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Der vergessene Martin Heuberger

Handball Der vergessene Martin Heuberger

Drei Jahre war Martin Heuberger Handball-Bundestrainer. Wenn etwas von ihm in Erinnerung bleibt, dann seine Misserfolge. Dabei hat der Diplom-Verwaltungswirt großen Anteil am Aufschwung der DHB-Auswahl.

Martin Heuberger war der Vorgänger von Bundestrainer Dagur Sigurdsson.

Quelle: Uwe Zucchi

Rouen. Über Martin Heuberger redet kaum noch jemand. Dabei ist es erst zweieinhalb Jahre her, dass seine Zeit als Handball-Bundestrainer zu Ende ging.

In diesen zweieinhalb Jahren hat er sich vom Handball aber auch ziemlich weit entfernt. Wenn die DHB-Auswahl gegen Ungarn in die WM in Frankreich startet, wird Heuberger wenige Stunden zuvor sein Büro im Landratsamt im Ortenaukreis verlassen haben.

"Als die Tür beim DHB zu gegangen ist, ging eine andere Tür beim Landratsamt auf", sagt Heuberger der Deutschen Presse-Agentur. Dabei ist sein heutiger Fachbereich kaum zu unterscheiden von seinem damaligen Job als Handball-Trainer: der 52-Jährige arbeitet in der Personalentwicklung. Dass genau diese ihm nach den verpassten Qualifikationen für die Olympischen Spiele 2012, die Europameisterschaft 2014 und die Weltmeisterschaft 2015 vom DHB nicht mehr zugetraut worden war, hatte sein Ende besiegelt.

"Insgesamt hat es halt nicht ganz gereicht für mich", sagt Heuberger heute. Drei Jahre war er Bundestrainer, fast niemand will sich noch an diese drei sportlich ernüchternden Jahre erinnern. Das liegt auch an seinem Nachfolger Dagur Sigurdsson, der den deutschen Handball mit dem sensationellen Gewinn der EM 2016 aus der Versenkung zurück in die Weltspitze geführt hat. Wer behält schon gerne die bitteren Niederlagen im Kopf, wenn der Erfolg so aktuell ist.

"Der Dagur hat dann letztlich noch das letzte Etwas an Entwicklung aus dem Team herausgekitzelt", sagt Heuberger. Nach der anschließenden Olympia-Bronzemedaille im Sommer zählt Deutschland somit nun zu den großen Favoriten auf dem WM-Titel in Frankreich. Mit Sigurdssons Erfolgen ist aber nicht nur Heuberger selbst in Vergessenheit geraten. Auch sein Anteil am Erfolg findet heute kaum noch Erwähnung.

Mit seiner fast zehnjährigen Arbeit als verantwortlicher Junioren-Nationaltrainer von 2002 bis 2011 ebnete er dem Isländer den Weg zu der breiten Auswahl an Talenten, aus der er heute wählen kann. Weltklasse-Torhüter Andreas Wolff, Abwehrchef Finn Lemke, Julius Kühn, Kreisläufer Patrick Wiencek und viele weitere: fast alle der aktuellen Nationalspieler hat Heuberger in irgendeiner Form mal trainiert.

"Ich bin schon stolz darauf, dass ich daran ein bisschen beteiligt bin. Gerade Patrick Wiencek und Kai Häfner haben eine unglaubliche Entwicklung genommen", sagt er. Vor allem auf Häfner lastet bei dieser WM eine große Verantwortung. Er ist der einzige Linkshänder im von Sigurdsson für das Turnier nominierten Rückraum. Die Mannschaft hält Heuberger für so gefestigt, dass sie auch in Frankreich den Titel holen kann.

Ob er selbst jemals zum DHB zurückkehren wird, weiß er nicht. Obwohl Verantwortliche wie Ex-Präsident Bernhard Bauer nach seinem Abschied öffentlich die Hoffnung geäußert hatten, "Martin Heuberger mit seinem Wissen und seinen Fähigkeiten weiter an den DHB binden zu können", hat er bis heute nichts gehört. "Es war schön, das Hobby zum Beruf zu haben. Aber jetzt bin ich auch sehr zufrieden", sagt der Diplom-Verwaltungswirt.

dpa

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