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Werksleiter Dittrich: „P1-Anlage ist nicht gefährlicher als eine Tankstelle“

Wiederaufbau nach Explosion im Chemiewerk Werksleiter Dittrich: „P1-Anlage ist nicht gefährlicher als eine Tankstelle“

Das Chemieunternehmen Schill & Seilacher hat am Donnerstag über die Sicherheitstechnik der neuen P1-Anlage informiert. So gebe es zwar kein Nullrisiko, aber eine Havarie mit Folgen wie am 1. Dezember 2014, als es zu einer Explosion mit einem Todesopfer kam, schließt der Werksleiter für die Zukunft aus.

Auf drei Veranstaltungen, jeweils für Presse, Stadträte und Einwohner, versuchte Werksleiter Dr. Uwe Dittrich Bedenken gegen das Chemiewerk und den Wiederaufbau der P1-Anlage auszuräumen.
 

Quelle: Silvio Kuhnert

Pirna.  In der Diskussion um den Wiederaufbau der Produktionsanlage P1 hat sich das Chemieunternehmen Schill & Seilacher nun an die Öffentlichkeit gewandt. Am Donnerstag unterstrich auf einer Pressekonferenz Werksleiter, Dr. Uwe Dittrich die Bedeutung der aus fünf Rührkesseln bestehenden Gerätschaft für den Betrieb im Pirnaer Ortsteil Neundorf: „Es ist die modernste und wichtigste Anlage am Standort.“ Mit den auf ihr gefertigten Produkten werde die höchste Wertschöpfung generiert. Sprich sie ist existenziell für den Fortbestand des Chemiewerks mit 130 Mitarbeitern sowie weiteren 30 Beschäftigten von Fremdfirmen.

Seit Dezember 2016 liegt dem Landratsamt Pirna als Genehmigungsbehörde der Antrag zur Wiedererrichtung der P1-Anlage vor. Diese wurde bei einer Havarie am 1. Dezember 2014 zerstört. Bei der Explosion gab es ein Todesopfer sowie vier Schwerverletzte. Trümmerteile flogen auf benachbarte Grundstücke und Gebäude. Die Stadt Pirna pocht daher auf die Umsetzung erhöhter Sicherheitsvorkehrungen und wollte anfangs das sogenannte gemeindliche Einvernehmen zu dem Vorhaben verweigern. Jetzt ist sie unter Vorbehalt bereit, es zu erteilen. Voraussetzung allerdings ist, dass die Forderungen, Hinweise und Empfehlungen des sicherheitstechnischen Gutachtens nachweislich umgesetzt werden, die Gebäudehülle so hergestellt wird, dass bei einer erneuten Havarie nicht wieder Teile sowie das Dach durch den Ort fliegen, und dass die Öffentlichkeit an dem Genehmigungsverfahren beteiligt wird. Mit dem Thema beschäftigt sich nächsten Donnerstag der Bauausschuss.

Werksleiter Dittrich versicherte, dass sich eine Havarie wie vor über zwei Jahren nicht wiederholen könne. Ein Nullrisiko gebe es zwar nicht, aber auf der neuen und verbesserten P1-Anlage kommen Rohstoffe und Reaktionen mit jenem hohen Gefährdungs- und Energiepotenzial wie am Unglückstag in 2014 nicht mehr zum Einsatz. Schill & Seilacher hatte damals die Herstellung eines neuen Flammschutzmittels getestet. Durch menschliches Versagen, unter anderem wurden die Ausgangsstoffe falsch gemischt, geriet die Reaktion außer Kontrolle. Das Gemisch trat aus dem Reaktor aus. Bei der Verbindung mit Sauerstoff kam es zur Explosion und einem Feuerball. Die Erforschung und Produktion des Flammschutzmittels wurde eingestellt.

Auf der Anlage sollen modifizierte Silikone, Estern, Seifen und Salze für die Schaumstoff-, Bau-, Textil-, und Lederindustrie sowie für Kosmetik produziert werden. Im Falle einer erneuten Havarie schließt Dittrich eine Reaktion dieser Stoffe mit Sauerstoff wie 2014 aus. „Die Anlage ist nicht gefährlicher als eine Tankstelle oder ein Heizkessel im Haus“, meint der Chef. Die künftige Gebäudehülle soll ein Prüfstatiker unter die Lupe nehmen. Seine Empfehlung entscheidet, ob um die P1-Anlage wieder nur ein Blechbau oder ein massiver Bau aus Stahlbeton kommt.

Von Silvio Kuhnert

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