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Therapie für kopfschmerzgeplagte Kinder und Jugendliche ausbauen

Therapie für kopfschmerzgeplagte Kinder und Jugendliche ausbauen

Die 17-jährige Nicole leidet seit fünf Jahren an Migräne. Die Kopfschmerzen der angehenden Verkäuferin sind so stark, dass sie ein- bis zweimal pro Woche nicht zur Schule bzw. Ausbildung gehen kann. Eine neue Gruppentherapie könnte der jungen Frau helfen, die Migräne zu mildern.

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Dr. Matthias Richter untersucht die 17-jährige Nicole, die seit fünf Jahren Migräne hat.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Die 17-jährige Nicole leidet seit fünf Jahren an Migräne. Die Kopfschmerzen der angehenden Verkäuferin sind so stark, dass sie ein- bis zweimal pro Woche nicht zur Schule bzw. Ausbildung gehen kann. Eine neue Gruppentherapie könnte der jungen Frau helfen, die Migräne zu mildern und besser mit dem Hammer im Kopf umzugehen. Dafür sammelt der Dresdner Kinderhilfe e.V. Spenden. DNN sprachen mit Prof. Dr. Reinhard Berner, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Uniklinikum, Neurologin Dr. Gudrun Goßrau-Solimena und Kinderarzt Dr. Matthias Richter.

Frage: Mit was für Kopfschmerzen haben die Kinder und Jugendlichen zu kämpfen?

Dr. Gudrun Goßrau-Solimena: Meist mit Migräne und Spannungskopfschmerzen. Migräne kommt attackenartig, verursacht einen pochenden Kopfschmerz, kann von Erbrechen und manchmal auch von Sehstörungen begleitet werden. Wer Migräne hat, ist häufig unfähig, in die Schule zu gehen. Bei den Spannungskopfschmerzen hingegen handelt es sich um einen beidseitig dumpf drückenden Kopfschmerz, der die Kinder aber nicht so beeinträchtigt, dass sie dem Unterricht fernbleiben müssen.

Wie viele Kinder leiden unter Kopfschmerzen?

Dr. Matthias Richter: Um das herauszufinden, haben wir knapp 2000 Fragebögen an Schüler der 1. bis 4. Klassen in sieben kommunalen Dresdner Schulen verteilt. 1250 Bögen kamen ausgefüllt zurück. 40 Prozent dieser Kinder gaben an, nie Kopfschmerzen zu haben. Weitere 40 Prozent kreuzten einmal im Monat und 20 Prozent zweimal oder häufiger im Fragebogen an.

Haben Viertklässler häufiger Kopfschmerzen als Abc-Schützen? Besteht also ein Zusammenhang zwischen Schule und Kopfschmerz?

Dr. Gudrun Goßrau-Solimena: Ja, ganz eindeutig. Drei von vier Viertklässlern gaben an, diese Beschwerden zu kennen. Bei den Schulanfängern war es nur jeder zweite. Außerdem klagen Mädchen häufiger über Kopfschmerzen als Jungen.

Haben Sie beobachtet, dass mehr Kinder als noch vor zehn Jahren unter Kopfschmerzen leiden?

Dr. Gudrun Goßrau-Solimena: Leider ja. Auch das belegen Studien ganz klar. Die Kinder müssen nicht selten ein Schuljahr wiederholen, manche auch zwei, sind später in der Ausbildung beeinträchtigt, wie das Beispiel von Nicole zeigt.

Wie erklären Sie sich das?

Dr. Matthias Richter: Die Kinder sind größerem Stress ausgesetzt als früher - es gibt Stress in der Schule, Stress im Hort. Kommen dann noch zu wenig Schlaf und unregelmäßiges Essen hinzu, sind Kopfschmerzen vorprogrammiert.

Dr. Gudrun Goßrau-Solimena: Die Kinder verbringen immer mehr Zeit mit dem Smartphone, vorm Computer und Fernseher. Die permanente Reizüberflutung trägt zu den Kopfschmerzen bei.

Wie helfen Sie?

Dr. Matthias Richter: Die Uni-Kinderklinik und das Universitätsschmerzcentrum haben im April eine Kinderkopfschmerz-Ambulanz eingerichtet. Die betroffenen Kinder brauchen überhaupt erst einmal einen Ansprechpartner und sie müssen wissen, wie sie mit dem Schmerz umgehen und welche Medikamente sie nehmen sollen. Wir bieten einmal pro Woche eine Kopfschmerzsprechstunde an und schauen uns da fünf bis sieben Kinder an.

Wie finden die Kinder in die Kopfschmerzsprechstunde?

Prof. Reinhard Berner: Erster Ansprechpartner ist und bleibt natürlich immer der Kinderarzt. Denn erst einmal muss ausgeschlossen werden, dass der Kopfschmerz von einer anderen behandelbaren Ursache herrührt. Der Arzt überweist die Kinder dann in die Kopfschmerzsprechstunde. Diese Sprechstunde ist zwar hilfreich, kann aber nur Teil eines erweiterten Therapiekonzeptes sein. Deshalb möchten wir das Angebot ausbauen und ein interdisziplinäres ambulantes Gruppentherapieprogramm ins Leben rufen.

Was hat es damit auf sich?

Dr. Matthias Richter: Wir wollen ambulante Gruppen von je sechs Kindern oder Jugendlichen, die besonders schwer von Kopfschmerzen geplagt sind, über einen Zeitraum von einem viertel Jahr betreuen. Unsere Idee dabei ist, nicht nur den Arzt und den Psychologen, sondern auch Physio-, Kunst- und Ergotherapeuten sowie Sozialpädagogen einzubeziehen. Die Kinder sollen in Theorie und Praxis lernen, mit den Kopfschmerzen besser umzugehen. Wir wollen zwölf Module anbieten - acht für die Kinder, vier für ihre Eltern, die als Co-Trainer fungieren sollen. Denn es ist wenig hilfreich, wenn der Vater der Meinung ist, sein Sohn täusche die Kopfschmerzen nur vor, weil er sich vor der Schule drücken will. Er muss also dasselbe Hintergrundwissen haben wie sein Kind.

Was lernen die jungen Leute denn dort?

Dr. Matthias Richter: Die Sozialpädagogen zum Beispiel bieten in einem Modul eine Klettertherapie an. Das macht einerseits Spaß. Andererseits müssen sich die Kinder und Jugendlichen konzentrieren, um trotz der Kopfschmerzen die Kletterwand hinaufzukommen. Oben angekommen, merken sie dann: Ich kann was, ich bin wer.

Wann soll es losgehen?

Prof. Reinhard Berner: Im Dezember. Wir erhoffen uns mit den Geldern aus der DNN-Spendenaktion eine Startfinanzierung für zehn Gruppentherapien. Damit könnte 60 Kindern geholfen werden. Wir wollen die Daten dann auswerten und mit den Ergebnissen in Verhandlungen mit den Krankenkassen treten. Unser Ziel ist es, ein besseres Therapieangebot für viele Kinder und Jugendlichen zu etablieren.

Was können Eltern tun, um ihren Kindern zu helfen?

Dr. Gudrun Goßrau-Solimena: Das Problem ernst nehmen und mit ihrem Kind zum Arzt gehen. Wichtig ist, es trotzdem zur Schule zu schicken und auch den Sportunterricht mitmachen zu lassen. Überhaupt sollten Eltern darauf achten, dass ihr Kind Sport treibt, regelmäßig isst, ausreichend schläft. Und sie sollten das Tempo drosseln, Pausen einbauen und ihren Kindern Freude an den kleinen Dingen vermitteln.

Katrin Richter

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