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Umland Wildgehege Moritzburg bekommt neues Wildkatzengehege
Region Umland Wildgehege Moritzburg bekommt neues Wildkatzengehege
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16:45 10.10.2018
Äußerlich ähnelt eine Wildkatze der Hauskatze. Nur genetisch und dem Verhalten nach sind die Unterschiede deutlich. Zwei Wildkatzen werden derzeit in Moritzburg gehalten, künftig sollen es drei sein. Quelle: Uwe Hofmann
Moritzburg

Scheinbar müde blinzelt die Wildkatze in die Sonne, streckt sich ein bisschen und macht sich dann doch noch auf, um sich eine von der Pflegerin im Gehege ausgelegten Mäuse zu schnappen. Ganz wie ihre engen Verwandten, die Stubentiger, lässt sich eine Wildkatze auch gern etwas bitten, ehe sie über ein hingehaltenes Stöckchen springt. Was in diesem Fall meint, dass sie als Motiv für die zahlreichen Fotografen herhält.

Diese interessieren sich aus mehreren Gründen für das possierliche, mitunter aber auch kratzbürstige Tier: Die Wildkatzen im Wildgehegen Moritzburg bekommen ein neues Zuhause. Ende des Jahres steht der Umzug in das neue Gehege an, das derzeit auf 500 Quadratmetern für rund 150 000 Euro entsteht. Zu den momentan zwei Wildkatzen soll dann eine dritte hinzukommen, sagt Markus Biernath, der als Forstbezirksleiter Dresden auch für das Wildgehege zuständig ist. Dann wolle man auch eine Zucht der seltenen Tiere starten, die in Sachsen wieder im Vogtland, im Leipziger Auenland und in der Dübener Heide in freier Wildbahn vorkommen.

Neben Elchen, Luchsen, Rehen und Wölfen darf beim Rundgang durchs Wildgehege eine Stippvisite bei den Wildschweinen nicht fehlen. Quelle: Uwe Hofmann

Für das Wildgehege bedeutet das neue schmucke Wildkatzenareal mit Besucher- und Pflegerbereich auch so etwas wie ein selbstgemachtes Geburtstagsgeschenk. Im November ist es genau 60 Jahre her, dass im Wald bei Moritzburg das Wildgehege gegründet wurde. Dabei reicht seine Geschichte viel weiter zurück, wie Biernath betont. Das bemerken Besucher auch, wenn sie unter dem Laub alter Bäume die Augen offen halten. Zu sehen gibt es dort neben allerlei heimischen Tieren wie Wolf, Wildschwein und Luchs auch die Relikte vergangener Zeiten. Etwa einen schmalen, aus Natursteinen gemauerten Treibgang, durch den im 16. Jahrhundert Tiere getrieben wurden – genau vor die Flinten der adeligen Gesellschaft. „Treibjagden waren damals große Feste der höfischen Gesellschaft“, sagt Biernath. Bei denen zur allgemeinen Belustigung abgeknallt wurde, was zuvor eine enorme Anzahl Bediensteter sogar aus dem im Erzgebirge liegenden Wäldern nach Moritzburg ins Gehege getrieben hatte.

Andere Zeiten. Heute soll das Wildgehege vor allem über die heimischen Wildtiere aufklären, Waldpädagogik betreiben. Das geschieht etwa in einem Besucherinformationszentrum am Wolfsgehege, wo seit 2016 in sehenswerter Weise über Isegrim informiert wird. Von den dortigen Panoramafenstern ist auch ein ungefährdeter Blick auf den grauen Waldbewohner möglich.

In letzter Zeit bemüht man sich beim Sachsenforst etwas mehr, auch den Spaß nicht zu kurz kommen zu lassen. Einen Spielplatz für 30 000 Euro konnte man dieses Jahr zum Kindertag einweihen, ein weiterer und auch ein Streichelgehege seien geplant, sagt Biernath. Zudem begrüßen seit 2015 afrikanische Zwergziegen mit eigenem Kletterfelsen Besucher am Eingang. Die gehören zwar nicht zur hiesigen Fauna, sind aber hübsch drollig und „etwas, das jeder Zoo braucht“, wie der Forstbezirksleiter sagt. Man geht mit der Zeit – auch das ist eine Lehre der letzten 60 Jahr. Dazu gehört auch, dass das Empfangsgebäude aus den 1990er Jahren aufgehübscht und erweitert werden soll, etwa um einen Raum für die Waldpädagogik. Zuvor müssen allerdings noch einiges geplant werden, wie Biernath sagt.

Das mit den Planungen ist allerdings – Stichwort Denkmalschutz in der Kulturlandschaft Moritzburg – keine so einfache Sache. Deshalb dauert es auch ein Vierteljahr länger, bis die Wildkatzen ihren engen Bau aus DDR-Zeit verlassen können. Man habe einfach zu lange auf die Baugenehmigung gewartet, sagt Biernath. Dennoch gehe die sukzessive Erneuerung der Gehege weiter. Im nächsten Jahr sei etwa ein neuer Bau für die Füchse und Dachse geplant.

Service

Ort: Wildgehege Moritzburg, Radeburger Straße 2

Öffnungszeiten: März bis Oktober täglich 10 bis 18 Uhr; November und Dezember täglich 9 bis 16 Uhr (24. und 31. Dezember 9 bis 13 Uhr); Januar und Februar nur sonnabends und sonntags sowie am 1. Januar und in den Winterferien von 9 bis 16 Uhr

Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro; Jahreskarten kosten 25 Euro, ermäßigt 12,50 Euro

Ferien: jeden Mittwoch Kreativangebote mit Partnern des Wildgeheges

Veranstaltungen im Festjahr 60 Jahre Wildgehege:

3. November: Thementag Jagd mit Hundepräsentation

23. November: Festveranstaltung zum offiziellen Gründungstag in Adams Gasthof Moritzburg, Programm mit Vorträgen rund ums Thema Wildtiere und Wildtierhaltung

Von Uwe Hofmann

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