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Erster Sotschi-Olympiasieger verliert Gold

Sportpolitik Erster Sotschi-Olympiasieger verliert Gold

100 Tage vor den nächsten Spielen in Pyeongchang sperrt das IOC den russischen Sotschi-Olympiasieger Legkow und Teamkollege Below. Offen bleibt, was das für Russlands Teilnahme an Olympia 2018 bedeutet. Nun werden wieder Gerichte bemüht.

Wurde wegen Dopings lebenlang gesperrt: Alexander Legkow.

Quelle: Tobias Hase

Lausanne. Das Staatsdoping in Russland hat den ersten Sotschi-Olympiasieger die Goldmedaille gekostet.

100 Tage vor den nächsten Winterspielen hat das Internationale Olympische Komitee den russischen Skilanglauf-Sieger Alexander Legkow und seinen Teamkollegen Jewgeni Below lebenslang für seine Wettbewerbe gesperrt. Das teilte das IOC am Mittwoch mit. Die bei den Winterspielen vor fast vier Jahren in Russland gewonnenen Medaillen wurden Legkow aberkannt. Er hatte die 50 Kilometer gewonnen und war mit der Staffel Zweiter geworden.

Das IOC regierte damit auf die "forensischen und analytischen Dopinguntersuchungen" der Oswald-Kommission. Die Experten unter dem Vorsitz des Schweizers Denis Oswald hatten die 28 offenen Fälle untersucht und Athleten angehört, die im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Staatsdoping-Affäre auch während der Winterspiele 2014 in Sotschi gebracht wurden.

Die Sperren könnten ein Fingerzeig darauf sein, wie das IOC Anfang Dezember entscheiden wird, wenn es über die Teilnahme Russlands in Südkorea verhandelt. Bis dahin sollen die Ergebnisse einer vom Schweizer Samuel Schmid eingesetzten Untersuchungs-Kommission vorliegen. Russlands Sportminister Pawel Kolobkow sagte der Agentur Tass, die Sperre dürfe nicht zu einem negativen Präzedenzfall werden, der die Aussichten der russischen Athleten bei den Winterspielen in Südkorea beeinflusse. Er sicherte den beiden Sportlern seine Unterstützung zu.

"Die Athleten werden spätestens morgen beim Court of Arbitration for Sport Berufung einlegen", kündigte Legkows und Belows deutscher Anwalt Christof Wieschemann umgehend den Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne an. Der deutsche Jurist nannte das Urteil "skandalös". "Mit der Entscheidung geht das IOC ohne weitere Ermittlungen und ohne weitere Beweise weit über die Angaben des McLaren-Reports hinaus und stellt sich gegen die bereits vorliegenden Entscheidung des CAS/TAS in gleicher Sache", erklärte Wieschemann in einer Mitteilung.

Sobald alle Dokumente über die IOC-Entscheidung vorlägen, gebe es dafür eine 21-tägige Frist, sagte Russlands Verbandspräsidentin Jelena Wjalbe der Agentur R-Sport. "Wir sind alle schockiert über die Nachricht." Legkow selbst hatte nach der Anhörung am Montag vor der IOC-Disziplinar-Kommission der Agentur R-Sport gesagt: "Wenn es nötig sein wird, werde ich mein ganzes Leben lang beweisen, dass ich unschuldig bin."

Wieschemann drohte sogar weitreichende Konsequenzen für die Spiele in Südkorea an. "Sollte sich das Verfahren über den Zeitpunkt des Beginns der Olympischen Spiele 2018 verzögern und eine Verschiebung der Wettbewerbe durch einstweilige Verfügung nicht möglich sein, werden die Ergebnisse möglicherweise nachträglich annulliert werden müssen", heißt es in seiner Erklärung.

"Eine Sperre für die regulären Wettbewerbe der FIS ist damit nicht verbunden", stellte der Anwalt fest - allerdings sind die beiden Langläufer seit dem 22. Dezember 2016 auch vom Skiweltverband vorläufig gesperrt. Die FIS hatte die Suspendierung ausgesprochen, nachdem das IOC nach Erkenntnissen aus dem McLaren-Report ein Disziplinarverfahren gegen die 28 verdächtigen russischen Teilnehmer der Olympischen Winterspiele in Sotschi eingeleitet hatte.

Legkow und Below standen schon seit geraumer Zeit mit anderen vier Langläufern im Verdacht, vom russischen Staatsdoping profitiert zu haben. Ihre Urinproben könnten im Kontrolllabor manipuliert worden sein, hatte ein Bericht des Ermittlers Richard McLaren im Auftrag der Welt-Antidoping-Agentur WADA ergeben. Deshalb hatte das IOC im vergangenen Dezember Ermittlungen gegen die insgesamt sechs Langläufer begonnen. Neben Legkow und Below sind das auch die von der FIS im vergangenen Dezember ebenfalls suspendierten Maxim Wylegschanin (dreimal Sotschi-Silber), Alexej Petuchow, Julia Iwanowa und Jewgenija Schapowalowa.

Die sogenannte Oswald-Kommission des IOC versucht mit kriminaltechnischen Methoden zu klären, auf welche Art und Weise russische Sportler bei den Winterspielen 2014 in Sotschi betrogen haben könnten. Bis Ende November sollen alle Fälle abgearbeitet sein. In Sotschi hatten die Russen die Nationenwertung gewonnen: 13 goldene, 11 silberne und 9 bronzene Medaillen gab es. Es gibt Forderungen an das IOC, das russische Team komplett von den Spielen vom 9. bis 25. Februar in Südkorea auszuschließen.

Das IOC muss sich mit russischem Doping in großem Stil beschäftigen, seit der kanadische Rechtsprofessor Richard McLaren 2016 zwei Berichte im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) vorgelegt hatte. Das IOC hatte als Reaktion auf den zweiten Report, der von systematischem und staatlich gebilligtem Doping berichtete, beschlossen, die Urinproben aller russischer Athleten in Sotschi erneut zu analysieren.

dpa

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