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WLAN für den Wunderkessel

Thermomix mit Internetanschluss WLAN für den Wunderkessel

Am "Thermomix" scheiden sich die Geister: Fans sind begeistert, Kritiker machen sich über die kostspielige, kochende Küchenmaschine lustig. Jetzt geht der Wunderkessel auch noch ins Internet.

Rühren, häckseln, wiegen, garen: Der Thermomix-Hype kennt kein Ende. Ein einfaches Spiegelei braten kann er zwar nicht, dafür geht die Luxus-Küchenmaschine jetzt ins Internet.

Quelle: Vorwerk

Kochen ist keine Hexerei. Oder doch? Wer jemals Zeuge war, wie die Küchenmaschine Thermomix über sein Display eine Tafel Zartbitterschokolade einfordert, die er dann in Sekundenschnelle als Zutat eines herzhaften Chilis bis zur Unkenntlichkeit zermalmt, hat seine Zweifel.

Seit Neuestem gibt es noch mehr Grund zum Staunen: Im Herbst hat die Firma Vorwerk für ihr Modell "TM5" den sogenannten "Cook Key" auf den Markt gebracht – und das Weihnachtsgeschäft mit dem Wunderkessel gehörig angeheizt. Der Konzern musste kurz vor den Festtagen auf seiner Homepage sogar Lieferschwierigkeiten einräumen, weil "deutlich mehr Bestellungen" eingegangen waren "als erwartet".

Während der Kochlöffel zunehmend Reliktstatus erhält, soll der neue "Cook Key" eine schier unbegrenzte Rezeptwelt erschließen. Er macht das Beschränken auf herkömmliche Thermomix-Kochbücher überflüssig, indem er sich über WLAN mit dem Onlineportal "Cookidoo" verbindet. Die gute, alte Küchenmaschine ist damit jetzt also auch online. Rund 2000 getestete Rezepte – angeblich mit Geling-Garantie – sind dort zurzeit verzeichnet.

Platz für 5000 Rezepte

Einmal gespeichert, sind die Speisenvorschläge später auch ohne Onlineanbindung abrufbar. Mit acht Gigabyte hat der "Cook Key" Platz für 5000 Rezepte. Missbrauch und Nachahmungen will Vorwerk mit einer Seriennummer vorbeugen, über die sich der jeweilige Nutzer registrieren lassen muss.

Seit Aufkommen des "TM5" vor zwei Jahren verzeichnet Vorwerk Rekordumsätze. Der Thermomix, der zum Teil noch immer traditionell auf Hausverkaufspartys inklusive Verkostung auf dem Sofa der besten Freundin vertrieben wird, liegt preislich in der Spitzenklasse der Küchenmaschinen – und ist auch deshalb Kult.

Wer ihn besitzt, schwört auf das angeblich idiotensichere System, bei dem alle Zutaten in die große Schüssel gegeben und dort automatisch gewogen, geknetet, püriert und erhitzt werden. Konventionell tätige Hobbyköche hingegen lästern herrlich boshaft über "TM5"-Anhänger, die angeblich ohne Maschine und das passende Rezeptbuch nicht einmal in der Lage seien, einen schwarzen Kaffee zu kochen.

Experimente mit Lieferdiensten

Ein Ende der Thermomix-Hysterie ist aber nicht in Sicht. Im Jahr 2017 will Hersteller Vorwerk nun von Wuppertal aus in Europa und den USA weiter expandieren. Dann soll in noch mehr Haushalten automatisch gerührt, gehäckselt und gekocht werden. Trotz der neuen Riesenauswahl an Rezepten kann der Thermomix allerdings eines noch immer nicht: braten. Eine Pfannenfunktion fehlt. Allenfalls lassen sich Fleisch und Spiegeleier garen.

An der Behebung anderer Leerstellen tüftelt Vorwerk indes. Derzeit etwa wird mit Lieferdiensten experimentiert. "Es wird sicherlich keine zehn Jahre mehr dauern, bis der Thermomix selbst Essen bestellt", prophezeite Vorwerk-Chef Reiner Strecker im Frühjahr in einem Interview mit dem "Handelsblatt".

Der Thermomix soll ihm zufolge künftig imstande sein, in Single-Haushalten die ganze Küche zu ersetzen. Ein sattes Versprechen. Doch die Großfamilie mit zwei Erwachsenen und drei Jugendlichen muss weiterhin darben: Portionsmäßig ist der Thermomix nicht auf fünf gute Esser ausgelegt. Im Zweifel sollte der Kochlöffel also noch nicht entsorgt werden.

Von Kerstin Hergt

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