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Zuhause im Schatten des alten Kreisheims - Im Wohnheim am Coswiger Spitzgrund leben junge und alte geistig Behinderte / Gestern feierten sie rundes...

Zuhause im Schatten des alten Kreisheims - Im Wohnheim am Coswiger Spitzgrund leben junge und alte geistig Behinderte / Gestern feierten sie rundes Jubiläum

Christa Morgenstern lächelt. Fast ohne Pause. Die 51-Jährige bereitet sich auf die große Sause am Nachmittag vor. Der Sinnesgarten im Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung in Coswig muss noch hergerichtet werden.

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Zweimal in der Woche steht für die geistig behinderten Bewohner des Wohnheims am Spitzgrund in Coswig Gartenarbeit auf dem Plan. Ein Sinnesgarten wurde zum Beispiel dabei angelegt. Ergotherapeutin Ines Hefftler und die 51-Jährige Bewohnerin Christa Morgenstern (r.) halfen mit.

Quelle: Martin Förster

Coswig. Von Stephan Klingbeil

Sie hilft mit. Marmeladen kann man hier testen, Gerüche erraten und mehr. Das Festzelt gegenüber steht schon. Am Abend wir dort getanzt. Zuvor gibt es Theater, Bewohner singen. 2002 wurde der Neubau der Meisop gGmbH eröffnet, gestern das Jubiläum gefeiert.

Christa Morgenstern ist von Anfang an dabei. Sie lebt in einer der sechs Wohngruppen, hat ihr eigenes Zimmer. Nur Dusche und Toilette muss sie sich mit jemandem teilen. "Das klappt mal so, mal so", sagt sie. Sie sei zufrieden. In den 90er-Jahren kam die Meißnerin nach Coswig "Ich wohnte vorher in der Hafenstraße, dann starb meine Mutti." Eine Schule habe sie nie besucht. Laut Wohnheimleiter Georg Hesse ist das früher häufig so gewesen. "Heute wird aber jeder beschult, egal wie behindert er ist", so Hesse. "Frau Morgenstern hätte viele, auch alltagsrelevante Dinge erreicht", wäre sie unterrichtet worden.

Stattdessen wurde sie zu Hause betreut. Erstaunlich viele Eltern gibt es, sagt Hesse, die sich bis ins hohe Alter um ihre behinderten Sprösslinge kümmern. "Viele der Eltern können sich nur schwer trennen, fragen erst an, wenn sie es altersbedingt nicht mehr packen", so der Meißner. Heutzutage gebe es auch Eltern, die wollen, dass ihre Kinder mit 18 Jahren ihren eigenen Weg gehen. Trotz Behinderung. Meist arbeiten diese dann in Behindertenwerkstätten. Sie leben oft in Heimen, wo tagsüber keiner betreut wird, weil alle auf Arbeit sind.

Wenn sie aber nicht in Werkstätten tätig sein können, weil sie zu alt oder wegen ihres Verhaltens schwer zu integrieren sind, müssen sie individueller betreut werden. Nach medizinischen Gutachten werden sie dann vom Sozialhilfeträger in Einrichtungen wie das Wohnheim am Spitzgrund untergebracht. Es hat 47 Plätze. 45 davon sind derzeit belegt.

Dort kochen, basteln und tanzen die Frauen und Männer gemeinsam. Junge wie alte. Freundschaften entwickeln sich, Paare habe es auch schon gegeben. "Die meisten nehmen ihre Behinderung nicht als solche wahr", sagt Hesse. Es hätte aber auch Bewohner gegeben, die an schweren Depressionen litten. So zum Beispiel eine Frau, die ein Leben mit Kindern und Haus führte, aber nach Gehirnblutungen behindert war. Alles brach weg, plötzlich brauchte sie Hilfe. Wie die anderen Bewohner dort hat man auch sie rund um die Uhr betreut. Ziel der offenen Einrichtung sei dennoch, zu mehr Selbstständigkeit zu verhelfen. Alleine einkaufen gehen schon viele der Behinderten. Manche geben im Aldi ihr "Taschengeld" aus - etwa 120 Euro im Monat sollen es sein. Andere laufen zum Pflegeheim gegenüber, lassen sich Haare schneiden, gehen in die Cafeteria.

In dem sanierten Altenheim kamen bis vor über zehn Jahren ebenso Menschen mit geistiger Behinderung unter. Auch Christa Morgenstern zog erst dort ein. Doch aufgrund eines Gesetzes war diese Unterbringung nicht mehr erlaubt. Die Behinderten mussten in einer eigenen Einrichtung mit individueller Betreuung einquartiert werden. Platz war da. 2002 stand der Neubau im Schatten des ehemaligen Kreisheims am Spitzgrund.

Zehn Jahre später wissen aber noch immer nur wenige, dass es neben dem 1913 errichteten Altenheim ein Haus gibt, in dem geistig Behinderte wohnen. Das sagen mehrere der 25 Mitarbeiter. Neben vielen Heilerziehungspflegern gestalten auch drei Ergotherapeutinnen den Alltag der derzeit 18 bis 77 Jahre alten Bewohner.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.08.2012

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