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Umland Weinernte in Sachsen 2017 geringer als im Jahr davor
Region Umland Weinernte in Sachsen 2017 geringer als im Jahr davor
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08:33 07.02.2018
Regen war ein ständiger Begleiter durch das Weinjahr 2017. Quelle: Lars Müller
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Meißen/Pillnitz


Die sächsischen Winzer und Weinbauern haben im Spätsommer und Herbst 2017 insgesamt 26.192 Hektoliter Wein geerntet. Das teilte das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie beim Weinbautag am Dienstag mit. Damit liegt der Ertrag leicht unter dem des Jahrgangs 2016, der als Nachwenderekord galt. Die durchschnittlichen Hektarerträge und Mostgewichte erreichten etwa das Vorjahresniveau. Signifikante Zuwächse bei der Erntemenge mit Blick auf den langjährigen Durchschnitt gab es demnach beim Müller-Thurgau, bei Scheurebe sowie bei Spätburgunder und Regent. Elbling- und Dornfeldertrauben wurden hingegen deutlich weniger geerntet.

Im vergangenen Jahr waren in Sachsen 2.083 Winzer und Weinbauern gemeldet, gut 1.600 weniger als noch zehn Jahre zuvor. 38 Winzer betreiben aktuell ihr Handwerk im Haupterwerb, 42 im Nebenerwerb. Noch immer werden 99 Prozent der 467 Hektar Ertragsrebfläche im Freistaat Sachsen von Klein- und Kleinstwinzern gehegt und erhalten. Traditionell dominieren mit 82 Prozent die Weißweinsorten im Anbaugebiet.

Zu ihnen gehört auch der Goldriesling, aus dem ein leichter Zechwein vergoren wird. Die frostharte Rebsorte wurde vor 125 Jahren im Elsass gezüchtet und hat heute in Deutschland nur noch im sächsischen Anbaugebiet eine wirtschaftliche Bedeutung. Die mit Goldriesling bestockte Rebfläche an den Elbhängen wächst seit Jahren wieder. Stand Goldriesling vor zehn Jahren noch auf knapp 16 Hektar, sind es derzeit schon fast 29 Hektar. Insgesamt werden in Sachsen 67 Rebsorten kultiviert, allen voran Müller-Thurgau, Riesling und Weißburgunder. Die Entwicklung der sogenannten pilzwiderstandsfähigen Rebsorten – Neuzüchtungen, die weniger synthetischen Pflanzenschutz benötigen – stagniert im Anbaugebiet. Aktuell stehen Solaris, Regent, Souvignier gris und Co. auf lediglich sieben Hektar. Die Namen dieser Rebsorten sind vielen Verbrauchern unbekannt, entsprechend schwierig gestaltet sich die Vermarktung solcher Weine. Tatsächlich erinnern Helios und Johanniter zuerst an Krankenhaus und Rettungsdienst und weniger an Weingenuss. Zudem ist von erfahrenen Winzern zu hören, dass aus diesen neuen Sorten keine wirklich hochwertigen und ihren Ansprüchen genügenden Weine ausgebaut werden könnten. Sie bleiben deshalb den traditionellen Sorten treu.

Generell müssen die sächsischen Winzer beim Verkauf zulegen. Die Weinbestände liegen markant über der Erntemenge. Und nur wenige Weißweine aus Sachsen besitzen Lager- beziehungsweise Reifepotential. Laut Landesamt lag 2017 der gemeldete Weißweinbestand in Fässern, Tanks und Flaschen bei 27.192 Hektolitern (2016: 20.553 Hektoliter). Dem stand eine Erntemenge bei Weißwein von 21.748 Hektolitern gegenüber. Beim Rotwein sieht es ähnlich aus, ein Lagerbestand von 7.694 Hektorlitern wurde durch 4.444 Hektorliter des Jahrgangs 2017 ergänzt. Die Zeiten ausverkaufter Weingüter scheint damit vorüber.

Auch an der Qualitätsschraube werden die Sachsenwinzer weiter drehen müssen. Bei der Qualitätsweinprüfung wurde 2017 ein Viertel der angestellten Weine im ersten Versuch abgelehnt. Das waren so viele wie seit Jahren nicht. Zugleich stieg auch die Anzahl der Weine: 44 Betriebe reichten 571 Weine ein. Bei Nachprüfungen rasselten immerhin noch 46 Weine endgültig durch. Diese können dann noch als Landweine vermarktet werden. Beachtenswert ist die Tatsache, dass die meisten Prüfer in der amtlichen Prüfkommission selbst Winzer und Kellermeister sind und offenbar nicht von den Weinqualitäten ihrer Kollegen überzeugt sind. Häufigste Ablehnungsgründe waren Bittertöne, eine untypische Alterungsnote und klassischer Böckser, der in Zusammenhang mit Schwefelverbindungen entsteht und beispielsweise auf Herstellungs- oder Lagerfehler zurückzuführen sein kann. Erfahrene Kellermeister können solche frühzeitig zu erkennenden Weinfehler im Anfangsstadium korrigieren. Auffällig ist, dass seit Jahren dieselben Ablehnungsgründe dominieren, viele Weingüter aber offenbar immer wieder Weine mit diesen Fehlern kostenpflichtig zur Prüfung anstellen und von den ausgewiesenen Fachleuten aus ihrer eigenen Branche – alle müssen einen Prüferschein der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft nachweisen - folgerichtig Ablehnungen kassieren.

Von Lars Müller

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