Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Umland Wenn eine Juristin Uhren montiert
Region Umland Wenn eine Juristin Uhren montiert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:51 08.07.2016
Die Absolventen Birgit Schönfeldt und Robert Löwe mit Yann Gamard, Geschäftsführer von Glashütte Original.  Quelle: Foto: Lutz Hauptvogel
Anzeige
Dresden

 Birgit Schönfeldt könnte als Rechtsanwältin arbeiten. Sie hat das schwere Jura-Studium absolviert und zwei Staatsexamen bestanden. „Als ich mit meinen Eltern im Müglitztal wandern war, haben wir ÷das Uhrenmuseum besucht. Das hat mich fasziniert. Ich wusste, dass ich etwas mit Uhren machen wollte“, erklärt die 31-Jährige, warum sie Paragrafen und Gesetzbücher mit kleinen Zahnrädern, Unruhkloben oder winzigen Schrauben tauschte.

„Ich habe mich für eine Lehre beworben und den Einstellungstest absolviert“, erklärt die junge Frau. Einige ihrer künftigen Lehrausbilder hätten etwas irritiert geblickt, als sie ihren Werdegang schilderte. „Hin und wieder musste ich mich schon rechtfertigen“, sagt die Dresdnerin, die jetzt ihr Abschlusszeugnis überreicht bekam. Mit einem Notendurchschnitt von 1,2 ist sie die Beste der 20 Auszubildenden der Manufaktur Glashütte Original.

Das Lernen sei für jemanden, der sich durch ein Jura-Studium gekämpft hat, kein Problem gewesen, sagt die Jung-Uhrmacherin. „Aber das Handwerkliche war schon eine Herausforderung.“ Schon einen Tag nach der Zeugnisübergabe beginnt für die Juristin der Arbeitsalltag: Sie wird im Kundendienst von Glashütte Original arbeiten. „Das liegt bei uns in der Familie“, lächelt Mutter Brigitte Schönfeldt, „wir haben alle etwas anderes gemacht, als uns vorgegeben wurde.“ Näherin hatte die Mutter einst gelernt, ehe sie studierte und sich schließlich mit einem Modehaus selbstständig machte.

„Sie hat den richtigen Beruf erlernt“, ist auch Yann Gamard überzeugt, der Geschäftsführer von Glashütte Original. „Sie hat ein Gefühl für Schönheit, das sie als Juristin nicht ausleben kann.“ Drei Jahre dauere die Ausbildung, drei Jahre müssten Jung-Uhrmacher eingearbeitet werden. „Eine Investition in die Zukunft der Manufaktur“, so Gamard. Zumal 18 Absolventen Glashütte Original erhalten bleiben. 17 als Uhrmacher, während eine junge Frau nach dem Berufsabschluss ein Studium aufnimmt und dann in die Manufaktur zurückkehrt. „Ein guter Jahrgang“, findet der Geschäftsführer „es ist nicht so einfach, zwei Klassen auszubilden.“

Das bestätigt Manufaktur-Sprecher Michael Hammer. Jahr für Jahr sei es eine Herausforderung, geeignete Bewerber für die Lehrstellen zu finden. Ein erfolgreicher Realschulabschluss sei eine Grundbedingung, viele Auszubildende würden aber bereits einen Berufsabschluss oder eben sogar ein Studium wie Birgit Schönfeldt mitbringen. Robert Löwe hat bei den Dresdner Stadtwerken (Drewag) Mechatroniker gelernt und bei einem Automobilzulieferer in Freiberg gearbeitet, ehe er sich bei Glashütte Original bewarb. „Uhrmacher war schon immer mein Traum. Wenn ich es vor drei Jahren nicht probiert hätte, wäre es zu spät gewesen“, sagt der 28-Jährige, der auch ohne eine Pause von der Lehre in den Kundendienst der Manufaktur wechselt. Auch er schloss die Lehre mit „sehr gut“ ab – grundsätzliche Arbeiten wie das Drehen seien kein Neuland für ihn gewesen, wenn er auch mit größeren Werkstücken gearbeitet habe.

Am 1. August beginnt laut Hammer das neue Lehrjahr bei Glashütte Original. Dann werden 17 junge Menschen ins Berufsleben starten. 14 werden zu Uhrmachern und drei zu Werkzeugmachern ausgebildet. Wer sich anstrengt, hat seinen Arbeitsplatz sicher: Absolventen mit einer „2“ auf dem Abschlusszeugnis oder besser erhalten ein Übernahmeangebot, so der Manufaktursprecher.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Umland Am Sonnabend steigt der 5. CSD auf dem Marktplatz - Regenbogenfahne weht in Pirna

Pirna setzt am kommenden Sonnabend ein Zeichen für Vielfalt. Zum bereits fünften Mal steigt der Christopher Street Day auf dem Marktplatz.

07.07.2016

Die Dresdner Theatertruppe Spielbrett geht wieder auf Tour. Wie Schauspieler in alten Zeiten reisen sie mit einem Planwagen, der von zwei Pferden gezogen wird, vom 23. bis 30. Juli durch den Tharandter Wald und das Osterzgebirge. 25 Darsteller sind dabei, wie eine Sprecherin der Truppe sagt. Sie zeigen ihre neue Inszenierung von William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“.

07.07.2016
Umland Zwei Sonderausstellungen zum Jubiläum - Seit 110 Jahren besteht das Heimatmuseum in Dohna

Das Heimatmuseum Dohna wurde vor 110 Jahren gegründet. Gleich zwei Sonderausstellungen sind diesem Jubiläum gewidmet. Zu sehen ist auch eine Burg, mit der es die Burggrafenstadt in einen Defa-Film schaffte.

07.07.2016
Anzeige