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Wut und Enttäuschung nach NHL-Absage an Olympia

Olympia Wut und Enttäuschung nach NHL-Absage an Olympia

Die NHL steht nach der Entscheidung gegen eine erneute Teilnahme ihrer Spieler an Olympia vor einer Zerreißprobe. Viele Profis sind verärgert. Experten in Nordamerika sehen einen schweren taktischen Fehler. DEB-Boss Reindl sieht aber eine Chance für Deutschland 2018.

Olympische Winterspiele ohne Eishockey-Stars? Für viele NHL-Spieler ist es undenkbar nicht für ihr Land aufs Eis zu gehen. Foto: Larry W. Smith

New York. Die Wut der Eishockey-Stars ließ nicht lange auf sich warten. Die NHL hat mit ihrem Nein zu Olympia 2018 in Südkorea harsche Kritik und teils offene Anfeindungen aus der ganzen Welt geerntet.

"Das IOC bedauert die Athleten wirklich sehr", teilte das Internationale Olympische Komitee nach der umstrittenen Entscheidung der stärksten Eishockey-Liga der Welt mit.

Trotz erheblicher finanzieller Zusagen des Weltverbandes IIHF und des IOC hatte sich die nordamerikanische Profiliga nicht durchringen können, die kommende Saison erneut für die Winterspiele zu unterbrechen. Der Markt in Südkorea gilt als unattraktiv für die Liga, zudem fürchten die Teambesitzer finanzielle Einbußen durch eine mehrwöchige Pause. "Sie haben nur die Dollar-Zeichen gesehen", wetterte der kanadische Nationaltorhüter Carey Price von den Montreal Canadiens. "Man muss aber auch die menschliche Seite beachten", sagte der Olympiasieger von 2014 weiter.

Durch die am 3. April von der NHL als "endgültig" verkündete Entscheidung verlieren die Winterspiele ihre größte Attraktion. Fans und Profis fühlen sich als Leidtragende. "Das muss eine riesige Enttäuschung für die Spieler sein, die definitiv an den Olympischen Spielen in Pyeongchang 2018 teilnehmen wollten", hieß es beim IOC, das damit offensichtlich richtig lag.

In ersten Stellungnahmen demonstrierten vor allem die Top-Stars, dass eine Olympia-Teilnahme auch für die NHL-Millionäre mit das größte Erlebnis einer Spielerkarriere ist. "Das ist vor allem für all die Spieler enttäuschend, die nicht Teil des größten Abenteuers im Sport sein können", twitterte Torhüter Henrik Lundqvist von den New York Rangers, der 2006 mit Schweden Olympiasieger geworden war. Price sagte, vielen jungen Spielern bliebe jetzt nur eine WM-Teilnahme, um das eigene Land zu repräsentieren: "Aber das ist nicht dasselbe. Wir reden über Olympia. Niemand kann Olympia ersetzen."

Verteidiger Marc-Édouard Vlasic‏ von den San José Sharks, der 2014 mit Kanada noch olympisches Gold gewonnen hatte, twitterte kurz nach NHL-Entscheidung das Olympia-Logo von Pyeonchang 2018.

Die Top-Spieler stellten sich damit deutlich mutiger gegen die Liga und ihre Teambesitzer als die deutschen NHL-Profis, die sich auf Anfrage nicht äußern wollten. Auch für das deutsche Eishockey ist die Entscheidung eine herbe Enttäuschung. Im vergangenen Jahr hatten vor allen die Profis aus Übersee für das Olympia-Comeback gesorgt. Stanley-Cup-Sieger Tom Kühnhackl von den Pittsburgh Penguins hatte in der Qualifikation gegen Lettland das entscheidende Tor zur ersten Olympia-Teilnahme seit 2010 geschossen.

Im nächsten Jahr muss die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes nun aber auf Kühnhackl, Leon Draisaitl und Co. verzichten. DEB-Präsident Franz Reindl sieht aber genau darin auch eine sportliche Chance. "Das eröffnet natürlich auch Möglichkeiten für die Nationen mit weniger NHL-Spielern. Diese Nationen werden näher zusammen rücken. Und wenn hundert NHL-Spieler fehlen, ist der Rest sportlich ausgeglichener", sagte Reindl der Deutschen Presse-Agentur. Reindl, der auch im Exekutiv-Komitee des Weltverbandes IIHF sitzt, bezeichnete die Entscheidung als "am Ende doch überraschend".

Auch Experten in Nordamerika werteten die Entscheidung als schweren taktischen Fehler der NHL und deren Obmann Gary Bettman. "Beruhigend, dass die NHL und Gary Bettman immer im Interesse des Spiels handeln", twitterte der prominente Spieler-Agent Allan Walsh ironisch.

"Eine riesige Möglichkeit, das Spiel auf dem höchsten Level zu verankern, wurde einfach weggeworfen", twitterte Rangers-Keeper Lundqvist, und der ehemalige NHL-Spieler Brandon Prust von den Nürnberg Ice Tigers wetterte direkt gegen Bettman: "Ein Weg, den Eishockey-Sport immer mehr zu ruinieren, Gary."

Beobachter befürchten den Abgang etlicher russischer Stars in die osteuropäische KHL. Der beste russische Profi Alexander Owetschkin von den Washington Capitals hatte stets betont, auf jeden Fall in Südkorea für sein Land zu spielen. Aufgrund der Verdienste seiner besten Spieler hatte Capitals-Besitzer Ted Leonsis seinen Stars eine Olympia-Teilnahme auch während der laufenden Saison zugesagt: "Wenn Alex Owetschkin, Braden Holtby und Nick Bäckström uns sagen, dass sie für ihr Land spielen wollen - wie könnte ich da 'Nein' sagen?"

Eine Rückkehr zu Olympia 2022 in Peking, das für die NHL deutlich interessanter ist, erscheint aktuell mehr als fraglich. "Wenn sie nicht nach Korea gehen, wird es sehr schwer für sie, nach Peking zu kommen", hatte IIHF-Präsident René Fasel bereits gemahnt.

dpa

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