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Der 15-jährige Roven Vogel vom USV TU Dresden ist der erste Schach-Weltmeister, der aus Sachsen kommt

Schach Der 15-jährige Roven Vogel vom USV TU Dresden ist der erste Schach-Weltmeister, der aus Sachsen kommt

Als er am Montag wieder in der Schule erschien, war die Hölle los. "Wir begrüßen unseren Weltmeister!", las Roven Vogel in großen Lettern, als er das Nossener Gymnasium betrat. Seine Mitschüler warteten mit Kuchen und feierten den 15-Jährigen für einen Coup.

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Roven Vogel jubelt in Neos Marmaras über seinen Sieg bei der U16-Weltmeisterschaft im Schach.

Quelle: USV TU Dresden

Dresden. Als er am Montag wieder in der Schule erschien, war die Hölle los. "Wir begrüßen unseren Weltmeister!", las Roven Vogel in großen Lettern, als er das Nossener Gymnasium betrat. Seine Mitschüler warteten mit Kuchen und feierten den 15-Jährigen für einen Coup, der zuvor noch keinem Sachsen gelungen ist, denn Vogel darf sich seit vergangener Woche Weltmeister im Schach nennen. Er gewann den U16-Titel in Porto Carras auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki. Nach elf Runden setzte sich der Nossener, der seit einem Jahr für den USV TU Dresden spielt, mit 9 Punkten vor dem Italiener Luca Moroni und dem Armenier Haik M. Martirosjan (jeweils 8,5) durch und holte erstmals seit neun Jahren wieder einen WM-Titel nach Deutschland.

Sein Vater Dieter hat dem Sohnemann nach einem erfolgreichen Sommer einiges zugetraut, "denn Roven hat sich super gefühlt, sich spieltechnisch toll entwickelt und alle Bedingungen für den Erhalt des Titels Internationaler Meister erfüllt, den der Weltverband FIDE auf Lebenszeit verleiht". Doch dass es in Griechenland zu Gold reichen würde, damit hatte der Gymnasiast nicht gerechnet: "Ich war sehr überrascht, denn ich war nur an Nummer 10 gesetzt. Mein Start - anderthalb Punkte aus drei Partien - war auch nicht optimal. Da hatte ich mit dem Turnier schon fast abgeschlossen, dachte, hier wird nicht mehr viel passieren." Doch er irrte sich - und zwar gewaltig! Denn in den restlichen Begegnungen gab er nur noch einen halben Punkt gegen den Chinesen Nie Xinjang ab, gewann alle anderen Partien und hängte so die gesamte Konkurrenz ab.

Die nötige Lockerheit holte sich der junge Sachse beim Joggen: "Mein Freund Philipp Humburg, der mich vor Ort betreut hat, und ich sind nach dem ersten Tag jeden Morgen laufen gewesen. Dann ging es auch im Turnier besser." Den Wendepunkt markierte der Ruhetag: "Danach habe ich gegen den Kasachen Alisher Suleymenov gewonnen. Die Partie zog sich ewig. Am Anfang sah es eher nach remis aus, doch langsam gewann ich die Oberhand und nach fünfeinhalb Stunden harten Kampfes landete der Punkt schließlich doch auf meinem Konto. Damit kam ich weiter vor, das war der Knackpunkt", erinnert sich der neue Weltmeister. Zur Feier des Tages spendierte der Deutsche Schachbund eine Flasche Sekt. Ein Einkaufsgutschein ist noch unterwegs.

Doch was zählt, das ist natürlich der Titel, der erste für Deutschland seit Arik Brauns U18-Triumph 2006. Zudem gewann Roven 14 Elo-Punkte hinzu und kommt der 2500-er Marke näher, die Für den Großmeister-Titel notwendig sind. 69 Punkte fehlen jetzt noch.

Begonnen mit dem Spiel der Könige hat Vogel erst relativ spät, mit acht Jahren an der Grundschule in Nossen. Beim SV Siebenlehn 90 e.V. wurde er zunächst von Peter Kahn gefördert. "Er war mein erster Trainer und hat mich viele Jahre lang betreut. Er hat mir nicht das Spiel beigebracht, aber unter ihm habe ich den größten Fortschritt gemacht", betont Vogel. Bald merkte man aber auch im Landesverband, was der Junge drauf hat: "Seit er zwölf wurde, haben wir eine verschiedenste Fördermaßnahmen kombiniert. In Gruppen- und Einzeltraining haben acht Trainer mit Roven zusammengearbeitet. Das Einzeltraining hat Großmeister Henrik Teske übernommen", erzählt Frank Schulze, Leiter Leistungssport beim LV Sachsen. Teske, ein Schach-Profi aus Suhl, reiste wiederholt nach Sachsen, um das aufstrebende Talent zu trainieren. Zeitweise wohnte er sogar bei Vogels, holte den Sohn von der Schule ab und lehrte ihn mitunter gar kostenlos die hohe Kunst des Schachs. Auch der Landessportbund Sachsen half mit, Rovens Turnierteilnahmen und Trainingslager zu ermöglichen. Ein Aufwand, der sich jetzt auszahlt.

Als Vogel junior in Siebenlehn kaum noch einer schlagen und ihm die 1. Landesklasse keine starken Gegner mehr bieten konnte, wechselte er 2014 nach Dresden. Hier hat er beim USV TU Freunde und sich schnell integriert. Im letzten Jahr spielte er mit der 2. Mannschaft in der Oberliga, in dieser Saison sitzt er schon am Spitzenbrett und gehört auch zum erweiterten Kader des Bundesliga-Teams. "Er wird dort sicher bald sein Debüt geben", ist Abteilungsleiter Martin Gaitzsch überzeugt.

In der 1. Bundesliga kann sich Vogel also bald mit vielen Weltklasse-Spielern messen. Schach wird sein Leben weiter bestimmen. Für viele frühere Hobbies hat der Neuntklässler nun leider nur noch wenig Zeit: "Ich gehe gern laufen. Früher habe ich auch Basketball im Verein gespielt und in der Freizeit Fußball." Als nächster Höhepunkt ist am Jahresende die Teilnahme am Katar Open geplant, wo die Weltelite der Erwachsenen am Start ist. Dort ist die erste Großmeister-Norm das Ziel.

Jochen Leimert

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