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Winzergenossenschaft Meißen will belasteten Wein an Mitglieder verkaufen

Weinskandal Winzergenossenschaft Meißen will belasteten Wein an Mitglieder verkaufen

Die Winzergenossenschaft Meißen (WG) will einen belasteten Wein an ihre Mitglieder verkaufen. Das geht aus einem Schreiben von Geschäftsführer Lutz Krüger hervor. Die Kritik aus der Winzerschaft lässt nicht lange auf sich warten.

 Die Winzergenossenschaft Meißen (WG) will einen belasteten Wein an ihre Mitglieder verkaufen.

Quelle: dpa

Meissen.  Die Winzergenossenschaft Meißen (WG) will einen belasteten Wein an ihre Mitglieder verkaufen. Das geht aus einem Schreiben von Geschäftsführer Lutz Krüger hervor. Darin verweist er auf einen Dresdner Winzer, der seinen belasteten Wein selbst trinkt und dabei von Behörden der Landeshauptstadt amtlich überwacht wird. Aus Krügers Sicht stellt der Verkauf von gering mit Rückständen unerlaubter Pflanzenschutzmittel belasteten Rivaners, also Müller-Thurgau, des Jahrgangs 2014 ausschließlich an Genossenschaftsmitglieder auch einen solchen Eigenverzehr dar. Der Wein würde dem Flaschenkontingent, also dem Deputat, der Traubenerzeuger nicht angelastet. Er dürfe weder verkauft noch verschenkt werden, steht in dem Schreiben.

Die Landesbehörden wollen die Sache dennoch genauer prüfen lassen: Das Verbraucherschutzministerium hat nach eigenen Angaben die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen bereits gebeten, dass der Weinkontrolleur in der Angelegenheit „unterstützend tätig wird“. Eine Ministeriumssprecherin erklärte weiter, dafür sei die Zusammenarbeit mit dem zuständigen Lebensmittelüberwachungsamt Meißen nötig. Man wisse im Ministerium, dass die Lebensmittelüberwachung des Landkreises sich „auf Nachfrage der Winzergenossenschaft Meißen unter Festlegung von Anforderungen duldend zur Abgabe von gering mit Dimethoat bzw. Iprodion belasteten innerhalb der Winzergenossenschaft an die Mitglieder zu deren Eigenbedarf geäußert hat“.

Ulrich Müller vom Landratsamt teilte auf Anfrage mit: „‘Duldung‘ ist hier das falsche Wort.“ Die Lebensmittelüberwachung habe keine Eingriffsmöglichkeiten, da die privat- und genossenschaftsrechtliche Übergabe von den betreffenden gesundheitlich unbedenklichen Weinen innerhalb der Winzergenossenschaft an Mitglieder kein Inverkehrbringen darstelle. „Insoweit gibt es auch keine formalen Anforderungen an eine mögliche Etikettierung. Der Wein kann beispielsweise auch in loser Form abgegeben werden“, so Müller weiter. Nachgewiesen werden müsse der Eigenverbrauch auch nicht, hieß es weiter aus dem Landratsamt. Die Käufer müssten aber unterschreiben, dass sie den Wein nicht weitergeben.

Das sorgt dennoch für Unruhe unter redlich arbeitenden Weingütern, die nichts mit dem Weinskandal zu tun oder belasteten Weine in aller Öffentlichkeit entsorgt haben, wie die Weinkellerei Jan Ulrich. Kellermeister Ronny Koch sagte: „Ich hätte mir von der Winzergenossenschaft dieselbe Transparenz gewünscht.“ So bestehe aber die Gefahr, dass belastete Weine doch unkontrolliert verteilt würden, befürchtet er. Nach seiner Information dürfen pro Mitglied 24 Flaschen erworben werden. Ob die alle im eigenen Haushalt getrunken werden, sei fraglich.

Sonja Schilg, Chefin von Schloss Wackerbarth, findet ebenfalls klare Worte: „Wir haben das Gefühl, dass sich die Winzergenossenschaft Meißen ihrer Bedeutung für das gesamte sächsische Weinbaugebiet nicht bewusst ist. Die Entscheidung, die belasteten Weine intern zu verkaufen, möge vielleicht den wirtschaftlichen Schaden reduzieren, jedoch werden die Imageschäden des gesamten Weinbaugebiets durch die Weigerung der Winzergenossenschaft, die belasteten Weine – wie in anderen Anbaugebieten Deutschlands üblich – konsequent zu entsorgen und sich von den Tätern zu distanzieren, täglich größer“, sagt sie.

Rivaner des Jahrgangs 2014 hatte die Genossenschaft über einen Discounter angeboten. Die Kette hat den belasteten Wein allerdings unverzüglich nach Bekanntwerden des Weinskandals aus ihrem Sortiment genommen. Ob es sich um denselben Wein handelt, ließ die WG unbeantwortet. Es sei für die Öffentlichkeit „unerheblich, welche Mengen und Sorten vorrätig sind oder welche Übergabebeschränkungen es hierfür gibt“, WG-Chef Krüger. Aus Winzerkreisen hieß es, die Genossenschaft habe bisher ausschließlich den Discounter-Wein als Rivaner vermarktet.

Von Lars Müller

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