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Dynamo-Dresden-Geschäftsführer Müller: Neuer Trainer kommt wohl erst nach Ingolstadt-Spiel

Dynamo-Dresden-Geschäftsführer Müller: Neuer Trainer kommt wohl erst nach Ingolstadt-Spiel

Bei Dynamo Dresden Geschäftsführer zu sein, das war noch nie ein vergnügungsteuerpflichtiger Job. Auch in diesen Tagen plagen den aktuellen Amtsinhaber Christian Müller (49) große Sorgen.

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Christian Müller hat Sorgen: Dynamo ist Letzter, ein neuer Trainer ist noch nicht da, die Zuschauergunst bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Quelle: imago/R. Michael

Nach dem schlechtesten Saisonstart der letzten Jahre steht der achtfache DDR-Meister mit nur zwei Punkten und 4:10 Toren aus fünf Spielen ganz am Tabellenende der 2. Liga. Auch unter Interimstrainer Steffen Menze verlor Dynamo auf St. Pauli 1:2, der neue Coach wird aber wohl erst nächste Woche vorgestellt.

Frage: Dynamo ist Tabellenletzter. Können Sie noch ruhig schlafen?

Müller: Ja, weil ich glaube, dass das eine Momentaufnahme ist und wir die Chance haben, dies in den nächsten, keineswegs leichten Spielen wieder zu verändern. Gehen Sie davon aus, dass wir uns der prekären sportlichen Situation voll bewusst sind.

In Sachen Ergebnis hat der Trainerwechsel am Montagabend nichts gebracht. Wie bewerten Sie unabhängig davon die Leistung beim 1:2 in Hamburg?

Es war ein Fortschritt zu erkennen. Jetzt muss man natürlich gucken, was ist der Vergleichsmaßstab: die beiden grottigen Spiele zuvor oder die Partien gegen Köln und Bochum? Es ist wirklich sehr bitter gewesen, überhaupt nichts mitzunehmen. Daran habe ich noch zu kauen. Ich glaube nicht, dass St. Pauli den Sieg verdient hatte, aber wir haben es durch einige individuelle Fehler versemmelt. Jetzt müssen wir sehen, dass wir im nächsten Heimspiel vielleicht auch durch individuelle Geistesblitze und durch eine weitere Verbesserung im mannschaftlichen Gefüge sowie durch eine passende Spielidee den ersten Sieg landen.

Sportchef Steffen Menze sagt, er strebt eine möglichst schnelle Lösung der Trainerfrage an. Wie lange wird sich der Verein dafür noch Zeit nehmen?

Wir sagen: Der nächste Schuss muss sitzen! Das ist aber wie beim Biathlon: Schnelles Schießen bringt einen Vorteil, aber wenn man dadurch verreißt, ist es blöd. Insofern hat es einen gewissen Charme, den Trainerwechsel nach dem Ingolstadt-Spiel zu vollziehen, weil es dann eine zweiwöchige Vorbereitungsphase auf das nächste Punktspiel und dabei noch ein attraktives Testspiel im FDGB-Pokal gegen Mönchengladbach ins Haus steht. Wenn wir aber keinen geeigneten Kandidaten haben oder man sich nicht rechtzeitig auf einen verständigen kann, dann muss man halt mit allem rechnen. Grundsätzlich hoffe ich aber, dass wir Anfang nächster Woche Vollzug melden können.

Wie sind Sie denn mit der Vorauswahl der Kandidaten zufrieden - oder ist die noch nicht abgeschlossen?

Spannende Angelegenheit. Herr Menze hat eine lange Liste mit über 30 denkbaren Namen erstellt, die überall ja auch schon genannt worden ist. Ehemalige Dresdner Spieler sind darunter, derzeit arbeitslose Trainer und Überraschungskandidaten. Aus dieser langen Liste haben wir dann eine kurze gemacht, von der ich denke, die lässt sich sehen. Jetzt kommt das Feintuning.

Erste Gespräche hat es ja schon gegeben. Muss der neue Trainer mit der Vorgabe klarkommen, dass David Bergner Co-Trainer bleibt oder darf er einen neuen Assistenten mitbringen?

Darüber gibt es keine endgültige Entscheidung. Man muss bei einem Trainer immer das Paket sehen. Wenn ein Trainer sagt, ich komme nur gemeinsam mit meinem Assistenten, dann fließt das Gehalt des Co-Trainers in die wirtschaftliche Betrachtung mit ein. Es fließt aber auch mit ein, dass, wenn David Bergner Co-Trainer bliebe - wovon momentan gar keine Rede ist -, man dann ja auf der Position des A-Junioren-Trainers einen neuen Mann verpflichten müsste.

Steffen Menze hat mehrfach betont, dass er nicht dauerhaft als Trainer zur Verfügung steht. Ist eine interne Lösung mit ihm als Teamchef noch ein Thema?

Es wäre unsinnig, das auszuschließen.

Glauben Sie, dass es überhaupt möglich ist, in diesem turbulenten Verein einen Konsenskandidaten zu finden?

Wenn wir alle 14 000 Mitglieder einbeziehen, dann nicht.

Und in den Gremien, die darüber zu befinden haben?

Das ist ja die Frage, wer darüber zu befinden hat. Die Auswahl des Trainers ist Angelegenheit der Geschäftsführung und des Sportlichen Leiters. Wenn sie budgetäre Auswirkungen hat, dann muss der Vorschlag der Geschäftsführung die Genehmigung des Aufsichtsrates bekommen. Aber natürlich muss so eine essentielle Entscheidung von möglichst vielen mitgetragen werden.

Das Paket dürfte zustimmungspflichtig sein...

Das kann ich mir auch vorstellen.

Es soll vor der Relegation schon Gespräche mit Olaf Janßen gegeben haben, den Sie aus Köln kennen sollen. Ist er noch im Rennen?

Ja. Im Rennen sind noch fünf, sechs Trainer.

Wie reagieren denn die Sponsoren auf die Krise?

Wie alle, wie die Mannschaft, wie unsere Zuschauer im K-Block sind auch sie betrübt, dass unser Start so misslungen ist. Viele, mich eingeschlossen, hatten mehr erwartet. Aber das Schöne ist, dass uns die Sponsoren treu zur Seite stehen. Das zeichnet die Sponsorenlandschaft hier in Dresden aus, die eher mittelständisch geprägt ist. Wir haben viele kleinere Sponsoren, die hängen am Verein unabhängig vom aktuellen Geschehen. Sie wünschen sich genau wie wir die Trendwende. Es ist nicht so, dass wir unmittelbare Auswirkungen haben.

Ist es denkbar, noch einmal den einen oder anderen Geldgeber anzusprechen, wenn man für die Verpflichtung eines neuen Trainers externe Mittel braucht?

Fragen kostet nichts.

Aber es hat sich noch keiner bereit erklärt?

Wir haben ja eine andere Konstellation als weiter nordwestlich von hier. Einen Sugar Daddy haben wir hier nicht.

Mit Ralf Loose sind die Gespräche über eine Vertragsauflösung gescheitert. Glauben Sie, dass der Versuch, Peter Pacult darauf anzusprechen, aussichtsreich ist?

Das kommentiere ich nicht.

Pacult hat beklagt, er habe seit der Relegation keine echte Chance mehr gehabt. Hat er damit Recht?

Nein. Ich denke, das Verhältnis war natürlich angespannt und da hätte es einer Bewegung auf allen Seiten bedurft und natürlich auch einer sichtbaren Entwicklung auf dem Platz. Es war ja nicht so, dass der Trainer nach den Spielen gegen Köln oder in Bochum schon in der Kritik stand. Die Spiele, die danach völlig daneben gelaufen sind, haben die Unruhe hervorgerufen. Glauben Sie uns, wir waren in der Geschäftsstelle die Letzten, die sich das gewünscht haben. Ich schließe auch aus, dass sich die Aufsichtsräte das gewünscht haben.

Haben Sie Sorge, dass nach den zuletzt gezeigten Leistungen der Mannschaft die Fans weg bleiben?

Sie kommen nicht in den Massen, wie wir uns das gewünscht haben, wie es durch Erfolg ausgelöst wird. Wir hatten uns gegen Ajax, den HSV oder Hull City mehr Zuschauer erhofft. Insofern spüren wir schon eine Elastizität der Nachfrage. Es ist nicht mehr so, dass wir nur das Licht anmachen und es kommen 30 000. Ich hoffe, dass die Zuschauer erkennen, dass es gegen Ingolstadt auf sie ankommt und sich von der besonderen Spannung dieses Spiels anziehen lassen. Aus dem letzten Jahr ist da ja noch eine Scharte auszuwetzen.

Wie ist der Vorverkauf für Sonntag angelaufen?

Es sind noch Karten da. Wir hoffen noch auf ein Anziehen der Nachfrage.

Um das Gladbach-Spiel anzuheizen, könnte man dann immer noch den neuen Trainer präsentieren...

Genau, er ebenso wie ein gutes Spiel unserer Elf könnte das Interesse steigern. Er könnte auch mit der Mannschaft etwas ausprobieren. Aber wie bereits gesagt, erzwingen können wir die Neubestellung eines Trainers Anfang nächster Woche nicht.

Was erwarten Sie am Sonntag von der Mannschaft?

Eine gute Leistung, ein Zeichen der Wiedergutmachung vor unseren Heimfans.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.08.2013

Jochen Leimert

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