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Dresden auf dem Weg zur Smart City

Vielzahl von Zukunftsprojekten Dresden auf dem Weg zur Smart City

Smart City – das ist inzwischen mehr als Imagewerbung. Mobile Anwendungen und Sensoren sollen es künftig möglich machen, dass sich Menschen durch eine hypervernetzte Stadt bewegen, indem sie über ihre Autos, über Technik in Kleidung und Brillen, über Telefone etc Daten aufsaugen und abgeben. Dresden will den Zug nicht verpassen.

Mobile Kommunikation vernetzt künftig alles und jedes. Datenströme quer durch die Stadt sollen das Leben im Dresden von übermorgen leichter machen.

Quelle: Schulter/Eylert

Dresden. Dresden sieht sich auf dem Weg zur Smart City. Viele auch deutsche Städte nennen sich schon so, wenngleich das Label recht verschiedene Vorstellungen etikettiert. Allgemein versteht man unter Smart City ein intelligentes, vernetztes und nachhaltiges Städtekonzept, das Zeit, Kosten und Energie spart. Dazu kann ein fein justiertes Verkehrssystem gehören, aber auch kostenfreies WLAN sowie eine zentral gesteuerte Energie- oder Wasserversorgung. Auch eine möglichst gescheite und ausdifferenzierte Vernetzung öffentlicher Daten spielt eine große Rolle. In Europa gelten beispielsweise Barcelona, Stockholm oder Amsterdam als Vorreiter in Sachen Smart City.

Robert Franke

Robert Franke

Quelle: Heiko Weckbrodt

Sachsens Landeshauptstadt will sich in diesen Kreis hocharbeiten. Wobei „hocharbeiten“ eher das falsche Wort ist. Meint zumindest Dresdens oberster Wirtschaftsförderer Robert Franke (40). Denn die sächsische Landeshauptstadt hat schon enorm viel zu bieten. „Wir haben bestenfalls ein Sichtbarkeitsproblem“, umschreibt es der Mann, der Dresden in Sachen „Internet der Dinge“ (englisch: IoT, Internet of things) zum Magneten für die internationale Gründerszene machen will und glaubt, dass das mit der Konzentration auf wesentliche Kompetenzen zu schaffen ist.

Warum? Die Standortdaten – abseits von Kultur und romantischem Elbtal – sind beeindruckend. Zum Dresdner Mikroelektronik-Cluster zählen 1500 Unternehmen mit 48 000 Mitarbeitern, hier forschen 19 Institute an neuen Werkstoffen, 100 Unternehmen und 49 Forschungseinrichtungen widmen sich der Nanotechnologie, es gibt einen wichtigen Industriecluster zur Entwicklung von Brennstoffzellen, Dresden hat mit zehn Fraunhofer-Einrichtungen fast so viele, wie München (3), Berlin (4) und Stuttgart (5) zusammen. Dazu gesellen sich im Umfeld einer starken Technischen Universität – eine von elf deutschen Exzellenzuniversitäten – auch die anderen großen Forschungsorganisationen Leibnitz, Max Planck und Helmholtz.

Das ist – um mit Franke zu sprechen – der ergiebige Unterbau für eine zukunftsfähige Stadt. Dazu kommen Großkonzerne, die – wie in Dresden vor allem Volkswagen, aber auch Siemens oder zum Beispiel der Wohnungsbaukonzern Vonovia – ihr Geschäftsfeld gerade umbauen und an neuen Entwicklungen ebenso interessiert sind. Das alles, vernetzt mit einer gut aufgestellten Verwaltung und aufgeklärten Bürgern, die das Konzept mittragen, sollte funktionieren, um die Elbestadt in die Top-Liga der europäischen Zukunftsstädte zu schießen. Dann hofft Franke, werden „IoT-Anwender weltweit nicht mehr an Dresden vorbeikommen“. Ein großer Schritt dahin ist der „Smart Systems Hub“, der – getragen durch das Engagement des Landes, von Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen sowie der Landeshauptstadt – die gesamte Forschungs- und Hochtechnologieszene in Dresden bündeln soll. Und außerdem gibt es den Business Inkubator von VW, der Start-ups nach Dresden lockt, um direkt in der Gläsernen Manufaktur an neuen Lösungen für die Mobilitätswende zu forschen.

„Wir haben uns neben München und Hamburg auch in Brüssel um Fördergelder beworben“, sagt der Wirtschaftsförderer und erwartet schon im Sommer einen positiven Bescheid. „Die thematische Stärke haben wir, nur muss sich das auch im Image spiegeln. Das ist ambitioniert, aber ich halte es für aussichtsreich“.

Robert Franke hat allein beim Blick auf Dresdens Möglichkeiten für Mobilitätslösungen ein gutes Gefühl. Die Verkehrsdatenbank Vamos zum Beispiel, die seit 2003 Daten sammelt und an Verkehrsleitsysteme weiterreicht, ist ein riesiges Pfund, mit dem sich wuchern lässt. Genau das, was heute App-Anbieter brauchen, um Nutzer sinnvoll durch Städte navigieren zu können. Und erweiterbar um intelligente Bezahlsysteme fürs Parken oder Stromtanken.

Stichwort VAMOS

Das operative Verkehrsmanagementsystem VAMOS (Verkehrs-Analyse-, Management- und Optimierungs-System) wird schrittweise seit 2003 – auch mit Landesmitteln – als Verkehrsmanagementsystem für die Landeshauptstadt aufgebaut. Es vernetzt Verkehrsdetektoren und verschiedene Verkehrssteuerungs- und –leitsysteme des städtischen Straßennetzes sowie der Autobahnen. Kern ist die Verkehrsdatenzentrale von Dresden, die an der TU Dresden stationiert ist. Auf der Grundlage der ermittelten Verkehrslage lenkt das System VAMOS einerseits verschiedene Verkehrssteuerungssysteme vollautomatisch und stellt außerdem als Content-Provider Informationen für Informations- und Service-Dienste zur Verfügung. Jüngster Nutzer ist Volkswagen, das gemeinsam mit der Stadt am 15. Mai die neue Verkehrs-App Uma an den Start bringt. Sie soll das schnelle Umfahren von Staus ermöglichen wie auch freie Parkplätze anzeigen oder die nächste E-Ladesäule.

„In der Stadtverwaltung etabliert sich gerade eine ,Projektgruppe E-Mobilität’“, erklärt Franke. „Straßen- und Tiefbauamt, Klimaschutz-Stab, Stadtplanungsamt, Fuhrpark und Wirtschaftsförderung werden sich gemeinsam mit Drewag und sicher auch Vertretern des Freistaats darum kümmern, den Fokus auf die Bereiche zu lenken, in denen wir gut vorankommen und über Pilotanlagen unsere Vorhaben für alle transparent zu machen“. Einen wesentlichen Baustein sieht er in der Stadt mit dem großen Player Volkswagen in der Elektromobilität. „Das ist eine Riesenspielwiese“. Er ist sehr dafür, dass zügig die nötige Infrastruktur dafür geschaffen wird – vor allem Stromtankstellen und Schnittstellen für den Übergang zwischen Auto, Öffentlichem Nahverkehr und Fahrrad. Ohne eine solche Struktur werde der Verkauf von Elektroautos nicht nennenswert anrollen. Und was sich eine Stadt auf dem Weg ins Übermorgen nicht leisten kann, ist ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Stichwort Smart City

Eine Definition für den Begriff „Smart City“ gibt es nicht. Unter dem Label bündeln sich ganz verschiedene Vorstellungen und Interessen. Firmen sehen in Zukunftstechnologien erhebliche Wachstumschancen, welche Kommunen vor allem dann unterstützen, wenn Wertschöpfung vor Ort winkt. Allerdings wehren sich Städte zunehmend dagegen, allein als Marktplatz der Technologieanwendung zu dienen. Sie wollen mitgestalten, den Datentransfer transparent und vor allem offen halten. Als technologisches Innovationsfeld kann eine Smart City natürlich trotzdem städtische Prozesse nach vorn bringen, kann Energie- und Ressourcenprobleme dämpfen und damit der Umwelt nutzen. Mit dem Mobilitätswandel sind auch ganz neue Dienstleistungen verbunden, die das Versprechen von mehr Lebensqualität und damit vom gesellschaftlichen Wandel bergen. Vorhandene Datenpools der Städte lassen sich heute dank Smartphones und deren Apps ebenso wie Infrastrukturen in einer Art und Weise miteinander vernetzen, wie es vor kurzem undenkbar erschien.

Von Barbara Stock

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