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Wie der Kulturpalast doch noch pünktlich fertig wird

Ein Vierteljahr Rückstand aufgeholt Wie der Kulturpalast doch noch pünktlich fertig wird

Es gleicht einem Wunder: Der Kulturpalast kann doch noch pünktlich eingeweiht werden. Zu verdanken ist das dem glücklichen Umstand, dass Projektleiter André Reuter nach Abschluss des Kraftwerks Mitte im November 2016 nicht sofort in den Urlaub gefahren ist.

Bauen bis zur letzten Minute: Andrè Reuter im Kulturpalast.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Eigentlich, sagt Andrè Reuter, wollte er Urlaub machen. Der selbstständige Projektleiter hatte für den Baukonzern Züblin den Bau des Kraftwerks Mitte mehr als drei Jahre lang bis zur Übergabe begleitet. Der Neubau mit Spielstätten für zwei Theater konnte pünktlich im September 2016 an seine Nutzer übergeben werden. „Und ich hatte mir eine Pause verdient“, so der Bauingenieur.

Doch dann klingelte das Telefon. Axel Walther, Geschäftsführer der Kommunale Immobilien Dresden GmbH & Co KG (KID), war am anderen Ende. Die KID hatte das Kraftwerk Mitte als Bauherr errichtet, die KID ist auch für den Umbau des Kulturpalastes zuständig. „Herr Walther fragte an, ob ich die Projektleitung für den Kulturpalast übernehmen könnte“, erinnert sich Reuter.

Es wird eine Punktlandung. Aber der Kulturpalast wird pünktlich eröffnet: Kurz zuvor durfte unser Fotograf noch einmal durch das Gebäude streifen.

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Im Herbst 2016, ein halbes Jahr vor der geplanten Fertigstellung, war die Baustelle im Herzen der Stadt in eine Sackgasse geraten. Die geplanten Baukosten stiegen und stiegen, die Bauarbeiten kamen nicht voran, der Eröffnungstermin 28. April wackelte nicht nur. Er war eigentlich nicht mehr zu halten.

Im Januar hat die Aufholjagd begonnen

Die letzte Hoffnung der Stadt: Der Mann, der für den erfolgreichen Abschluss des einen Kulturgroßprojektes gesorgt hatte, sollte auch die Verantwortung für die andere Großbaustelle übernehmen. Der Plan ist aufgegangen: Der Kulturpalast wird am Freitag mit einem Festakt eingeweiht. „Wir haben Arbeiten für ein halbes Jahr in einem Vierteljahr bewältigt“, sagt Reuter, der sich selbst als „ehrgeizig“ und „ungeduldig“ bezeichnet. „Ich lasse so lange keine Ruhe, bis ich das Gefühl habe, dass es läuft“, meint er. Die Willensstärke habe er wohl von seiner Großmutter geerbt.

Eine Eigenschaft, die die Verantwortlichen bei der KID und der Stadtverwaltung zu schätzen wissen. Auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) weiß, was er Reuter zu verdanken hat, auch wenn der bescheiden abwinkt: „Ich bin nicht allein auf der Baustelle, ich mache nicht die Arbeiten.“

Das nicht. Aber Reuter hat als Außenstehender die Probleme erkannt und an den richtigen Schrauben gedreht. Als er im November 2016 auf die Baustelle gekommen sei und sich einen Überblick verschafft habe, seien ihm mehrere Problemstellen aufgefallen: „Es gab keine aktuellen Bauablaufpläne, es waren viel zu wenig Leute auf der Baustelle, die Bauleitung war nicht optimal strukturiert.“

Mit Reuter, Bauleiter Dietmar Fechner und Polier Peter Zöphel von Züblin kamen drei neue Mitarbeiter in die Bauleitung, die Kommunikation wurde grundlegend geändert: „Wir haben überflüssige Beratungen abgeschafft und eine 8-Uhr-Runde eingeführt, auf der wir den Schlachtplan für den Tag festgelegt haben.“ Durch das Architekturbüro Hahn & Kollegen GmbH aus Dresden wurde ein Terminplan aufgestellt, damit Terminverzüge rechtzeitig bemerkt und korrigiert werden konnten. „Die Baufirmen haben ihre Mannschaften verstärkt. Im Januar konnte die Aufholjagd beginnen“, erinnert sich der Manager.

Das Klima auf der Baustelle habe sich geändert, so Reuter, es sei ein Gemeinschaftsgefühl gewachsen. „Bauleute und Handwerker dürfen nicht den Eindruck gewinnen, dass sich niemand um ihre Probleme kümmert.“ Vor den beteiligten Unternehmen hat der Projektleiter höchsten Respekt. „Viele leisten deutlich mehr, als vertraglich festgelegt ist.“ Die Dresdner seien ein besonderes Völkchen, so der Thüringer, sie würden sich mit großer Überzeugung für ihre Stadt engagieren. „Wir sind Dresdner und wollen, dass der Kulti pünktlich fertig wird. Wir ziehen das jetzt durch“, habe ihm nicht nur ein Geschäftsführer erklärt.

Der Umbau des Saales lief hervorragend

Er habe schnell gemerkt, dass nicht der Umbau des Saales das Problem sei, meint Reuter. Die Fachleute der Lindner Group hätten dieses Vorhaben souverän im Griff gehabt. „Ich konnte sie machen lassen und mich auf die Probleme in der Peripherie konzentrieren.“ Eines, sagt Reuter, könne er überhaupt nicht tolerieren: „Wenn man auf der Baustelle nicht ehrlich ist. Es fällt schwer, eigene Fehler einzugestehen. Aber wenn Fehler nicht kommuniziert werden und man sich die Taschen gegenseitig vollhaut, dann kann man die Schwachstellen nicht erkennen und darauf reagieren.“

Dass der Kulturpalast am Freitag eröffnet werden kann, sei eine Leistung, die sich kaum in Worte fassen lasse. „Da haben alle ihren Anteil. Vor allem die Baufirmen, aber auch die Nutzer. Alle haben ihre Interessen dem Ziel untergeordnet.“ Etwa die Haustechnikfirmen, die ihre Anlagen mitten im Baubetrieb hochgefahren haben. „Die Lüftung wurde in Betrieb genommen, da waren die Türen noch gar nicht eingebaut. Da hätte manch andere Firma die Inbetriebnahme abgebrochen“, sagt der Projektleiter. Die Dresdner Philharmonie habe gerade mal drei Proben vor der Generalprobe a Donnerstag absolvieren können, die Künstler der Herkuleskeule müssten gar mit einer einzigen Probe im neuen Saal auskommen.

„Ich bleibe, bis alles in Sack und Tüten ist“

„Alle haben ein dickes Lob verdient“, meint Reuter und schließt die Verwaltung mit ein. Alle zwei Wochen habe es eine Runde bei Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) zum Stand der Bauarbeiten gegeben, bei denen auch die Bauaufsicht vertreten gewesen sei. „Uns war von vornherein klar, dass der Kulturpalast am 28. April baulich noch nicht fertig ist“, so der Projektleiter, „wir haben uns auf die Arbeiten konzentriert, die für die Eröffnung unbedingt erforderlich waren.“

Richtig abgeschlossen werde der Umbau erst im September mit der Weihe der Orgel im Konzertsaal. Damit auch nach dem 28. April weiter mit Hochdruck gearbeitet wird, hat Reuter seinen Vertrag verlängert. „Ich bleibe, bis alles in Sack und Tüten ist“, verspricht er. Was wäre passiert, wenn er nicht im November die Fäden in die Hand genommen hätte. „Ohne die vorgenommenen Veränderungen wäre es schief gegangen“, sagt er, und das sehen von Hilbert über Klepsch bis Walther alle Verantwortlichen genauso.

Wie geht es weiter nach der Fertigstellung des Kulturpalastes mit dem 41-Jährigen, der sich im Dezember 2010 mit dem Büro Reuter-Projektmanagement selbstständig gemacht und in Jena in der Humboldtstraße niedergelassen hat? „Ich bin offen für das nächste interessante Projekt“, sagt er. Vielleicht klappt es ja sogar mit ein paar Tagen Urlaub, ehe er die nächste Baustelle übernimmt.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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