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Kolumnen Lust auf ein Ich?
Sonntag Kolumnen
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20:04 02.03.2018
Wer bin ich, und wo bekomme ich einen neuen Lebensabschnitt her? Quelle: Fotolia
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Hannover

Entweder sind die Fragen uneindeutig formuliert (“Ist das alles?“) oder seit 40 Jahren von Guido Baumann beantwortet (“Was bin ich?“). Vielleicht sind sie grammatikalisch fragwürdig (“Wem bin ich?“) oder in der Sache zu klein (“Bin ich zu groß?“), vielleicht sind die Antworten gerade aus (“Fragen Sie Montag noch mal nach“) oder immer die gleichen (“42“, “Urknall“, “FC Bayern“).

Und dann steht man da, bereit, sich mit existenziellen Dingen zu befassen – und geht am Ende doch nur Süßkartoffelpommes essen.

Über-Ich oder Undercut

Es gibt aber auch Tage, da begegnen einem die Fragen des Lebens unangemeldet und da, wo man sie überhaupt nicht vermutet. Wie neulich im Schaufenster eines Friseurgeschäfts. Dort stand in geschwungenen Buchstaben die Frage “Lust auf ein neues Ich?“.

Nun ist ein Friseursalon grundsätzlich nicht der Ort, an dem man nach einem neuen Ich fragen würde. Oder Über-Ich. Eher Undercut. Oder WSF, was nicht what se fuck heißt, wie im Undercutsoziotop oft vermutet, sondern waschen, schneiden, föhnen.

Kurzer Check – hat man auf der Preisliste vielleicht jahrelang etwas übersehen? Nein, nur das Übliche plus HSV-Programm (Hochstecken, Strähnen, Verlängerungen) und SFB-Option (selber föhnen billiger), insgesamt Frauen immer teurer als Männer, und Duzen gibt’s für alle gratis. Aber: kein neues Ich.

Von “Kamm-in“ zu “Pink Freud“

Vielleicht hat man ja wirklich was verpasst. Vielleicht sind die Friseursalons längst nicht mehr einfach nur Läden mit mediokrem Hipnessanspruch und absurden Namen wie “Kamm-in“, “Chic-Saal“ oder “Dirty Hairy“. Vielleicht sind sie längst die Hotspots der Persönlichkeitsveränderung, die eigentlich “Pink Freud“ heißen müssten, “Haarben oder sein“ oder “Lebensabschnitt“.

Wo im Schnitt das Ich liegt, das man sich aus dem Katalog sucht und sein altes gleich dalässt, damit der Schnittmeister es umweltgerecht entsorgt. Man kann natürlich auch sein altes Ich mit nach Hause nehmen, einmal durchwaschen, ausklopfen und dann bei Ebay reinstellen, für 10 Euro bei Selbstabholung.

Oder ist es doch banaler? Wie bei Modellpsychologin Heidi Klum, wo das neue Ich “Umstyling“ heißt und aus Zahnspangenteenagern schnippschnapp TV-gerechte Quotenbarbies macht. Ist das alles? Fragen Sie Montag noch mal nach.

Von Uwe Janssen

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