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Umland Warum die Wilsdruffer für ihren 153 Meter hohen Funkturm kämpfen
Region Umland Warum die Wilsdruffer für ihren 153 Meter hohen Funkturm kämpfen
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08:52 28.02.2019
Mir Quelle: Daniel Förster
Wilsdruff

Seit über 65 Jahren ragt an der Autobahn A 4 bei Wilsdruff ein großer Funkturm in den Himmel. Den rot-weißen Giganten haben viele Wilsdruffer ins Herz geschlossen. Schließlich gibt ihnen der „Bleistift“, wie die Anwohner den Sendemast liebevoll nennen, nach einer langen Autobahnfahrt stets das Gefühl, wieder zuhause zu sein.

Im April 2013 ist die 153 Meter hohe Antenne vom Netz gegangen, zuletzt hatte sie das Programm von MDR Info ausgestrahlt. Seitdem herrschte weitgehend Funkstille. Nun wurde bekannt, dass der markante Stahlmast noch in diesem Jahr abgerissen werden soll. Für den Turmbesitzer, die Media Broadcast GmbH aus Köln, rechnet sich der Funkturm im Ruhestand nicht mehr. Die Unterhaltungskosten seien laut eigenen Angaben schlichtweg zu hoch. Das Landratsamt Pirna hat bereits die Genehmigung für den Abriss erteilt. Doch aus der Bevölkerung regt sich Widerstand.

Petition soll Abriss verhindern

„Dieser Funkturm ist das wichtigste Wahrzeichen von Wilsdruff und eine Sehenswürdigkeit der Region. Er bedeutet den Einheimischen Heimatverbundenheit. Deswegen kämpfen wir für den Erhalt“, sagt Sabine Neumann. Die stellvertretende Friedensrichterin der Stadt hat in diesem Monat eine Petition gestartet, um das technische Denkmal zu retten.

Die digitale Unterschriftensammlung richtet sich an den Landrat Michael Geisler (CDU), soll ihn zur Rücknahme der Abbruchgenehmigung zwingen. Schon jetzt haben die Petenten über 1800 Unterschriften zusammen. „Die Hälfte der Stimmen für das Quorum haben wir. Ich bin guter Dinge, dass wir in den nächsten vier Wochen die restlichen Unterschriften sammeln können“, sagt Neumann.

Ein Funkmast mit Historie

Technikbegeisterte Bürger sehen im „Bleistift“ ein Objekt von historischer Bedeutung. Am 8. Mai 1954 wurde die Antenne offiziell eingeweiht. Bis in die 1990er Jahre strahlte sie das Programm Radio DDR I aus. Heute steht der Rundfunksender für Mittelwelle auf der Kulturdenkmalliste. Die Gesamtanlage ist als Relikt der Stalin-Ära fast original erhalten.

„Die Antenne ist für uns nicht nur ein ’Begrüßungs-Bleistift’, sondern eben auch ein einer der letzten historischen Funktürme in Ostdeutschland. Als solcher ist sie schützenswert“, sagt Jürgen Juhrig, Vorsitzender des Technikvereins Sender Wilsdruff, der sich für die Erhaltung des Gesamtensembles um den „Bleistift“ einsetzt.

Der Wilsdruffer Bürgermeister Ralf Rother (CDU) versteht indes die Empörung der Stadtbürger: „Der Funkturm hat sich zu einer weithin sichtbaren Landmarke entwickelt. Ein Abriss dieser Landmarke ist mit Emotionen und Geschichten verbunden. Daher ist der Unmut der Bürger absolut nachvollziehbar.“

Unattraktive Kaufbedingungen

Für die Mediengesellschaft ist der ausgediente Sender in Wilsdruff hingegen ein Verlustgeschäft. Das Unternehmen will sich seiner ausgedienten Antenne schon seit 2013 entledigen. Es bestehe kein Bedarf mehr nach Mittelwellenausstrahlung, und baubedingt könne die Antenne nicht für andere Frequenzen genutzt werden, so ein Sprecher von Media Broadcast. Gegen Einwände des Denkmalamtes erklagte man sich vorm Verwaltungsgericht Dresden also die Abbrucherlaubnis.

Zwischenzeitlich stand zwar auch ein Verkauf im Raum, allerdings fand sich kein Käufer für den Funkmast. Allein die jährlichen Unterhaltungskosten – etwa für TÜV-Prüfungen, Reparaturen oder das Nachspannen der Seile – liegen laut Media Broadcast im sechsstelligen Bereich. Obendrein müsste der neue Eigentümer eine Kaution in Höhe von 350 000 Euro zahlen, um einen möglichen Rückbau des Turms zu einem späteren Zeitpunkt gewährleisten zu können.

Verein hofft auf den Freistaat

Der Technikverein Sender Wilsdruff würde die Antenne liebend gern übernehmen, doch fehlen ihm dafür die nötigen Mittel. Nichtsdestotrotz wollen die Mitglieder jetzt alles in ihrer Macht stehende tun, um ihr Wahrzeichen zu erhalten: Auf Initiative des Technikvereins haben sich Hobbyfunker und Radio-Fachleute von Partnervereinen an der Petition beteiligt.

Die Unterstützung geht weit über die Kreisgrenzen hinaus – nur die Hälfte der Unterschriften kommt aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. In der rege genutzten Petition-Kommentarspalte melden sich aktive Unterstützer aus Frankfurt am Main, Hannover oder Wien zu Wort.

„Die Unterschriften dokumentieren das breite Interesse aus der Bevölkerung“, meint Juhrig. „Der große Zuspruch bringt alle Parteien vielleicht dazu, ein gemeinsames Konzept für den Sendemast zu erarbeiten. Man könnte den ’Bleisift’ beispielsweise museal ergänzen, in den Nebengebäuden eine Ausbildungsstätte oder ein Schülerradio einrichten.“ Diesbezüglich sieht der Vereinschef auch den Freistaat in der Verantwortung: „Beim Fernsehturm in Dresden hat es doch auch geklappt – auf einmal ist Geld da. In Wilsdruff wäre der finanzielle Aufwand deutlich geringer.“

Am Donnerstag, 7. März, 10 Uhr, wollen Sabine Neumann und der Technikverein eine Unterschriftenaktion auf dem Marktplatz in Wilsdruff starten.

Hier geht es zur Petition.

Von Junes Semmoudi und Daniel Förster

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