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Zwei "Verrückte" bauen in Niederottendorf Bauernhof wieder auf

Zwei "Verrückte" bauen in Niederottendorf Bauernhof wieder auf

Die Pirnaer Christiane und Eric Noetzel realisieren im Neustädter Ortsteil Niederottendorf ihren Lebenstraum. Sie richten einen desolaten Zweiseithof mit ökologischen Baustoffen wie Holz und Lehm zum "Lichterhof" her.

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Christiane und Eric Noetzel sanieren das Umgebindehaus mit traditionellen Baustoffen wie Holz, Stroh und Lehm. In einem Jahr wollen sie mit ihren heute fünf und drei Jahre alten Kindern hier einziehen.

Quelle: Silvio Kuhnert

Welche Idee dahinter steckt, verraten sie im DNN-Interview.

Im Dorf gelten Sie als die "Verrückten". Haben die Niederottendorfer recht?

Christiane Noetzel: Wir sind im vollen Besitz unserer geistigen Kräfte. Vielleicht haben wir eine verrückte Vision. Wer von außen das erste Mal in den Hof hineinkommt, denkt sicher: Um Gottes willen, was haben die sich ans Bein gebunden. Ich sehe ihn in meiner Vorstellung dagegen bereits fertig vor mir.

Ihre Vision ist der "Lichterhof"?

Christiane Noetzel: Der Lichterhof ist ein Erhaltungshof mit dem Ziel, handwerkliches, landwirtschaftliches und kulturelles Erbe zu bewahren. Zum einen wollen wir das Kulturdenkmal "Umgebindehaus" als Zeugnis menschlicher Geschichte, Entwicklung und Kultur erhalten. Andererseits haben wir vor, im Nebenerwerb alte Nutztierrassen und Pflanzensorten anzubauen.

Sie wollen gefährdete Nutztierarten im Lichterhof wohnen lassen?

Christiane Noetzel: Aller zwei Wochen stirbt weltweit eine Nutztierrasse aus. 90 Prozent aller alten samenfesten Pflanzensorten sind in Deutschland bereits verloren gegangen. Wir werden diese Entwicklung sicher nicht aufhalten können. Jedoch versuchen wir zu erhalten, was zu erhalten geht.

Reichlich vier Jahre haben Sie nach einem geeigneten Haus gesucht. Warum haben Sie sich für dieses desolate Gebäude entschieden?

Eric Noetzel: Das Haus ist nicht kaputt saniert. Bei vielen alten Bauernhäusern wurde irgendwann das Fachwerk rausgerissen, Lehm- durch Ziegelwände ersetzt und große Fenster eingebaut. Diese Umbauten nehmen einem Haus seine Ursprünglichkeit. Schätzungsweise 300 bis 350 Jahre ist unser Wohnstallhaus alt. Auch hier wurde die Fenstergröße verändert und erweitert. Dieser Eingriff liegt aber bis zu 150 Jahre zurück. Außerdem gehören zu dem Gehöft noch 16 Hektar Land mit Wald, Weide und Fischteich. Resthöfe gibt es en masse. Nach einem Bauernhof mit Land mussten wir lange suchen.

In was haben Sie sich verliebt: in das Land oder die historischen Gebäude?

Christiane Noetzel: Als wir das erste Mal herkamen, war uns klar: Das ist es.

Was ist das Besondere am Haus?

Christiane Noetzel: Seine Ausstrahlung! Als wir es betraten, fühlten wir uns wie auf einer Zeitreise.

In dem Bauernhaus scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Ein herrlicher Kachelofen schmückt die alte Blockstube. Die Möbel stehen in der guten Stube noch an Ort und Stelle, wo sie vor schätzungsweise 100 Jahren platziert wurden, die Wände ziert eine Schablonenbemalung im Jugendstil...

Christiane Noetzel: Hier kann man noch die alte Zeit richtig fühlen. Die gute Stube wollen wir in ihrer ursprünglichen Art erhalten. Wir blicken natürlich nicht nur in die Vergangenheit zurück. Wir werden den alten Flair des Hauses mit den Annehmlichkeiten der Moderne kombinieren.

Das Interieur hat ohne Zweifel einen besonderen Charme. Allerdings weist das Haus viele Schäden an der Bausubstanz auf. In welchen Zustand haben Sie es vorgefunden?

Eric Noetzel: Die Rückwand war komplett desolat. Bei 80 Prozent konnte man teilweise durchgreifen. Die Fachwerkkonstruktion und die Lehmfelder werden neu gebaut. Über dem früheren Stall muss der Deckenaufbau neu gemacht werden. Früher wurde die Abwärme der Tiere als Heizung genutzt. Deswegen war nur ein einfacher Bretterboden drin. Das entspricht nicht mehr den heutigen Standards, zumal der Stall künftig als Seminarraum genutzt werden soll. Deshalb muss der Deckenaufbau mit Balken und Lehmschüttung neu gemacht werden. Alles geschieht in Handarbeit. Dasselbe kommt oben auch noch mal, damit auch zum Dach eine gewisse Wärmedämmung vorhanden ist. Es liegt noch reichlich Arbeit vor uns.

Wann ziehen Sie ein?

Christiane Noetzel: Unser Ziel ist es, im kommenden Jahr die ersten Räume zu beziehen. In zwei bis drei Jahren soll das Wohngebäude fertig sein.

Wieviel wird die Sanierung voraussichtlich kosten?

Eric Noetzel: Wenn das gesamte Objekt einmal in 20 Jahren so ist, wie wir es uns vorstellen, werden wir rund 500 000 Euro investiert haben.

Christiane Noetzel: Wir machen viel in Eigenleistung und haben das große Glück, einen sehr großen Freundeskreis zu besitzen, der uns unterstützt. Zudem wird Nachbarschaftshilfe im Ort sehr groß geschrieben. Außerdem bekommen wir Mittel von der Denkmalförderung. Ohne Hilfe könnten wir unser Vorhaben nicht realisieren. Dafür sind wir sehr dankbar.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.08.2013

Silvio Kuhnert

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