Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Weinskandal führt zu drastischem Umsatzverlust

Schloss Proschwitz auf Konsolidierungskurs Weinskandal führt zu drastischem Umsatzverlust

Die unerlaubten Pflanzenschutzmittel in sächsischen Weinen werden den Weingütern im Elbland nach Einschätzung von Georg Prinz zu Lippe Umsatzeinbußen von etwa einer Million Euro bescheren. „Die Winzergenossenschaft nicht mitgerechnet“, sagt der Inhaber von Sachsens größtem Privatweingut Schloss Proschwitz.

Proschwitz-Kellermeister Jacques du Preez will die Sektproduktion ausbauen.

Quelle: Lars Müller

Meissen. Die unerlaubten Pflanzenschutzmittel in sächsischen Weinen werden den Weingütern im Elbland nach Einschätzung von Georg Prinz zu Lippe Umsatzeinbußen von etwa einer Million Euro bescheren. „Die Winzergenossenschaft nicht mitgerechnet“, sagt der Inhaber von Sachsens größtem Privatweingut Schloss Proschwitz. Vom Freistaat erwartet der Geschäftsmann deshalb Unterstützung für die gesamte Weinbaubranche. Eine Imagekampagne, die Wein und Tourismus verbinde, könnte helfen, die Folgen des Weinskandals und der Negativschlagzeilen rund um Pegida zu überwinden, so zur Lippe. Viele Weingüter mit Beherbergung und Gastronomie sind auf auswärtige Gäste angewiesen.

Obwohl Schloss Proschwitz nach eigenen Angaben nichts mit dem Weinskandal zu tun hat, spüre der Betrieb noch immer eine stagnierende Nachfrage und Verunsicherung bei Verbrauchern und Gastronomen. Der Freistaat habe es versäumt, die verbindliche Vollkontrolle aller Qualitäts- und Prädikatsweine so zu kommunizieren, dass die Verbraucher auch verstehen, dass nur noch einwandfreie Weine auf den Markt kommen. Er selbst habe auf diese – vom Steuerzahler finanzierten – Kontrollen auf Rückstände von 300 Pflanzenschutzwirkstoffen im Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerium persönlich gedrungen.

Nach dem schnellen Wachstum in den vergangenen Jahren befindet sich Schloss Proschwitz in einer Art Konsolidierungsphase, ohne zu expandieren. Von den knapp 100 Hektar Rebfläche stehen derzeit 80 Hektar im Ertrag. Der Rest wird verjüngt und umstrukturiert.

Der Betrieb setzt weiter überwiegend auf traditionelle Rebsorten, wie Weiß- und Grauburgunder, Goldriesling sowie Elbling. Man wolle aber auch Chardonnay ausprobieren, so Außenbetriebsleiter Walter Beck. Mit dieser weltweit bekannten Rebsorte habe Proschwitz den internationalen Markt im Blick.

Neu auf den Weinbergen steht Schwarzriesling, der in Sekten verarbeitet werden soll. Kellermeister Jacques du Preez erklärt, das Weingut wolle künftig mehr Sekt anbieten und viel davon komplett selbst herstellen. Der gebürtige Südafrikaner spricht von bis zu 20 000 Flaschen. „Wir wollen keinen Champagner machen, sondern deutschen Sekt“, beschreibt du Preez seine Philosophie.

Neben seinen Spitzenweinen als Prädikatsweingut will Proschwitz auch die vor einem Jahr vorgestellte Einsteigerlinie des Weinhauses zu Proschwitz ausbauen – und vorerst ausschließlich eigene Trauben verwenden. Inhaber zur Lippe schweben künftig zwei Weine für „deutlich unter zehn Euro vor“, um junge Kundschaft „zu angeln“, wie er sagt. Mehrere Likörweine nach Art eines Ports werden ausprobiert, ebenso ein Grauburgunder mit 20-stündiger Maischestandzeit. Die Scheurebe soll wieder Korkverschlüsse erhalten, damit sie sich nach dem Füllen besser entwickeln könne als in den Flaschen mit Schraubern.

Gegen den stagnierenden Absatz in der Region versucht Proschwitz neue Auslandsmärkte, wie China und Hongkong, zu erschließen. Bisher liegt der Exportanteil bei 6,5 Prozent von der Gesamtmenge. Hauptabsatzgebiet sei nach wie vor die Region zwischen Ostsee und Sachsen, so zur Lippe. Im Westen Deutschlands macht Proschwitz nach Angaben von zur Lippe derzeit noch weniger als 20 Prozent seines Umsatzes. Diesen Anteil will der Weingutschef mittelfristig auf 30 Prozent steigern. Durch die verkleinerte Rebfläche wurde die Außenbetriebsmannschaft um drei Mitarbeiter verkleinert. Damit arbeiten 20 Beschäftigte in den Weinbergen.

Proschwitz will seine Rebflächen künftig noch nachhaltiger bewirtschaften. Seit Jahren gibt es dafür eine Testfläche mit biologischer Bewirtschaftung. Die Erfahrungen von diesem linkselbischen Versuchsfeld will man – sofern praktikabel – auf die übrigen Lagen übertragen.

In diesem Jahr rechnet Georg zur Lippe, 500 000 bis 550 000 Flaschen Wein und Sekt auf den Markt zu bringen. Direkt am Schloss Proschwitz soll eine neue Vinothek entstehen.

Von Lars Müller

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Umland

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

16.12.2017 - 12:34 Uhr

Die Schwarz-Gelben wollen nach dem Auswärtserfolg bei Aufstiegsaspirant Union Berlin ihre Siegesserie auch in Duisburg fortsetzen.  Alle Infos und Tore gibt es im Liveticker.

mehr