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Umland Zu Besuch bei Büchsenmacher Thomas Schade
Region Umland Zu Besuch bei Büchsenmacher Thomas Schade
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07:33 10.07.2018
Thomas Schade in seiner Werkstatt. Quelle: Anja Schneider
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Sörnewitz

Schon als kleiner Junge wusste Thomas Schade was er will: Seine Freunde gaben ihre Groschen für Eis aus, er sparte für neues Werkzeug. Und noch etwas faszinierte den kleinen Jungen aus Bühlau: Die historische Waffensammlung im Dresdner Zwinger. Heute gehört der 60-Jährige zu den wenigen Menschen in Deutschland, die Gewehre selber schmieden, aufwendige Reparaturarbeiten durchführen oder historische Waffen restaurieren.

Die Waffengesetzte wollen beachtet sein

Mit 14 baute er seine erste Waffe, heute finden sich in seinem Geschäft in Sörnewitz moderne Jagdwaffen, reich verzierte Barock-Gewehre und historische Dolche. Alles ist fein säuberlich sortiert, alles muss seine Ordnung haben, damit der Büchsenmacher den Überblick über all seine speziellen Werkzeuge und Materialien behält.

Ein Blick in die Werkstatt des Büchsenmachers Thomas Schade

„Deutschland hat ein sehr strenges Waffengesetz“, sagt Schade. Regelmäßig kommen Kontrolleure in die Werkstatt und das Geschäft, um zu prüfen, ob alle Waffen sicher verstaut sind. Das Jagdgesetz findet er „zu restriktiv“, auch wenn er selbst schon lange nicht mehr auf einem Hochsitz saß. Für ihn sind Waffen Plastiken. Besonders Vorderlader und historische Waffen haben es ihm angetan. Die Tradition und Kultur stehen für ihn, einem der letzten Büchsenmacher Sachsens, im Vordergrund. Dabei wurde ihm die künstlerische Ader schon in die Wiege gelegt: Seine Eltern arbeiteten als bildende Künstler in Kreischa. Zusammen mit dem Vater richtete sich der junge Thomas Schade einen Bastelkeller in Bühlau ein.

Schmiede im alten Kuhstall

Bei einem Rundgang durch die Waffensammlung im Zwinger dachte der Junge: „Was die Alten mit ihren einfachen Mitteln konnten, schaffe ich vielleicht auch“. Dass diese Gedanken nicht kindlich-naiv waren, bewies er der Erwachsenenwelt. Als Jugendlicher in der DDR war es nicht einfach, an entsprechende Bauanleitungen für barocke Waffen zukommen, genau wie an passendes Werkzeug. Zwei Gewehre fertigt der damals 14-Jährige und bewarb sich damit für einen Ausbildungsplatz zum Büchsenmacher in Suhl. Nebenbei lernt er noch andere Handwerke wie das Gravieren.

Fast unscheinbar wirkt das Waffen-Geschäft von außen. Dann öffnet Schade eine schwere Tür. Immer zur Hand sind die verschiedenen Schlüssel für Türen und Sicherheitsschränke. Das Spiel mit dem Feuer kann für ihn schnell zum Spiel mit seiner Existenz werden, wenn die Kontrolleure Sicherheitsmängel beanstanden. Hinter der Eisentür verbirgt sich die Werkstatt. Beziehungsweise der alte Kuhstall des Hauses, den der Büchsenmacher zu seiner Schmiede und Manufaktur ausgebaut hat. Ein 35 Tonnen schwerer Schlagkraft-Lufthammer steht im hintersten Teil. In dem 3000 Grad heißem Feuer der eigenen Schmiede kann Schade hochlegierte Stähle schmieden und so beispielsweise die Rohlinge der Gewehrläufe in ihre endgültige Form bringen.

Winzige Schräubchen und ungetüme Maschinen

Wie bei einem Maßschneider passt Schade den Schaft des Gewehres mit dem Griff genau auf den Körper des Kunden an. Für die vielen verschiedenen Arbeitsschritte stehen in der Werkstatt unzählige alte Maschinen. Schade selbst weiß nicht einmal, wie viele genau. Es sind große Ungetüme, die walzen oder prägen und ganz kleine Maschinen für feine Arbeiten. Er rückt sich seine Brille zurecht und nimmt ganz vorsichtig eine Dose in die Hand. Darin sind hunderte von M-0,25 Schrauben mit einem Durchmesser von nur einem Viertel Millimeter. Wenn er die Dose mit den Schräubchen, die auch Uhrmacher verwenden, öffnet, hält er die Luft an.

Werkzeuge in der Werkstatt des Büchsenmachers Quelle: Anja Schneider

Kaum ein Werkzeug in Schades Besitz war vor seinem Stichel zum Gravieren sicher. Spezielle Zapfenschlüssel, Schraubstöcke und Sägen tragen eingravierte Ornamente. Seit 1974 besteht sein Arbeitstag aus Bohren, Fräsen, Sägen, Schleifen, Pressen, Schmieden und Feilen. Dabei lassen sich zufällige Erfindungen nicht vermeiden. An der Wand reihen sich Patente für von ihm entwickelte Waffenverschlusssysteme.

Der Preis für eine neue Waffe aus der Sörnewitzer Werkstatt beginnt bei rund 1500 Euro. Spezielle Sonderanfertigungen haben auch schon für 20 000 bis 30 000 Euro den Besitzer gewechselt. „Reich wird man dadurch nicht“, sagt Schade. Auch die Nachfolge ist noch nicht geklärt. Er selbst schaffe es nicht, für den seltenen Beruf auszubilden. Seine Hoffnung liegt auf seinen Enkeln.

Alle Sonderanfertigungen müssen staatlich geprüft werden. Auch wenn sie kunstvoll gearbeitet sind, handelt es sich immer noch um Waffen. Im Fokus bei der Kontrolle steht unter anderem der Gasdruck, der beim Abfeuern entsteht. „Mit meinen Waffen ist noch keinem was passiert“, sagt Schade und klopft dreimal auf die hölzerne Werkbank. Denn ans Aufhören denkt er doch noch nicht.

Von Tomke Giedigkeit

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