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Das sagt ein Wissenschaftler zu den Wahlplakaten der Dresdner Direktkandidaten

Bundestagswahl Das sagt ein Wissenschaftler zu den Wahlplakaten der Dresdner Direktkandidaten

Seit einigen Wochen hängen die Wahlplakate der Dresdner Direktkandidaten zur Bundestagswahl. Die DNN haben mit Professor Lutz Hagen vom Institut für Kommunikationswissenschaften an der TU Dresden über die Wirkung der Wahlwerbung auf die Wähler gesprochen.

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So werben die Linken für sich.

Quelle: Hauke Heuer

Dresden. Seit einigen Wochen hängen die Wahlplakate der Dresdner Direktkandidaten zur Bundestagswahl. Die DNN haben mit Professor Lutz Hagen vom Institut für Kommunikationswissenschaften an der TU Dresden über die Wirkung der Wahlwerbung auf die Wähler gesprochen. Nicht mit dabei sind die Plakate der AfD. Der Kreisverband hat trotz mehrfacher Anfrage nicht reagiert und keine Motive zur Verfügung gestellt. Auch im Stadtbild waren Plakate mit Motiven der beiden Kandidaten zum Zeitpunkt des Gespräches mit Professor Hagen nicht zu finden.

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Seit einigen Wochen hängen die Wahlplakate der Dresdner Direktkandidaten zur Bundestagswahl. So werben die Kandidaten für sich.

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Linke: Katja Kipping und Thilo Kießling

Zuerst springt ins Auge, dass Herr Kießling sehr viel größer als Frau Kipping ist. Das hätte man fotografisch besser lösen können. Auffallend ist auch die direkte Ansprache: „Mit euch - für euch!“. Das soll aussagen „wir sind da“, den eigenen Anhängern die Möglichkeit zur Identifikation bieten und die Leute auf den Wahlkampf aufmerksam machen. Es ist gut nachgewiesen, dass das politische Interesse in Wahlkampfzeiten steigt und Politik tendenziell besser bewertet wird. Wahlplakate tragen zu dieser Wirkung von Wahlkämpfen bei. Diese Beschäftigung mit Politik findet allerdings sehr einseitig statt. Es wird sich mit den Kandidaten und den Parteien auseinandergesetzt, denen man nahe steht. Und entsprechend sollen vor allem die eigenen Anhänger mit diesem Slogan angesprochen werden. Es handelt sich im Übrigen, abgesehen von einer Ausnahme, um die einzigen Kandidaten in Dresden, die eine direkte Ansprache verwenden. Kipping und Kießling versuchen sich so auf eine Stufe mit den Wählern zu stellen. Darüber hinaus handelt es sich um das gewohnte Plakatdesign der Linken, dass von den Wählern wiedererkannt wird.

CDU: Andreas Lämmel und Arnold Vaatz

Wir erkennen einen starken Deutschlandbezug. Die Farben der Bundesflagge werden in modernen Form umbrochen, ohne piefig zu wirken. Hier wird die Kampagne der Bundes-CDU aufgegriffen. Klar wird der Nationalstolz dabei in gewisser Weise bedient. Der Slogan „Für unser Land“ auf dem Plakat von Vaatz unterstützt diesen Eindruck. Das klingt eher nach Deutschland als nach dem Freistaat Sachsen. Während Lämmels Plakat mit der Losung „Mit ihrer Stimme – stark in Berlin“ klar macht, dass er aus Sachsen nach Berlin gewählt werden und dort sächsischen Interessen vertreten will. Auch hier finden wir eine direkte Ansprache der Wähler – allerdings in der unpersönlichen dritten Person Plural. Ebenfalls interessant ist, dass auf Lämmels Plakat ein Verweis auf seine Webseite vorhanden ist, was wir nicht bei allen Kandidaten finden. Noch effektiver wären QR-Codes, die in Dresden allerdings von keiner Partei verwendet werden. Erstaunlich ist die Krawatte, die Herr Lämmel ausgewählt hat – in der Schwarz, Weiß und Rot vorherrschen. Das sind die Farben der alten Reichsflagge. So etwas sollte ein aufmerksamer Berater eigentlich merken.

Grüne: Thomas Löser und Stephan Kühn

Wir haben uns gefragt, ob die Erdkugel schon immer magentafarben war. Es ist interessant, dass sowohl die FDP als auch die Grünen auf Magenta setzen, zwei Parteien, die kämpfen, um die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden. Diese Farbe hat eine sehr hohe Aufmerksamkeitswirkung und wirkt auf viele Menschen unnatürlich. Der grüne Hintergrund und die Sonnenblume sorgen allerdings dafür, dass das Plakat sofort als eines von den Grünen erkannt wird. Die Schrift in Großbuchstaben, dann noch weiß auf dunklem Grund ist eigentlich ein No-Go auf Wahlplakaten. Es liest sich schwer. Auch hier hat die FDP einen ähnlichen Ansatz gewählt und gegen den Strich gebürstet, indem auf vielen überregionalen Plakaten sehr lange Textpassagen stehen. Der Inhalt soll also stärker in den Vordergrund treten. Generell werden bei den Grünen sehr viele Informationen transportiert – sogar der Wahlkreis und die Aufforderung, mit der Zweitstimme die Grünen zu wählen. Die Wirkung verschiedener Gestaltungsmerkmale von Plakaten lässt sich im Zusammenhang nicht einfach bestimmen, es kann durchaus einmal Sinn machen, mit Konventionen zu brechen.

FDP: Christoph Blödner und Robert Malorny

Die FDP ist sicherlich die Partei, deren Plakate am stärksten von dem Abweichen, was man erwarten würde. Das fängt damit an, dass man weitestgehend von der traditionellen blaugelben Farbgebung abgerückt ist und statt dem Blau Magenta verwendet, das, wie bereits erwähnt, viel Aufmerksamkeit erzeugt. Analog zur bundesweiten Kampagne der FDP, die sehr auf den Spitzenkandidaten Christian Lindner zugeschnitten ist, sind die Porträtaufnahmen in schwarz-weiß gehalten, allerdings nicht so elegant. Die Personen rücken so in den Hinter- und die Botschaften in den Vordergrund – noch stärker als das bei den Grünen der Fall ist. Auffällig ist auch, dass die Fotos sehr stark bearbeitet wurden. In jedem Fall will man ganz klar zeigen, dass das nicht die alte FDP ist, die vor vier Jahren nicht in den Bundestag eingezogen ist.

SPD: Christian Avenarius und Richard Kaniewski

Die Plakate der SPD sind recht klassisch und im Vergleich mit den anderen Parteien sehr unaufgeregt. Neu ist, dass das rote Rechteck, das bisher für das Logo verwendet wurde, nun auch im unteren Bereich bei der Namensnennung und auf anderen Plakaten Botschaften enthält, die somit sozialdemokratisch markiert werden. Die SPD hat durchaus versucht, aktuelle Design-Trends umzusetzen und diese roten Blöcke durchscheinend gestaltet. So wird versucht, Lockerheit zu vermitteln. Beim Kandidaten Kaniewski fällt die Wahl der Bekleidung relativ leger aus, während sich Herr Avenarius mit dem klassischen rotem Schlips und Anzug eher staatstragend gibt und besser zum klassischen Plakatdesign passt. Auffallend ist, dass die SPD an den Wahltermin erinnert und auch dadurch versucht ihre Anhänger zu mobilisieren – sonst hat man diesen Hinweis auch bei anderen Parteien gesehen.

Hauke Heuer

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