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"Suicide Squad" und mehr DVD-Tipps

DVD-Tipps von Matthias Halbig "Suicide Squad" und mehr DVD-Tipps

Von Familienbanden jenseits des guten Geschmacks bis zum betörend schön gefilmten "Mörderland", von Steven Spielbergs freundlichem Riesen bis zu einem Indie-Schocker mit "Star Trek"-Starbesetzung: Die DVD-Tipps von Matthias Halbig.

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Shameless, Staffel 6

Das "Game of Losers" heißt die Ehre unter den Deklassierten zu wahren. Die Familie Gallagher gibt es auf DVD und BluRay nun schon seit sechs Staffeln. Aus den vielen Kindern sind Leute geworden, die im Teenageralter schwanger werden, mit Drogen dealen, im Gefängnis landen, ein normales Leben versuchen oder sich sogar an der Uni wacker schlagen (inklusive einer Affäre mit der attraktiven Professorin, die Lip zu einem Mord an ihrem Gemahl bewegen will, was nur möglicherweise ein Witz gewesen ist). Der abgerissene, selbstmitleidige Säuferpatriarch Frank (William H. Macy) stolpert derweil durch die grau gewordene Welt, seine in Staffel 5 verstorbene Lebensliebe zu aller Gesprächspartner Ungemach weidlich betrauernd, sein Seelenheil sogar bei diversen Religionsgemeinschaften suchend.

Die Macher haben es geschafft diese asoziale, indes loyal zueinander stehende Familie aufregend und glaubwürdig über die Jahre zu bringen und jede Figur mit einer starken Geschichte auszustatten. Auch wenn oder gerade weil die Grenze des guten Geschmacks immer wieder mal rücksichtslos übersprungen wird, sind sie einem ans Herz gewachsen, so abstoßend man sie im wirklichen Leben wahrscheinlich finden würde.

Shameless, Staffel 6

La Isla Minima – Mörderland

Javier Gutierrez und Raul Arevalo sind Juan und Pablo, zwei Polizisten, die im Spanien der ersten Jahre nach Franco einen grausamen Mädchenmörder suchen. Sie dringen dabei in Abgründe vor, die sie nie vermutet hätten: Im tiefen iberischen Süden ist die Mauer des Schweigens manchmal nur mit spontaner Gewalt zu durchdringen, die Juan merkwürdig leicht von der Hand geht.

In "La Isla Minima – Mörderland" führt Regisseur Alberto Rodriguez die "gute" alte Zeit und die junge Demokratie in Gestalt zweier Figuren zusammen, die der Beruf aneinander bindet, und die sich beistehen gegen ein wahrhaftiges Monster. Nicht nur die Heldenkonstellation, die ganze Stimmung dieses von Alex Cataláns Kamera betörend schön bebilderten Films erinnert an die dunkle erste Staffel der Serie "True Detective". Und wenn das Böse am Ende am Boden ist, steht – man ahnte es bereits - ein nicht weniger schlimmes Böses auf, ein Meister des Untertauchens und Sich-Anpassens.

La Isla Minima – Mörderland

Suicide Squad

Ben Affleck hat ein paar Auftritte als schlecht rasierter Batman, der rot gewandete Recke Flash mischt auch kurz mit, aber in dieser Verfilmung der DC-Comicwelten werden die Schurken zu Helden erhoben. Die "Suicide Squad" ist eine Truppe aus Superverbrechern im Regierungsauftrag, im Einsatz dort, wo die Offiziellen nicht hinzugehen wagen. Da ist Will Smith als leider wenig beeindruckender Deadshot, der schuppige Hingucker Croc und Margot Robbie als Harley Quinn, eine hinreißend durchgeknallte Pippi Langstrumpf aus Toon-Land, die Ex-Geliebte des Jokers.

Diesen Gegenspieler des "Selbstmordkommandos" gibt 30-Seconds-to-Mars-Sänger Jared Leto, wirkt aber, gemessen an Heath Ledgers Interpretation aus "The Dark Knight" nur wie ein grinsender Punk mit grünem Haar und Zahnspange. Der Film, in dem neben dem Joker auch noch eine mächtige Hexe (Cara Delevingne) besiegt werden muss, ist trotz seiner zutiefst bananigen und selbstreferentiellen Story unterhaltsam, ein Versuch des DC-Universums an Marvels wildere Geschichten wie "Guardians of the Galaxy" oder "Deadpool" anzuknüpfen. Das Narrenkostüm der Harley Quinn erfreut sich bei Teeniemädchen einiger Beliebtheit. Karneval kann kommen. Ein eigener Quinn-Film wurde in Hollywood auch gerade verabredet.

Suicide Squad

BFG

Der "BFG" ist ein "baumlanger, freundlicher Gigant", der das kleine Mädchen Sophie (Ruby Barnhill) eines Nachts aus einem Londoner Waisenhaus in sein Riesenland entführt, wo er der kleinste, schmächtigste, klügste und gehänseltste unter Seinesgleichen ist, einer Spezies dummer, lauter und grobschlächtiger Kinderfresser. Steven Spielberg hat Roald Dahls Freundschaftsmärchen über zwei Außenseiter zu liebenswertem Kinderkino gemacht.

Star ist der von Mark Rylance über alle Maßen hinreißend "gespielte" Computertrickriese, der wie ein kauziger Zauselbart aussieht, eine exzentrische Sprechweise pflegt und ein Herz aus Gold hat. Höhepunkt für die kleinen Zuschauer ist, wenn die Korgis von "Mayonäise Elizabeth II." BFGs blähungsseliges Blubberwasser saufen und auf grünen Winden durch den Buckingham Palace gleiten. Und die Großen beschleicht wieder einmal die Ahnung, wie viel von ihrer fantastischen Fantasie über all die Jahre verloren ging.

BFG

I Origins

Die Augen seien die Fenster zur Seele, heißt es, manche sehen in ihnen gar den Sitz des Menschenwesens, den Fingerabdruck Gottes. Mike Cahill, Regisseur von "Another Earth", erzählt in "I Origins – Im Auge des Ursprungs" davon. Sein Held ist der Wissenschaftler Ian (Michael Pitt, bekannt aus Martin Scorseses Serie "Boardwalk Empire"), der über Augen forscht und über eine blinde Wurmart zum Urgrund der Evolution vorstoßen will.

Gleichzeitig zieht er nächtens umher und fotografiert Augenpaare – eines Abends auch die faszinierend farbigen Iriden der maskierten Sofi (Astrid Bergès-Frisbey), die sein Leben für immer verändern werden. Würde man mehr von Cahills Scifi-Drama erzählen als den Anfang, würde man zu viele Hinweise auf seine Pointe geben. Eindrucksvoll ist jedoch, wie dem Regisseur die Verbandelung von Wissenschaft und Gott gelingt, ohne dass sich der zweifelnde Zuschauer religiös-esoterisch eingewickelt fühlen würde. Ein Film, der helfen kann, Sichtweisen zu verändern.

I Origins

Major Crimes, Staffel 4

Vierte Staffel "Major Crimes" mit Captain Sharon Rayder (Mary McDonnell) als Chefin der Mordabteilung des LAPD, der Ermittler Provenza, Flynn, Tao, Sanchez & Co. Das Niveau der Krimis wird weiterhin gehalten, die nicht allzu blutigen Geschichten sind genau das Richtige für den Feierabend von Leuten, die nicht auf das Bingewatchen mehr oder weniger anspruchsvoller TV-Epen stehen, sondern in der Kürze des Episodischen die Würze finden.

Die Fälle sind clever, die Dialoge unterhaltsam, die Figuren sind nicht statisch, sondern entwickeln sich – vornehmlich im privaten Bereich. Wohlfühlspannung garantiert. Es gibt aber auch diesen netten Verschleiß bei langer Zusammenarbeit – dass man es nämlich im blinden Aufeinandereingespieltsein und im Bewusstsein, ein liebendes Stammpublikum zu haben, mit der Team-Komik zuweilen etwas übertreibt. Immerhin hat die Mehrheit dieses Teams auch schon sieben ebenso sehenswerte Staffeln der Vorgängerserie "The Closer" unter Führung der sensationell schrulligen Brenda Leigh Robinson (Kyra Sedgwick) hinter sich.

Major Crimes, Staffel 4

Pets

Das geheime Leben der Haustiere beginnt, nachdem Frauchen und Herrchen zur Arbeit aufgebrochen sind. Da wird die Katze zum Kühlschranktiger und der Königspudel zum Headbanger. Die Computertrickser von Universal, aus deren Traumfabriken auch die beliebten gelben Schadenfrohlinge Minions stammen, erzählen in "Pets" die Geschichte des Hündchens Max, das eines Tages einen gigantischen, unerwünschten Zweithund namens Duke aus dem Tierheim mitgebracht bekommt – gegen Einsamkeit, für Geselligkeit.

Die Abneigung geht sehr schnell sehr tief, beim Spaziergang mit dem Hundesitter geraten sie über Zank und Zankeszank in die Hände von Tierfängern und an eine Untergrundarmee rachsüchtiger Haustiere unter Führung eines Aggrokaninchens. Was der absehbaren Geschichte an Originalität fehlt, macht sie durch Witz, Slapstick und ein paar vergnügliche Charaktere wieder wett. Freilich: Disneys "Zoomania" bleibt der Tiertrickfilm der Saison.

Pets

Green Room

Der englische Schauspieler Patrick Stewart hat sich in der Popkultur als Captain Picard von der Enterprise und als X-Men-Chef Dr. Charles Xavier eingebrannt. Beides bedächtige Figuren, kaum Fehl, kaum Tadel, eindeutig auf der guten Seite der Macht. Garstige Charaktere kann er aber auch, was er in bösem kleinen Schocker "Green Room" erschreckend gut beweist. Er ist hier Darcy, ein Neonazi-Drahtzieher, Leiter eines Skinhead-Clubs. Die erfolglose, wiewohl leidenschaftliche Band The Ain't Rights, die eines Tages bei ihm aufschlägt, begeht zwei Fehler: Sie spielt auf der Bühne zum Auftakt ein Stück Antinazipunkrock und wird hernach versehentlich Zeuge eines Szenemordes. Es gelingt den Musikern, sich zu verschanzen, aber die Situation ist ausweglos und Darcy versammelt seine Truppen zu Belagerung und Sturm.

Regisseur Jeremy Saulnier erweist sich als Meister der Spannung und Überraschung und versteht sich gut darauf, sein Personal beiläufig zu skizzieren. Die Gewalt hier ist hart, aber auch Zuschauer, die dem Genre eher abhold sind, fühlen sich hier nicht unter Niveau unterhalten. Den Leiter der Ain't Rights spielt übrigens der im Vorjahr verstorbene Anton Yelchin, der auch als Besatzungsmitglied des Raumschiffs Enterprise zu Ruhm kam. Es heißt hier: Picard gegen Chekov.

Green Room

Star Trek Beyond

Photonentorpedos und was sonst noch zur Bewaffnung der Enterprise zählt, helfen nichts gegen einen Feind, der wie ein Sandsturm aus angriffsseligen Einzelkörnern über das schöne Raumschiff hereinbricht. Auch der Spaceschwan des zweiten Captain Kirk, Chris Pine, hält nicht ewig. In Justin Lins Kinofilm "Star Trek Beyond" zum 50. Jubiläum des Franchise wird ihm gleich zu Filmbeginn nach allen Regeln der Zerstörungskunst Hollywoods der Garaus gemacht. In eine Falle gelockt, muss sich das Heldenteam wieder einmal mit einer Bedrohung auseinandersetzen die sich bei näherem Hinsehen als ein Stück unrühmlicher Vergangenheit der Föderation erweist.

Im Herz der eher durchschnittlichen Geschichte: Zachary Quinto als logischer Romantiker Spock, dessen Beziehung zu Kommunikationsoffizierin Uhura wächst und gedeiht. Es gab ja schon in der TV-Urserie aus den Sechzigerjahren immer wieder hinreißend komische Folgen (man denke an die Episode mit den fortpflanzungsfreudigen Lebendswiffern Tribbles). Drehbuch-Co-Autor Simon Pegg, Darsteller des Maschinenraumchefs Scotty, hat diesmal auch jede Menge Gags ins Drehbuch des 13. Star-Trek-Spielfilms geschrieben. Weil die Spielfilme aber so selten sind hätte man bei "Star Trek XIV" bitte wieder viel mehr Drama!

Star Trek Beyond

Gefahr aus dem Weltall

Natürlich ist es kein Meteor, was da in den romantischen Landabend von John (Richard Carlson) und Ellen (Barbara Rush) eingeschlagen ist. Es ist ein Raumschiff, das in der Wüste notgelandet ist, und dessen Besatzung sich vor den Erdlingen auf Science-fiction-Weise zu verbergen versucht. Jack Arnolds zweite Regiearbeit, "Gefahr aus dem Weltall" (1953), war nach Robert Wise' drei Jahre zuvor entstandenem "Der Tag, an dem die Erde stillstand" der zweite Zukunftsfilm, in dem die Außerirdischen – entgegen dem Filmtitel – keine Gefahr darstellten. Sie wollen eigentlich nur ein paar Ersatzteile, um ihr Gefährt zu reparieren.

Unheimlich ist trotz der heute billig und naiv wirkenden Tricktechnik das Gestaltwandlerphänomen, die Apathie der "Verwandelten" erinnert an Don Siegels Weltraumbohnen-Horror "Die Dämonischen" (1956), in dem die Aliens freilich gänzlich unfriedlich waren. Lassen die Schauspielkünste auch Wünsche offen und sind die Dialoge dieses Klassikers auch oft allzu geschwollen, so war das Drehbuch nach Ray Bradburys Kurzgeschichte doch gewagt in Zeiten der unsäglichen Hollywood-Kommunistenhatz und inspirierte noch Steven Spielbergs "Unheimliche Begegnung der Dritten Art" (1977). An dem Soundtrack, der von den utopisch schwingenden Theremin-Klängen bestimmt wird, hat der große Henry Mancini ("Peter Gunn") mitgearbeitet.

Gefahr aus dem Weltall

Ein Atem

Eine junge Griechin versucht ihr Glück in Deutschland. Den Job in einer Frankfurter Bar bekommt sie nicht, weil beim Gesundheitscheck festgestellt wird, dass sie schwanger ist. Also muss sie sich anders durchschlagen, sie versucht sich als Kindermädchen einer gut situierten deutschen Familie. Elena lebt sich ein, kommt auch mit der sachten deutschen Überheblichkeit zurecht, lässt aber eines Tages Tessas Kind nur für Sekunden aus den Augen, und es bleibt verschwunden. Vor ihrer Verantwortung flieht sie nach Griechenland, verfolgt von der verzweifelten, zornigen Mutter.

Christian Züberts Drama "Ein Atem" erzählt auf eigentümliche Weise von innereuropäischen Ressentiments. Chara Mata Giannatou und Jördis Triebel spielen das Deutsche, das Griechische und das Missverständnis fein aus. Allerdings erscheint die Geschichte nicht schlüssig, das Ausreißen der jungen Elena kommt einem extrem unwahrscheinlich vor. Und die Dimension eines Kindsverlusts haben andere eindringlicher in nur ein paar Bildern gezeigt – Christian Petzold etwa in "Gespenster", Steven Spielberg in "Minority Report".

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