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Ungezieferbekämpfer von Groli Dresden gelten als Digital-Vorreiter der Branche

DNN-Wirtschaftspreis Ungezieferbekämpfer von Groli Dresden gelten als Digital-Vorreiter der Branche

Die Ungeziefer-Bekämpfung gilt neben der Prostitution und dem Schmiedehandwerk als eines der ältesten Gewerbe der Welt – schon das märchenhafte Hameln nahm bekanntlich die Dienste eines Rattenfängers in Anspruch. Doch auch vor dieser traditionsreichen Branche macht die Digitalisierung heute nicht mehr Halt.

Groli-Chef Marco Müller zeigt eine der digitalen Mäusefallen, die mit Sendern gekoppelt werden und „Fänge“ per SMS oder E-Mail melden.

Quelle: Heiko Weckbrodt

Dresden/Wilsdruff. Die Ungeziefer-Bekämpfung gilt neben der Prostitution und dem Schmiedehandwerk als eines der ältesten Gewerbe der Welt – schon das märchenhafte Hameln nahm bekanntlich die Dienste eines Rattenfängers in Anspruch. Doch auch vor dieser traditionsreichen Branche macht die Digitalisierung heute nicht mehr Halt. Selbst Ratten bekommen sie inzwischen zu spüren – in stählerner Härte: Wenn die cleveren, aber ungeliebten Nager in eine Falle tappen, dann womöglich in eine, die die Dresdner Firma Groli aufgestellt hat. Und die sind voll vernetzt, wie es sich im Internetzeitalter gehört.

Mäusefalle meldet Beute per SMS

„Unsere Fallen senden ihre Fangergebnisse automatisch an eine Sammelbox mit einer SIM-Karte. Und die setzt dann eine SMS oder eine E-Mail beispielsweise ans Smartphone des Hausmeisters ab“, erzählt Groli-Geschäftsführer Marco Müller. „In einem großen Gebäude wie einer Mühle oder einem Museum hätte früher dafür ein Mann den ganzen Tag lang alle Fallen ablaufen müssen.“ Heute könne sich der Hausmeister auf dem Bildschirm genau anzeigen lassen, in welcher Etage welche Falle zugeschlagen hat.

Die digitalen Mäusefallen stehen für den Groli-Chef symbolisch für einen generellen Wandel in der Branche: „Die Schädlingsbekämpfung ist wissenschaftlicher geworden“, hat der Ex-Hauptmann und studierte Vermessungs-Ingenieur Müller beobachtet. „Unsere Leute müssen sich genau mit den gesetzlichen Auflagen, mit dem Umweltschutz und den neuesten technologischen Entwicklungen auskennen.“

Dafür gelten die Sachsen längst als Vorreiter. „Groli ist ein Vorreiter der Digitalisierung“, schätzt die Handwerkskammer Dresden ein. Dies gelte auch für deren besonderes Know-how für die Schädlingsbekämpfung in Getreidemühlen, Hotels, Restaurants, alten Kirchen und ehrwürdigen Museen: Die Groli-Spezialisten „bringen im gesamten Bundesgebiet sowie in Österreich und in der Schweiz Ungeziefer zur Strecke und machen Nagern schon im Vorfeld das Fressen unmöglich“.

Die Expertise der Dresdner fußt auf jahrzehntelange Erfahrungen, die bis weit vor die Wende zurückreichen. „Die Stadtreinigung Dresden hatte zu DDR-Zeiten eine Restaurierungs-Abteilung, die unter anderem auf die Begasung von Kirchen spezialisiert war“, erzählt Müller. Aus dieser Tradition heraus gründeten Schädlingsbekämpfer-Meister Wilfried Grohmann und Lebensmittel-Ingenieur Wolfgang Lis im Mai 1990 ein eigenes Unternehmen. Die ersten Buchstaben ihrer Nachnamen verschmolzen zum Firmennamen: GroLi. Weil die Nachfrage wuchs, bauten sie neben dem Hauptsitz in Dresden im Jahr 2007 noch ein Lager im Gewerbegebiet Wilsdruff.

Kirchen wie Christo-Kunstwerke

Vor allem die Präzisions-Begasung von Kirchen wurde zum Markenzeichen der Ungeziefer-Terminatoren aus Dresden – nicht zuletzt wegen der spektakulären Verhüllung der alten Gemäuer, die dann wie ein Christo-Kunstwerk wirken. „Meist fängt das damit an, dass dem Pfarrer immer öfter Holzmehl auf die Schultern rieselt oder er seltsame Geräusche in den Balken hört“, erzählt Müller.

Allerdings dauere es oft noch zwei bis drei Jahre, bis die Schädlingsbekämpfer anrücken. Oft muss die Kirchgemeinde erst mal das Geld für den Holzwurm- oder Hausbock-Exorzismus sammeln. Zahlreiche Behördengenehmigungen sind einzuholen: Feuerwehr, Polizei und Ärzte müssen am Tag X Bescheid wissen. Die ganze Aktion ist generalstabsmäßig zu planen – der ehemalige Offizier und Vermesser Müller ist dann ganz in seinem Element. Und nicht zuletzt muss ein guter Zeitpunkt gefunden werden. Denn wenn schon giftiges Gas in die Kirche kommt, sollen alle etwas davon haben: Die ganze Gemeinde stellt dann den Kirchenraum mit Kommoden, Stühlen, Altären und anderen hölzernen Dingen voll, in denen auch der Wurm drinsteckt. Die Groli-Spezialisten hüllen das ganze Gebäude in Kunststofffolien ein, füllen den Innenraum mit Gas – und das bleibt dann zwei bis drei Tage in der Kirche. In dieser Zeit werde das Gebäude überwacht und mit Messgeräten die richtige Gaskonzentration gesichert, so Müller. „Der Rückbau und die Lüftung dauern dann auch noch mal je einen Tag.“

In diesem genau abgezirkelten Prozedere steckt mittlerweile so viel besonderes Know-how, dass auch Kirchen und Museen weit über den Freistaat hinaus die Dresdner Kammerjäger rufen. „Wir bekommen Anfragen aus ganz Deutschland und auch aus dem deutschsprachigen Ausland“, sagt Müller.

Wanzenquelle wandert durchs Hotel

Und er gibt noch eine Anekdote zum Besten, die zeigt, wie viel Aufwand oft hinter den Groli-Resultaten steckt: „Wir wurden zu einem Hotel gerufen, in dem zeitversetzt immer neue Zimmer verwanzt waren – mal in der Etage, dann wieder in der nächsten. Ein Muster war nicht erkennbar.“ Kaum hatten die Grolis ein Zimmer entwanzt, feierten die Wanzen fröhliche Auferstehung in einem ganz anderen Stockwerk. „Am Ende haben wir des Rätsels Lösung gefunden: Das mobile Kinderbett war verwanzt. Das wurde je nach Bedarf mal in diesem, mal in jenem Zimmer aufgestellt – und verteilte dabei die Wanzen im ganzen Haus.“

Von Heiko Weckbrodt

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