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Umland Wanderfalke bekommt neue Familie
Region Umland Wanderfalke bekommt neue Familie
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19:09 03.06.2018
Ulrich Augst, Vogelexperte vom Nationalpark, beringt den jungen Wanderfalken in seinem Büro in Bad Schandau. Der zeigt sich davon wenig begeistert. Quelle: Mike Jäger
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Bad Schandau

Am Großen Zschirnstein in der Sächsischen Schweiz schreit laut und aufgeregt ein Wanderfalkenjunges. Der kleine Vogel im Horst auf einem sandigen, überwölbten Felsband fühlt sich gestört: Ein Bergsteiger seilt sich in der 100 Meter hohen Südwand ab. Am Felsband nimmt der Bergsteiger aus seinem Rucksack einen anderen jungen Wanderfalken und setzt ihn neben den schreienden Vogel.

Was war passiert? In einer Nisthöhle im Bielatal waren vier Wanderfalken ausgebrütet worden. Diese Anzahl ist ungewöhnlich hoch – normalerweise haben die Falken zwei bis drei Junge – und die Höhle ist zu eng für vier Vögel. Ein Jungtier war aus dem Nest gedrängt worden. Auf einer kleinen Felszacke unterhalb des Brutloches saß er dann zweieinhalb Tage. Mitarbeiter des Nationalparks Sächsische Schweiz, die das Brutgeschehen kontrollieren, beobachteten den Falken. Was die Vogelschützer vermuteten, passierte: Donnerstag früh finden sie den kleinen Wanderfalken am Waldboden, vor Entkräftung von der Felswand abgestürzt, abgemagert und schwach, aber glücklicherweise lebend. Die Nationalparkleute nehmen den Vogel mit ins Büro der Nationalparkverwaltung in Bad Schandau. Dort wird der Vogel mit Rindfleischstückchen aufgepäppelt.

Schon am gleichen Nachmittag hat er sich erholt und kann wieder ausgesetzt werden. Da der Platz in der elterlichen Bruthöhle in Bielatal aber zu klein ist, bringen ihn die Parkhüter zum Großen Zschirnstein. Der Brutplatz dort ist geräumig und nur ein Junges in etwa gleichem Alter ist hier im Nest. Werden dessen Vogeleltern die Fütterung des Pfleglings übernehmen? Ulrich Augst, Vogelexperte vom Nationalpark, sagt: „Die Vögel können nicht zählen.“ Sie registrieren solche Umstände nicht. Schon bei der Wiederansiedlung der Wanderfalken im Elbsandsteingebirge sei so verfahren worden, als Jungvögel aus der Zucht in die Horste gesetzt wurden.

Die Brutsaison in diesem Jahr verläuft widersprüchlich: 18 Wanderfalkenpaare suchten sich im Frühjahr einen Brutplatz. Jetzt werden davon nur noch fünf Horste beflogen, erfreulicherweise allerdings mit immerhin 15 Jungvögeln darin. Aber neun Brutverluste sind zu registrieren. Bei vier Bruten ist das Ergebnis noch ungewiss. Es sei nicht nachvollziehbar, sagt Augst, dass die Hälfte der Bruten erfolglos war. Einerseits sind die Nistplätze mit bis zu vier Jungfalken hoch belegt, was für gutes Futterangebot spricht, anderseits gibt es komplette Brutverluste mit unbekannter Ursache. Störungen durch Menschen oder Tiere wären möglich oder, dass das Futterangebot während der Aufzucht an diesen Stellen dann doch nicht ausreichend war.

Das Adoptiv-Wanderfalkenjungtier am Großen Zschirnstein jedenfalls hat große Chancen, flügge zu werden und die Felsenwelt des Elbsandsteingebirges zu bereichern.

Von Mike Jäger

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