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Drewag steht in den Startlöchern für Mobilitätswende

Schnell-Ladesäulen in Dresden Drewag steht in den Startlöchern für Mobilitätswende

Der Dresdner Energieversorger Drewag nimmt Anlauf für die Mobilitätswende in Sachsens Landeshauptstadt. Noch sind zu wenig Elektroautos auf dem Markt, um Entscheidungen für Ladesäulen und Bezahlsysteme zu treffen, aber fest steht schon, dass bis 2020 eine halbe Million Euro in Schnell-Ladesäulen investiert werden sollen.

An 16 Ladesäulen der Drewag können Elektroauto-Fahrer inzwischen Strom tanken.

Quelle: Drewag/Archiv

Dresden. Oberbürgermeister Dirk Hilbert will Dresden zur Modellstadt für Elektromobilität machen. Den Weg dahin bestimmt auch der Energieversorger Drewag mit. Als Experte für Energiethemen und als Infrastrukturdienstleister ist er bei allen Entscheidungen mit im Boot. Ähnlich wie im Rathaus sieht man auch hier mit Blick auf die noch immer verschwindend geringe Anzahl von angemeldeten Elektroautos – aktuell sind es in Dresden knapp 250, in ganz Sachsen rund 1000 – offenbar wenig Grund zur Hektik.

Drewag orientiert Ausbau am Bedarf

Auf die Frage, welche Art von Ladesäulen das städtische Unternehmen künftig betreiben wird und wie der dort gezapfte Strom bezahlt werden soll, antwortet Frank Wustmann, Abteilungsleiter Unternehmensentwicklung bei der Drewag: „Den Ausbau von Ladeinfrastruktur gestalten wir unter Berücksichtigung des tatsächlichen Bedarfs – und der wird durch den nur schwer zu prognostizierenden Markthochlauf für Elektrofahrzeuge bestimmt. Zu stark in Vorleistung zu gehen, birgt hohe finanzielle Risiken, die wir als städtisches Unternehmen letztlich gegenüber allen Dresdner Bürgern verantworten müssen“.

Bundesprogramm fördert Lade-Infrastruktur

Seit März 2017 können private Investoren und Kommunen Fördergelder aus dem Bundesprogramm Lade-Infrastruktur abrufen – was gegenwärtig zu einem Boom an Entwicklungen führt. Weil sich also die Technologie gerade mit Wucht weiterentwickelt, wartet die Drewag mit der Festlegung auf einen Hersteller. „Dennoch streben wir möglichst langfristige Beziehungen zu den Herstellern an, damit diese Betreiber- und Kundenanforderungen schneller und besser begegnen können“, kündigt Wustmann an. Über mehrjährige Rahmenverträge mit den Herstellern gewährleiste die Drewag dann den Betrieb der Anlagen.

Großes Thema: Schnell-Lader

Fest stehe bereits, dass der Energieversorger in den nächsten drei Jahren die bestehende Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum technisch aufrüsten und neue Standorte erschließen werde. Dafür will er allein für Schnelllader eine halbe Million Euro bis 2020 in die Hand nehmen. Das Thema Schnell-Lader ist eins, das gegenwärtig vor allem die großen Autobauer in seltener Einigkeit vorantreiben. Daimler, BMW, VW und Ford wollen europaweit Säulen aufstellen, an denen Kunden ihre Stromer in zehn bis 15 Minuten aufladen können. Die Zeitersparnis soll Geld kosten – auch die Drewag erwägt, die teuren Säulen über höhere Preise zu refinanzieren. Allerdings: Drewag-Schnell-Lader haben eine Leistung ab 50 kW aufwärts. Zum Vergleich: Die Schnell-Ladesäulen der Autobauer sollen in der Extremvariante mit bis zu 350 kW aufwarten. Autos, die solch ein Ladepotenzial haben, sind allerdings rar wie der israelische Scheibenzüngler.

Kosten an der Ladesäule so günstig wie zu Hause

In Dresden betreibt der Energieversorger bereits 16 öffentlich zugängliche Ladesäulen. Die werden ausschließlich mit Ökostrom beliefert, weshalb sich die Tarife am Arbeitspreis für Ökostrom orientieren. Damit, so Frank Wustmann, tanke der Nutzer unterwegs genauso günstig wie zu Hause. Bezahlt wird mit dem ad-hoc-System „StromTicket“ via Smartphone. „Die Marktdurchdringung dieser Technologie ist hoch, und sie ermöglicht eine zeit- und ortsunabhängige Registrierung. Zeitbasierte Tarife berücksichtigen auch den Wert des Stellplatzes und verhindern eine längere Blockade der Ladepunkte. Vor allem bei Schnell-Ladesystemen ist das sinnvoll“, erklärt Wustmann. Klar sei aber, dass die Abrechnung künftig automatisiert stattfinden müsse. Die Drewag will sich dazu gern an einer bundesweiten oder europäischen Lösung beteiligen, doch noch seien bestehende eRoaming-Systeme unausgereift und teuer. „Wir beobachten den sich noch entwickelnden Markt und entscheiden uns dann für die beste Lösung aus Kunden- und Betreibersicht“, so Wustmann.

Zukunft soll automatisierte Lösungen bringen

Die Zukunft stellt man sich bei der Drewag so vor: Ein Nutzer platziert an der Stromtanke nur noch den (hoffentlich universellen) Ladestecker, dann läuft alles weitgehend automatisiert. Aufwendige Authentifizierungsverfahren sollen entfallen und der Strom über einen zuvor festgelegten Zahlungsweg automatisch abgerechnet werden.

Wer jetzt als Drewag-Kunde in einer anderen Stadt unterwegs ist, muss sich aber noch entweder vorab im System des jeweiligen Betreibers registrieren oder auf ein ad-hoc-Angebot hoffen.

Die Drewag wird langfristig nicht nur als Betreiber, sondern auch als Dienstleister gefordert sein, weil sie zum Beispiel im halböffentlichen Raum wie auf Supermarkt- oder Restaurantparkplätzen Ladepunkte in Kooperation mit Dritten errichtet und so die Kosten auf mehrere Schultern verteilt.

Supermärkte locken schon Kunden mit Strom

Allerdings sind viele private Investoren durchaus schon den berühmten Schritt weiter und haben – wie Aldi Süd in inzwischen 50 Filialen - damit begonnen, E-Tankstellen auf ihren Firmengeländen zu errichten, die aus Photovoltaikanlagen gespeist werden. Dort ist der Strom in der Regel kostenlos, weil die Anbieter darauf setzen, dass elektrisch angereiste Kunden mehr Zeit in den Supermärkten verbringen, da die Stromer Zeit zum Zapfen brauchen. Auch Lidl und Ikea gehen diesen Weg bereits.

Von Barbara Stock

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