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Umland Zeugnisse der bislang wenig bekannten Festungsgeschichte entdeckt
Region Umland Zeugnisse der bislang wenig bekannten Festungsgeschichte entdeckt
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16:20 29.08.2017
Archäologe Dr. Ingo Kraft hält die Tonscherbe aus der Mitte des 12. Jahrhunderts in der Hand, die neben historischen Regenwasserschächten bei den Bauarbeiten im Hof der Georgenburg entdeckt wurde. Quelle: Foto: Silvio Kuhnert

Die urkundliche Ersterwähnung einer Burg auf dem Königstein liegt 776 Jahre zurück. Ein weiterer Beweis, dass das heutige Festungsplateau viel länger besiedelt war, wurde bei der derzeitigen Sanierung der Georgenburg entdeckt. Bei der Freilegung des Hofes kam eine Tonscherbe zum Vorschein. „Da beißt die Maus keinen Faden ab, sie stammt aus dem 12. Jahrhundert“, berichtet Dr. Ingo Kraft, Referatsleiter Archäologische Denkmalpflege beim Landesamt für Archäologie. Er datiert die Fertigung des Gefäßes auf um 1150. „Der Fund ist damit rund ein Jahrhundert älter als die erste schriftliche Nennung des Königsteins“, so Kraft weiter.

Im Hof der Georgenburg wurde im Zuge der seit Herbst vorigen Jahres laufenden Sanierung des ältesten Teil der sogenannten Westbebauung die ursprüngliche Hofgestaltung wieder freigelegt. Über 30 Zentimeter tief wurde bis zum Teil auf den blanken Sandsteinfels gegraben. Archäologen nahmen das Geschehen genau unter die Lupe. Zum Vorschein kamen neben der Scherbe in Fels gehaune Balkenfalze, Sandsteinpflasterungen, Fundamente und Fundamentreste sowie Traufwasserkanäle. „Die vielen Spuren von Regenwasserabläufen lassen vermuten, dass es hier schon immer Probleme mit Niederschlagswasser gab“, meint Kraft. Mit der Entwässerung haben die Bauleute wegen des steinigen Untergrunds auch bei den jetzigen Sanierungsarbeiten zu kämpfen.

Die Archäologen dokumentierten alle Befunde sorgfältig, die sie in den zurückliegenden acht Wochen machten, vor allem die reichlichen Balkenfassungen, die in den Fels geschlagen sind. „Auf ihnen kam sicher Gebäudeteile zum Stehen“, berichtet Kraft. Was das für Häuser waren und welchen Zwecken sie dienten, kann der Experte noch nicht sagen. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Rekonstruktion nicht möglich“, so Kraft.

Vielleicht gehörten die Balkenfassungen zu Fachwerkhäusern, vermutet Dr. Hartmut Olbrich, Mitarbeiter Fachbüro für Bauforschung Görlitz-Dresden. Er begleitet die grundlegende Sanierung der Georgenburg. „Sie könnten zur Unterbringung von Handwerkern, aber auch als Pferdeställe und Lagerräume gedient haben“, mutmaßt Olbrich.

Von der mittelalterlichen Burganlage sind nur noch wenige Spuren erhalten. Im frühen 17. Jahrhundert erfolgte der Umbau der Burg zu einem kurfürstlichen Jagdschloss. 1619 wurde die Georgenburg in ihrer heutigen Form fertiggestellt. Später diente sie als Staatsgefängnis. Nach dem Abschluss der Sanierung Mitte 2018 kehrt die Verwaltung in die Räume im Obergeschoss zurück. Für das Erdgeschoss hat Festungschefin Dr. Angelika Taube museale Pläne. So wird in einem Teil das Leben der einfachen Festungsbewohner dargestellt, in einem anderen das Thema Staatsgefängnis neu aufbereitet.

Die Sanierung der Georgenburg ist der zweite Bauabschnitt an der Westbebauung. Das Kommandantenhaus, das Torhaus, die Streichwehr sowie das Neue Zeughaus ließ der Freistaat Sachsen bereits in den Jahren 2012 bis 2014 für rund zehn Millionen Euro auf Vordermann bringen. Dort ist die Dauerausstellung der Festung untergebracht. Für die Georgenburg sind Baukosten von circa 2,9 Millionen Euro geplant.

„Die Festung Königstein ist mit ihrer jahrhundertelangen, von einschneidenden Zäsuren wie Kriegszerstörungen verschont gebliebenen Historie ein lebendiges Abbild sächsischer Landesgeschichte“, sagte der sächsische Finanzminister Georg Unland während seines jüngsten Besuchs auf dem Felsplateau. Gleichzeitig sei sie mit ihren mehreren hunderttausend Besuchern im Jahr auch eine Touristenattraktion ersten Ranges. „Die hier getätigten Bauinvestitionen sind somit nicht nur ein Beitrag zum Erhalt unserer Landesgeschichte, sondern auch ein Beitrag zur weiteren Stärkung des Fremdenverkehrs in der Sächsischen Schweiz“, so Unland weiter. Seit 1991 hat der Freistaat rund 63,6 Millionen Euro für den baulichen Erhalt der Wehranlage ausgegeben.

Von Silvio Kuhnert

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