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Weingut Proschwitz gibt Zadel auf

Konzentration rund ums Schloss Weingut Proschwitz gibt Zadel auf

In den kommenden Jahren will Winzer Georg Prinz zur Lippe vor allem den Bereich am Schloss beleben. Der sächsische Weinskandal ärgert ihn nach wie vor und hat ihm auch geschadet – und er findet drastische Worte für die „Pfuscher“.

Das Weingut in Zadel beherbergt auch einen großen, gut gefüllten Weinkeller.

Quelle: Norbert Millauer

Meißen. Das Weingut Schloss Proschwitz will den Standort Zadel komplett aufgeben. Das Unternehmen konzentriere seine Aktivitäten künftig komplett am Standort Proschwitz, sagte Georg zur Lippe am Montag am Rande der Jahrgangsweinpräsentation. Beim Zeitplan herrsche aber keine Eile, betonte der Unternehmer und widersprach ungefragt Gerüchten, wonach die Firma mit finanziellen Engpässen zu kämpfen habe. „Wir müssen nichts verkaufen.“ In einem romantischen Gutshof im Dorfkern von Zadel betreibt das Weingut eine Kellerei, eine Vinothek, Gästezimmer und ein derzeit für Event-Gastronomie genutztes Lokal.

„Das Weingut lebt mit seinen Gästen“

In den kommenden drei bis fünf Jahren soll das Schloss Proschwitz spürbar belebt werden. Der Park in den großzügigen Anwesen ist schon immer stets für Besucher offen, das Schloss wird für Veranstaltungen vermietet. Künftig soll aber noch die Vinothek aus Zadel, ein begehbares Barrique-Lager, ein Sektlager mit Möglichkeit zum Degorgieren der Sekte und eine kleine Schaubrennerei dort angesiedelt werden. „Das Weingut lebt mit seinen Gästen“, so zur Lippe. Es sei aber keine Kopie des Erlebnisweinguts Schloss Wackerbarth geplant, vielmehr sei ihm Authentizität wichtig. Die Vorbereitungen und Abstimmungen mit den Behörden liefen.

Beide Standorte auf Dauer parallel zu betreiben sei wirtschaftlich nicht zu stemmen, hieß es. Gekeltert und ausgebaut werden die Weine künftig alle in der Kellerei im Gewerbegebiet Ockrilla bei Niederau. „Dort können wir rund um die Uhr arbeiten und stören keine Nachbarn“, so zur Lippe. Die Kellerei habe genug Kapazität, da die Weine von den vor Jahren verkauften Weimarer Weinbergen und die zehn Jahre für das Staatsweingut ausgebauten Grundweine weggefallen sind beziehungsweise wegfielen. Man habe vergangenes Jahr 200 000 Euro in eine weitere moderne Presse investiert.

Drei Interessenten für 16 Hektar Rebfläche

Für die Kellerei in Zadel gebe es zwei Interessenten: einen neuen Weinhersteller, der eine Linie Sachsenwein für den Lebensmitteleinzelhandel plane und einen Industriellen, der sich den Traum von einem Weingut erfüllen wolle, so Georg zur Lippe. Verkaufen werde er erst, wenn alle finanziellen Sicherheiten vorlägen. Entschieden sei noch gar nichts. Es sei auch möglich, die Kellerei separat zu veräußern, da sie eine Zufahrt außerhalb des umbauten Gutshofes habe.

Auch die Verträge für gut 16 Hektar Rebfläche, die das Weingut nach dem Auslaufen von Lieferverträgen für Wackerbarth verpachten möchte (DNN berichteten), seien noch nicht unterschrieben. Es gebe hier drei Interessenten, wobei nach Angaben von zur Lippe der potenzielle Weinhersteller, der auch an der Kellerei Interesse bekundete, schon mit Weinbergsarbeiten wie Rebschnitt, Biegen und Binden begonnen habe, bevor die Vegetation einsetzt. Dass ein neuer Weinproduzent ausschließlich für den Lebensmitteleinzelhandel den sächsischen Weinpreisen schaden könnte, befürchtet zur Lippe nicht. Schon jetzt würden von einem großem Betrieb Weine für 5,99 Euro angeboten, sagte er.

Amerika-Geschäft ist komplett weggebrochen

Ungefragt hat Georg zur Lippe den Weinskandal noch einmal thematisiert. Dieser wirke noch immer nach und habe fast sein komplettes Amerika-Geschäft wegbrechen lassen. Konkret beziffern wollte er den Schaden nicht, allerdings hätte der gesamte Sachsenwein unter dem Imageverlust zu leiden - „nur weil „ein paar Idioten gepfuscht haben“, so zur Lippe. Die Schuldigen sieht er aber nicht allein bei den Verursachern, sondern auch bei Journalisten, die darüber berichtet haben. In anderen Anbaugebieten werde so etwas zwischen Ministerien und Winzern geklärt, ohne Öffentlichkeit, hätten ihm Winzerkollegen aus dem Verband der Prädikatsweingüter erzählt.

Er befürworte, dass sich der Weinbauverband demnächst neu aufstelle. Er selbst hält sich aber nicht für die richtige Person im Vorstand. Auch einen Zusammenschluss mit dem Weinbauverband Saale-Unstrut hält zur Lippe für nicht sinnvoll, zu unterschiedlich seien die Anbaugebiete und zu viele Behörden in verschiedenen Bundesländern zuständig.

Von Lars Müller

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