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Umland Wie Regierungschef Kretschmer einen heimlichen Berufswunsch erkennen lässt
Region Umland Wie Regierungschef Kretschmer einen heimlichen Berufswunsch erkennen lässt
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22:17 07.03.2018
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU, rechts) unterhält sich in den Glaswerkstätten Frank Ahne GmbH Pirna mit Geschäftsführer und Inhaber René Herbst (li.) sowie OB Klaus-Peter Hanke. Quelle: Daniel Förster
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Pirna

Als Sachsens neuer Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am späten Mittwochnachmittag die Glaswerkstätten Frank Ahne GmbH in Pirna verließ, gab er sich begeistert, begeistert von dem, was er dort gesehen hatte und was die Firma so alles leistet.

„Ich hätte vielleicht auch gern Glasbauer gelernt“, sagte der Regierungschef nach seiner Stippvisite. Den ganzen Tag weilte der 42-Jährige am Mittwoch im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Am Vormittag hatte er sich im Schloss Sonnenstein, wo die Landkreisverwaltung sitzt, mit Landrat Michael Geisler (CDU) und den Rathaus-Chefs getroffen, bevor er im Pirnaer Gewerbegebiet „An der Kunstseide“ einen Zwischenstopp einlegte.

Beruf mit vielen Perspektiven

Glasbau hat Zukunft, stellte Kretschmer fest. Wie man an diesem Betrieb sehen könne, biete der Beruf viele Perspektiven. Man könne in die Forschung gehen, könne studieren, Architektur zum Beispiel. Und doch ist Glaser kein gängiger oder gar gefragter Beruf.

Geschäftsführer René Herbst (47) sucht händeringend Lehrlinge. „Wir haben schon einiges versucht. Aber wir finden keinen Auszubildenden.“ Allgemein falle es dem Handwerk vor allem in spezifischen Gebieten schwer, Auszubildende oder Fachkräfte zu finden.

Lob von der Kanzlerin

Obwohl: Das, was die Firma produziert, kann sich sehen lassen. Zum Beispiel die Dachkonstruktion über dem Innenhof des Berliner Reichstagspräsidentenpalais ist ein Werk von GlasAhne. „Laut Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist es das einzige Glasdach im Gebäudeensemble, wo es nicht reintropft“, verkündete Herbst stolz. „Das ist wirklich so. Im Bundestag stehen überall Eimer“, pflichtet ihm Kretschmer bei.

Den beruflichen Nachwuchs hätte der Ministerpräsident im Fokus. Das Kultusministerium wolle eine Ausbildungsoffensive starten und auch das Wirtschaftsministerium sich einklinken.

Firmenchef: Handwerk darf nicht aussterben

Bei seinem Besuch wurde Michael Kretschmer mit vielen Wünschen konfrontiert. Herbst sprach für viele Unternehmer. Die Schüler müssten schon in der Schule darauf getrimmt werden, mal in Handwerksbetriebe zu gehen. „Es ist wichtig, dass es weiterhin Möglichkeiten gibt, kleine und mittlere Firmen zu unterstützen. Machen Sie sich stark und versuchen Sie, mehr für das Handwerk zu tun. Es darf nicht aussterben.“

Nicht jeder würde wie GlasAhne in den Genuss von Fördermitteln kommen. Er hätte es mit seinem Team geschafft, aus einem Handwerksbetrieb die Vorstufe eines Industriebetriebs zu machen. Das gelänge nicht jedem. „Es gibt sehr viele Handwerksbetriebe die sicherlich auch investieren würden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Dies würde aber häufig die finanziellen Möglichkeiten überfordern.

Forderung nach mehr Sicherheit im Land

Carola Herbst, die mit in der Firma arbeitende Ehefrau des Chefs (Auftragsmanagement, Buchhaltung, Personalwesen) spricht aus, was Kretschmer auch am Abend beim „Sachsengespräch“ in der Neustadthalle in Neustadt/Sachsen zu hören bekommt. „Ich möchte gern mehr Sicherheit im Land“, fordert die 40-Jährige.

Straftaten, die „verbockt werden, müssen auch ordentlich bestraft werden und nicht dass Täter – egal, ob Zuwanderer oder nicht – einen Freibrief bekommen.“ Im Staat müssten wieder „Ehrfurcht und Tugenden“ eine viel größere Rolle einnehmen. „Das ist uns in der Vergangenheit sehr verloren gegangen.“

Kretschmer: Strafe muss auf dem Fuß folgen

Politik sei da immer etwas hinterher, so der Ministerpräsident. Das Ziel sei aber klar. „Mir dauert es zulange. Wenn zwischen der Tat und der Verurteilung ein Jahr vergeht, ist das Mist.“ Damit die Verfahren schneller gehen, würden mehr Polizisten und Staatsanwälte eingestellt. Die Strafe müsse auf dem Fuß folgen.

Natürlich käme ein Teil der Kriminalität von Flüchtlingen. „Deswegen haben wir auch die Gesetze verschärft, so dass der Asylanspruch schneller verwirkt ist.“ Bei Einbruchdiebstählen in Wohnungen, die zugenommen hätten, soll auch konsequent vorgegangen werden: „Mindeststrafe ein Jahr. Und wenn ein Ausländer als Beschuldigter ermittelt wird, dann müsse das auch so benannt werden.“

Von Daniel Förster

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