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Weingut Schloss Proschwitz setzt auf Bio

Weingut Schloss Proschwitz setzt auf Bio

Auf den fruchtbaren Lehmböden der Lommatzscher Pflege betreibt das Weingut Schloss Proschwitz des Prinzen zur Lippe eine Versuchsfläche für den biologischen Weinbau, jedoch zunächst ohne Zertifizierung.

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Qualitätsmanager Christoph Reiner zeigt eine Versuchsanlage, in der die Rebstöcke nur wenig geschnitten werden.

Quelle: Lars Müller

Zadel/Jesseritz. Bereits seit fünf Jahren verzichtet Bereichsleiter Steffen Seiler, ein überzeugter Anhänger naturnahen Lebens, auf synthetischen Dünger und Pflanzenschutz.

Begonnen wurde nach Angaben von Unternehmenssprecherin Alexandra zur Lippe auf einer Fläche von etwa drei Hektar. Nach und nach sei die Fläche erweitert worden, erklärte die Prinzessin. Inzwischen stehen Früh- und Spätburgunder, Dornfelder, Weiß- und Grauburgunder sowie Riesling auf etwa zwölf Hektar.

Seiler hält sich bei der Bewirtschaftung strikt an die Regeln des biologischen Weinbaus, bei dem nur Mittel auf Kupfer- und Schwefelbasis zugelassen sind. Doch selbst die setzt Seiler nach eigenen Angaben nur gezielt und in möglichst geringen Mengen ein. Stattdessen versucht er, mit sogenannten effektiven Mikroorganismen (EM) und Biokohle den Boden zu verbessern.

Die Stärkung der Reben steht beim biologischen Anbau im Vordergrund - Vorbeugung statt Bekämpfung der gefürchteten Pilzkrankheiten. Seiler verweist darauf, dass die fruchtbaren Böden noch immer von der intensiven Landwirtschaft früherer Zeiten geprägt seien. Auf Fragen danach, ob biologischer Anbau überhaupt funktioniere, reagiert Seiler mit Unverständnis und ziemlich gereizt. Jahrhundertelang hätten Menschen ihren Wein und andere Lebensmittel ausschließlich so angebaut. Wieso solle es ohne synthetische Chemie heute nicht mehr funktionieren, sagt er.

"Wir hängen den Versuchsanbau nicht an die große Glocke", so Qualitätsmanager Christoph Reiner. Man wolle Erfahrungen sammeln, um bei Auftreten von Mehltau schnell handeln zu können. Bisher habe man jedoch lediglich in einem Fall mit konventionellen Spritzmitteln "die Notbremse" ziehen müssen, sagt der Biologe. Ein Vergleich habe gezeigt, dass biologischer Pflanzenschutz in diesem Fall jedoch ebenso effektiv wirke.

Reiner betont, dass biologischer Weinbau besonders personalintensiv sei. Die Mitarbeiter müssten zudem schnell und flexibel einsetzbar sein. Zugleich senke allerdings der geringere Einsatz teurer Pflanzenschutzmittel die Betriebskosten. Unternehmenssprecherin Alexandra zur Lippe betont, dass in naher Zukunft keine offizielle Bio-Zertifizierung der Versuchsfläche geplant sei. Vielmehr wolle das Unternehmen noch mindestens fünf Jahre Erfahrungen sammeln. Mittelfristig strebe das Weingut jedoch einen kompletten Umstieg auf Bio an. "Das werden in Zukunft immer mehr Kunden erwarten", ist die Unternehmenssprecherin überzeugt. Bis zur Umstellung könnten jedoch noch zehn Jahre oder mehr vergehen. Man befinde sich noch am Anfang.

Mit zwölf Hektar - immerhin etwa ein Zehntel der Rebfläche der Unternehmensgruppe des Prinzen zu Lippe in Sachsen - ist der biologische Versuchsanbau bei Jesseritz jedoch auch heute schon eine wirtschaftliche Größe. Auch künftig will das Weingut Schloss Proschwitz vor allem auf traditionelle Sorten, insbesondere Burgunder, setzen und nur wenige pilzwiderstandfähige Neuzüchtungen kultivieren.

Naturnahen Weinanbau testet das Unternehmen auch mit sogenannter Minimalerziehung, bei der die Rebstöcke weniger stark zurückgeschnitten werden. Dadurch würden die recht wild aussehenden Weinstöcke widerstandfähiger, sagt Reiner. In Jesseritz auf der Versuchsfläche wird der vorrangig für Traubensaft verwendete Dornfelder ohne starken Schnitt kultiviert. Nahe des Schlosses Proschwitz gibt es noch eine konventionell bewirtschaftete Elbling-Anlage in Minimalerziehung, die sich durch eine lockere und damit weniger anfällige Traubenstruktur auszeichnet.

Qualitätsmanager Reiner und Bereichsleiter Seiler blicken bereits in die fernere Zukunft: So kann sich Reiner eine biodynamische Bewirtschaftung als höchste Form des biologischen Weinbaus vorstellen. Seiler wiederum hält es für denkbar, zumindest einzelne Weine in sogenannter Spontanvergärung auszubauen. Dabei werden nur sogenannte wilde Hefen genutzt, die natürlich im Weinberg auf den Trauben vorkommen.

In Sachsen setzen nach Angaben des regionalen Weinbauverbandes immer mehr Winzer auf naturnahen Anbau. Aus Kostengründen und wegen der hohen Dokumentationsaufwandes verzichteten jedoch die meisten Weinbauern auf ein Bio-Zertifikat. Weine unter offiziellem Bio-Label bieten bisher nur das städtische Weingut Hoflößnitz in Radebeul und das Weingut Schuh in Sörnewitz an. Nur knapp elf von 456 Hektar Ertragfläche sind in Sachsen für biologischen Weinbau zertifiziert.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.09.2013

Lars Müller

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