Sportchef Steffen Menze wird die Mannschaft als Interimstrainer betreuen, bis ein neuer Coach gefunden ist. Als Favorit für die Pacult-Nachfolge gilt Ex-Bundesliga-Profi Olaf Janßen (ehemals 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt), derzeit noch Co-Trainer bei Berti Vogts in Aserbaidshan.

Gesenkten Hauptes hatte Pacult beim Schlusspfiff sofort den Stadioninnenraum verlassen. Er konnte die Rufe nicht mehr ertragen. "Ein bescheidener Nachmittag", fasste er das Geschehen im Stadion zusammen. Er sei riesig enttäuscht. "Wir wollten nach dem Spiel am letzten Freitag hier zu Hause drei Punkte einfahren, aber das war aus vielen Gründen nicht möglich."

Nachfragen zu seinen Beweggründen für die überraschende Aufstellung wehrte er ab. Er wusste, was die Stunde geschlagen hatte. Dass er heute wieder auf dem Trainingsplatz stehen würde, glaubte er wohl selbst nicht mehr. Vielleicht ist es ihm auch ganz recht, wenn er nicht erscheinen muss. Die Art und Weise, wie er vor dem Spiel auf dem Bezahlsender Sky die Vereinsführung kritisierte, nährte zwangsläufig den Verdacht, er wolle seinen Rauswurf provozieren. Ohne Namen zu nennen, hatte Pacult die Vereinsbosse als "Amateure" und "Ahnungslose" tituliert und den Eindruck erweckt, als sei er der einzige Profi auf der Kommando-Ebene.

Mit seiner Aufstellung lag der 53-Jährige, der sich selbst großzügig 40 Jahre Erfahrung im Fußballgeschäft bescheinigte, aber gründlich daneben. Zwar begann er mit zwei Spitzen, doch statt Mickaël Poté stürmte Mohamed Amine Aoudia neben Zlatko Dedic. Doch nach wenigen Minuten war klar, dass der Algerier nicht fit ist. Läuferisch hatte er sein Pulver bald verschossen, in den Zweikämpfen stand er auf verlorenem Posten. Auf den Flügeln herrschte erneut tote Hose, Tobias Müller konnte seine Chance nicht nutzen. Adnan Mravac - für Sebastian Schuppan als Linksverteidiger aufgeboten - wirkte lustlos, verschleppte das Spiel, wo es nur ging.

Dynamo fand nie ins Spiel, es passte nichts zusammen. Die Truppe verlor schnell den Mut. Ein Kopfball von Losilla nach Flanke von Thorsten Schulz (vorbei/37.) war alles, was Dynamo in der ersten Halbzeit an Torgefahr zu bieten hatte. Frankfurt dagegen spielte munter drauf los, hatte reihenweise Chancen. Das 1:0 für die Gäste war überfällig: Mathew Leckie tankte sich durch und legte quer auf Edmond Kapllani, der völlig frei einschob (44.). Beim 0:2 legte ihm Mravac den Ball unfreiwillig auf (50.). Beim 0:3 traf Leckie erst die Latte, Kapllani staubte zu seinem ersten Zweitliga-Dreierpack ab (69.). Bei seiner Auswechslung wurde der Albaner, der am Mittwoch noch im Länderspieleinsatz gewesen war, von den Dresdner Fans gefeiert. "Ich war positiv überrascht", staunte der Matchwinner und wollte erst sogar zurückwinken, ließ es dann aber doch lieber bleiben. Er wollte nicht noch in der Wunde bohren, die die Heimfans schmerzte. Im K-Block hatten sie längst die Fahnen abge- hängt, jede Ballberührung der eigenen Mannschaft mit höhnischem Jubel begleitet. Das gab es bei Dynamo schon lange nicht mehr - ein Ende mit Schrecken für Pacults zweite Amtszeit in Dresden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.08.2013

Jochen Leimert

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