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Weinskandal: Rebensaft ist Fall fürs Gericht

Unerlaubte Rückstände Weinskandal: Rebensaft ist Fall fürs Gericht

Knapp zwei Jahre nach Bekanntwerden des Weinskandals sind gerichtliche Verfahren anhängig. Das teilten das Landratsamt Meißen und die Landesdirektion Sachsen mit. Es gehe darum, Weine mit Rückständen unerlaubter Pflanzenschutzmittel doch noch in den Verkauf bringen zu dürfen.

Die Weinkellerei Jan Ulrich hat inzwischen alle belasteten Weine entsorgt und reinen Tisch gemacht.
 

Quelle: Lars Müller

Meissen.  Knapp zwei Jahre nach Bekanntwerden des Weinskandals sind gerichtliche Verfahren anhängig. Das teilten das Landratsamt Meißen und die Landesdirektion Sachsen mit.

Ein Sprecher der Landesdirektion erklärte auf Nachfrage, es gehe darum, Weine mit Rückständen unerlaubter Pflanzenschutzmittel doch noch in den Verkauf bringen zu dürfen. „Diese Weine sind nach unserem Kenntnisstand noch in Tanks gelagert und weiterhin betrieblich gesperrt“, so der Sprecher. Den Angaben zufolge habe die Lebensmittelüberwachung (Lüva) des Landkreises Meißen auf eine zusätzliche amtliche Sperre verzichtet.

Landesbehörden hatten eine Nulltoleranz-Grenze bei Rückständen im Weinbau nicht erlaubter Pflanzenschutzmittel erlassen – unabhängig davon, ob gesundheitsgefährdend oder nicht. Das hatten einige Weinbauern stets bemängelt und auf abweichende Grenzwerte in Obstsäften verwiesen. Der sächsische Weinskandal, der im September 2015 bei einer zufälligen Traubenprobe bekannt und schließlich Ende Januar 2016 öffentlich wurde, ist noch immer nicht aufgearbeitet.

Welche Menge belasteter Weine noch in den Kellereien liegt, darüber schweigen die Behörden. „Die Gesamtmenge ist für die Kreisbehörde unerheblich und nicht Aufgabe der Lebensmittelüberwachung“, begründet eine Sprecherin des Landratsamtes Meißen und erklärt ferner: „Weine, die über eine AP-Nummer verfügen (die Qualitätsweinprüfung bestanden haben, Anmerkung der Redaktion), sind bis zum Jahrgang 2015 frei verkehrsfähig, auch wenn sie Spuren untersagter Pflanzenschutzmittel enthalten.“

Letztendlich ruderte das Landratsamt jedoch zurück und räumt nun doch ein, „seitens des Lüva erging die Auflage, vor Aufhebung der betrieblichen Sperre das Fachamt zu benachrichtigen.“ Eine Entsorgung dieser Weine müsse per Beleg nachgewiesen werden. „Entsorgungsbelege für die einzelnen Weine wurden eingesehen, die Landesdirektion wurde dazu stets zeitnah informiert.“

Nicht verkehrsfähiger Wein, also ab Jahrgang 2016, sei bisher nicht zum Eigenverbrauch angemeldet worden. Dem Landratsamt lägen aber weiterhin keine Daten zur Gesamtmenge der belasteten Weine vor.

Diese Aussage hält ein Sprecher der Landesdirektion für falsch und kontert: Man gehe „weiterhin davon aus, dass dem Lüva Angaben zu noch gesperrtem Wein, zu zwischenzeitlich aufgehobenen Sperrungen und zu entsorgten Weinen vorliegen.“ Nach Kenntnis der Landesdirektion wurden den Angaben zufolge bis dato „Weine zum Eigenverbrauch genutzt, denen vor Bekanntwerden nicht zugelassener Pflanzenschutzmittelgehalte bereits eine amtliche Prüfnummer im Rahmen der Qualitätsweinprüfung erteilt worden war“. Das war bis zum Jahrgang 2015 möglich. Es sind also Weine, die bereits abgefüllt waren.

Fest steht offenbar, dass die Weinkellerei beziehungsweise das Weingut Jan Ulrich alle belasteten Weine aus dem Betrieb entsorgt und damit reinen Tisch gemacht hat. Darauf lassen entsprechende Angaben der Behörden schließen. Das Unternehmen selbst hat seinen bisher offenen Umgang mit den Pannen aber aufgegeben und ließ eine Anfrage dazu unbeantwortet.

Transparenter agiert die Landeshauptstadt Dresden. Dort hatte der Weinbauer Stefan Bönsch im Stadtteil Langebrück nach eigenen Angaben ein nicht eindeutig deklariertes Pflanzenschutzmittel gespritzt und schließlich ein Problem mit einem seiner Weine. Aus dem Rathaus hieß es ohne Nennung des Unternehmens: „Der Wein wurde zwischenzeitlich unter Aufsicht des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes der Landeshauptstadt Dresden entsorgt.“

Glaubt man Angaben aus der Winzerbranche, wurde im Elbland belasteter Wein auch als sogenannter Verbrauchswein für die Verarbeitung zu Industriealkohol verkauft und damit aus der Welt geschafft. Auch größere Mengen nicht belasteter, aber offenbar schwer verkäuflicher Weine sollen zur weiteren Verarbeitung an Großkellereien geliefert worden sein.

Nach Angaben aus dem sächsischen Verbraucherschutzministerium wurden etwa 550 000 Liter Wein von sieben Betrieben „als mit Rückständen unerlaubter Pflanzenschutzmittel belastet von den Behörden identifiziert.“ Seit 2016 fischt eine verbindliche Vollkontrolle aller Prädikats- und Qualitätsweine solche belasteten Tropfen zuverlässig aus dem Verkehr.

Von Lars Müller

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